Berlins erste offene Familienwohnung eröffnet : Ein sicherer Ort für Kinder in Spandau

Die Räume sollen auch als Treffpunkt für Familien und Nachbarn dienen – Zunehmend emotionale Verarmungstendenzen bei Eltern im Falkenhagener Feld.

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Die kleinen Besucher fühlen sich in ihrem neuen Treffpunkt wohl.
Die kleinen Besucher fühlen sich in ihrem neuen Treffpunkt wohl.Foto: Tina Merkau/Gewobag

Nach gut dreijähriger Vorbereitungszeit ist im Falkenhagener Feld in Spandau die nach Angaben der Organisatoren erste offene Familienwohnung Berlins eröffnet worden. Kinder finden im Kraepelinweg in ihrer Freizeit einen sicheren Aufenthaltsort, zugleich sind die Räume ein offener Treffpunkt auch für ihre Eltern. Ermöglicht wurde das Projekt durch zwölf Kooperationspartner von der Gewobag, die die Vier-Zimmer-Wohnung zur Verfügung stellt, über das Bezirksamt und die Senatsjugendverwaltung bis hin zu den örtlichen Familienzentren.

Reaktion auf Gewalttaten gegen Kinder

Entstanden ist das Projekt, nachdem es vor einigen Jahren im Kiez zu Gewaltvorfällen gegenüber Kindern durch Pädophile gekommen war, so Heidi Depil, Geschäftsführerin des Betreibers Casablanca, einer gemeinnützigen Gesellschaft für innovative Jugendhilfe und soziale Dienste. In der Wohnung finden Kinder im Alter zwischen etwa sechs und zwölf Jahren, die ihre Freizeit sonst allein verbringen müssten, einen sicheren Ort, wo sie Hausaufgaben machen, spielen oder einfach nur chillen können. Auch ihre Eltern sind hier willkommen, beiden will man Halt, Wärme und sichere Strukturen in einem für sie immer schwerer zu bewältigenden Alltag vermitteln. Denn bei vielen Eltern im Falkenhagener Feld sind immer größer werdende, emotionale Verarmungstendenzen erkennbar.

Der Kooperationsvertrag wird unterzeichnet.
Der Kooperationsvertrag wird unterzeichnet.Foto: Tina Merkau/Gewobag

„Gerade hier gibt es ein großes Bedürfnis, Unterstützungsangebote zu bekommen“, sagte Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD). Kinder müssten in einem intakten Umfeld und geschützten Rahmen aufwachsen, „leider sieht die Lebenswirklichkeit anders aus“, so Gewobag-Geschäftsführerin Snezana Michaelis. Die offene Familienwohnung versteht sich vor diesem Hintergrund als ein Projekt, in dem die Nutzer den Familienalltag trainieren können. „Ziel soll es sein, Kinder und Eltern mit chronischen Erziehungsdefiziten an einem offenen, sicheren Ort ein Gefühl des Miteinanders, der Selbstwirksamkeit und im besten Fall die Möglichkeit des Reifens oder Nachreifens zu eröffnen“, so die Organisatoren.

Bis Ende 2018 ist die Familienwohnung mit der Bewilligung von Mitteln für eine Drei-Viertel-Stelle vorerst gesichert. Doch ohne ehrenamtliches und nachbarschaftliches Engagement wäre das Projekt nicht zu realisieren. So arbeiten die ersten Nachbarn bereits aktiv mit.

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