Die verwunschene Straße am Windmühlenberg : Der Weite Blick ist getrübt

In Spandau gibt man sich eigentlich schnell beim Neubau von Wohnungen, in Gatow tut man sich schwer.

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Der Weite Blick am Südhang des Windmühlenbergs.
Der Weite Blick am Südhang des Windmühlenbergs.Foto: During

Wer nicht gezielt danach sucht ist schnell daran vorbeigefahren. Wagt man sich hinein, entsteht schnell der Eindruck, ein verwunschenes Gelände zu betreten. Teile des Südhangs des Gatower Windmühlenbergs scheinen in Vergessenheit geraten zu sein. Weiter Blick heißt die schmale Straße, doch der Wildwuchs, der seit Jahren zahlreiche brachliegende Grundstücke überwuchert, gibt nur noch an wenigen Stellen den malerischen Blick auf die tiefer liegenden Felder frei. Vornehmlich auf der Nordseite gibt es auch noch ein paar schmucke Häuschen, andere Bauten sind total marode. „Manche sehen so aus, als ob man Dornröschen dort wiederfinden könnte“, schilderte der Bezirksverordnete Uwe Ziesak (SPD) am Montag seine Eindrücke im Ausschuss für Hochbau und Liegenschaften der Spandauer BVV.

Seit rund zwei Jahrzehnten gibt es Überlegungen für eine Wiederbelebung der traumhaften Hanglage, doch die wurden damals wieder auf Eis gelegt. Bereits vor einigen Jahren haben ein Gatower Architekt und ein Kölner Investor ihr Konzept für die Neuen Wohnhöfe Gatow vorgestellt. 100 Wohneinheiten in einem Ensemble von 17 bis 20 Hausgruppen möchten sie hier errichten, doch stießen trotz der Berliner Wohnungsnot im Rathaus bisher auf wenig Interesse. Erst einmal müssten die Grundstücke frei sein und dann gelte es diverse Vorschläge einzuholen und abzuwägen, hatte bereits im vergangenen Jahr der damalige Baustadtrat Carsten Röding (CDU) erklärt. Die nach den Wahlen ins Bezirksparlament zurückgekehrte FDP hat das Thema aufgegriffen und fordert in einem Antrag vom Bezirksamt, die Planungen weitere zu betreiben und die Gespräche mit potentiellen Investoren wieder aufzunehmen. Seit fünf Monaten „schmort“ der Vorgang nun schon in den bezirklichen Gremien.

Gut die Hälfte der Grundstücke ist verlassen und verwildert.
Gut die Hälfte der Grundstücke ist verlassen und verwildert.Foto: During

Die Bezirksverordnetenversammlung überwies den Antrag im März an den Ausschuss für Stadtentwicklung. Dort erklärte der neue Baustadtrat Frank Bewig (CDU), dass es „denkbar“ wäre, „diese Fläche für Wohnungsbau vorzusehen“, das Bezirksamt darüber aber in keinerlei Verhandlungen stehe. Um dem Wunsch von CDU und FDP zu entsprechen, Klarheit über die Zahl der noch vorhandenen Pächter auf dem bezirkseigenen Gelände und die Gestaltung von deren Verträgen zu erhalten, wurde der Antrag von der BVV im Mai zur Mitberatung an den Ausschuss für Hochbau und Liegenschaften überwiesen, der das Thema nun endlich am Montag auf der Tagesordnung hatte. Von den insgesamt 36 Grundstücken stehen 19 leer, teilte der für die bezirkseigenen Bauten und Grundstücke zuständige Stadtrat Andreas Otti (AfD) mit. Zwei werden von Dauernutzern bewohnt, von denen einer zum Jahresende gekündigt hat. Bei den übrigen Grundstücken handelt es sich nach Angaben des Stadtrates um Wochenendnutzungen.
Laut Otti gibt es für alle Grundstücke nur einjährige Pachtverträge, die jeweils bis zum 30. September zum Ende eines Jahres gekündigt werden können. Kündigungen seitens des Bezirks seien aber derzeit nicht beabsichtigt, so der Stadtrat. Seine Infos gehen jetzt erst einmal auf dem „Dienstweg“ zurück an den Stadtplanungsausschuss und die BVV. Dornröschen kann vorerst weiter schlafen.

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