Eiswerder in Berlin-Spandau : Berlins 100-Milllionen-Projekt: Das Meilenwerk ist pleite

Hotel mit 120 Zimmern, Eigentumswohnungen und das „Meilenwerk“ mit großer Veranstaltungshalle - 100 Millionen sollte das kosten. Nun kam die Pleite.

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1A-Wasserlage. Altbauten auf Eiswerder, einige davon sollten in ein Meilenwerk umgewandelt werden.
1A-Wasserlage. Altbauten auf Eiswerder, einige davon sollten in ein Meilenwerk umgewandelt werden.Foto: promo

Inseln haben ja immer schon die Phantasie angeregt. Und obwohl in Spandau kein karibisches Klima herrscht, wäre eine Wohnung auf Insel Eiswerder mit Blick auf die Skyline der Stadt durchaus traumhaft. Die „Meilenwerk-AG“, stadtweit bekannt für ihre zunächst in Moabit aufgebaute Oldtimer-Schau in altehrwürdigen roten Backsteingemäuern, hatte diese Vision im Blick – bislang.
Denn nun ist die Firma pleite.
Gestoppt sind damit auch deren große Pläne: Ein Hotel mit 120 Zimmern, teure Eigentumswohnungen und im Zentrum der Anlage das neue, größere, prachtvollere „Meilenwerk“ einschließlich 3000 Quadratmeter großer Veranstaltungshalle. 100 Millionen Euro sollte der Traum von einer Insel im Nordwesten der Stadt kosten, die sich mit der Schließung vom Airport Tegel sogar zu einer Oase der Ruhe verwandelt hätte.

Der Vorstand meldete die Insolvenz selbst an

„Der Vorstand hat die Insolvenz selbst angemeldet“, sagt der vom Amtsgericht bestellte Insolvenzverwalter Christian Köhler-Ma. Beabsichtigt sei, möglichst schnell eine „Auffanggesellschaft“ zu gründen, damit die Planung der Neubauten auf der Insel weiter gehen kann. Die Angelegenheit sei nicht ganz einfach, weil es mehrere, „umfangreiche Projekte“ gebe, sagt Köhler-Ma.

Inselstadt Berlin
Willkommen in der Inselstadt Berlin. Nee, um die Mauer soll's hier nicht gehen, sondern wirklich um - Berlins Inseln. Natürliche, künstliche, und andere, die nur so heißen. Dieses Foto entstand an der Anlegestelle an der Havelchaussee, tief im Grunewald - von dort geht's rüber nach Lindwerder. Es gibt noch viel mehr dieser schönen Urlaubsorte, für die man auch nicht in den Touri-Flieger steigen muss.Weitere Bilder anzeigen
1 von 40Foto: André Görke
08.02.2016 15:43Willkommen in der Inselstadt Berlin. Nee, um die Mauer soll's hier nicht gehen, sondern wirklich um - Berlins Inseln. Natürliche,...

Nun baut ein McKinsey-Berater die Firma um

Denn Meilenwerk-Chef Martin Halder wollte seine Idee einer Oldtimer-Event-Werkstatt mit angeschlossener Wohn- und Esskultur nämlich auch exportieren: In Zürich, am Chiemsee und in Hamburg sollten weitere Häuser entstehen. Doch jetzt ist erst mal Schluss mit den Plänen – der Insolvenzverwalter hat Computer, Autos und andere Vermögenswerte der Firma sichergestellt.

Auch Albert Einstein war Spandauer
Schönen Gruß aus Wilhelmstadt. Hier besaß Albert Einstein eine Laube. Die Gedenktafel haben wir an der Scharfen Lanke entdeckt.Weitere Bilder anzeigen
1 von 93Foto: André Görke
04.07.2016 13:11Schönen Gruß aus Wilhelmstadt. Hier besaß Albert Einstein eine Laube. Die Gedenktafel haben wir an der Scharfen Lanke entdeckt.

Das Geld sei „aufgebraucht wegen der hohen Planungskosten für Eiswerder“, sagt Christian Malorny. Der langjährige McKinsey-Berater ist neu bei der „kleinen Meilenwerk-AG“ und will die Firma im Zuge der Insolvenz in einer für internationale Investoren vorzeigbare Holding umbauen. Von Aufgeben könne keine Rede sein, im Gegenteil, Geldgeber gebe es genug und diese seien begeistert von Projekt und Standort.

Noch ist die Gesamtplanung nicht durch


Aber am liebsten hätten Finanziers eine vom Amt genehmigte Gesamtplanung, die tagsdrauf realisiert werden kann. Das aber gibt es noch nicht für das 100-Millionen-Projekt Eiswerder – es bleibt noch viel zu tun. Malorny spricht von Partnern, mit denen ein „Joint-Venture“, also enge Kooperationen, geplant sind. Die Baupläne seien „weit fortgeschritten“, für einige Abschnitte des Areals sogar fertig gestellt. Die Entwicklung werde eng mit dem Eigentümer der Liegenschaften abgestimmt – denn das Grundstück gehört den Meilenwerk-Leuten auch noch nicht.

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Allerdings sei „der Bezirk von der Idee begeistert“, erklärt Malorny. Das liege auch an der geplanten 3000 Quadratmeter großen „Eventfläche“. Und ähnlich wie bei dem Neuköllner Entertainment-Komplex Estrel soll auch auf Eiswerder ein Hotel mit 120 Zimmern entstehen. Veranstaltungen, Konzerte und Messen könnten dann viele Besucher auf die Insel locken. Diese wäre nicht nur ein Rückzuggebiet für die Eigentümer der dort ebenfalls geplanten Eigentumswohnungen nach Feierabend.

Der Berater sammelt selbst Oldtimer und glaubt an das Konzept

Malorny sammelt selbst auch alte Autos: „Deutsche Kleinwagen“ wie den Messerschmidt Tiger. So kam auch der Kontakt zu Meilenwerk-Gründer Martin Halder zustande. Dass die Freude an historischem Blech an Bedeutung verliert, glaubt Malorny nicht.

Schöner Wohnen. Eigentumswohnungen auf Eiswerder sind begehrt: Die Wohnungen in den umgebauten Denkmälern verkaufte die Prinz von Preußen Grundbesitz zügig.
Schöner Wohnen. Eigentumswohnungen auf Eiswerder sind begehrt: Die Wohnungen in den umgebauten Denkmälern verkaufte die Prinz von...Foto: promo

Der Kundenkreis für das kostspielige Hobby wachse vielmehr, glaubt er. Für Oldtimer begeisterten sich nicht mehr nur „Schrauber“, die nach Feierabend stundenlang den Rost vom Blech abschleifen. Heute gebe es auch Kunden für das „Rundum-Sorglos-Paket“: Die wollen in einen frisch polierten Oldtimer einsteigen und losfahren. Außerdem interessierten sich auch Investoren für Oldtimer, die auf Wertsteigerung spekulieren.

Erfolge gibt es auch auf Eiswerder

Ein sicheres Pfund sind jedenfalls Eigentumswohnungen auf Eiswerder. Dafür sprechen die guten Geschäfte beim Umbau des ehemaligen Königlich Preußischen Feuerwerkslaboratoriums durch die Prinz von Preussen Grundbesitz AG. Rund 25 Millionen Euro investierte die Firma in das Ensemble, das nun als „West Village Lofts“ und „Park Lofts“ zu Preisen zwischen 3900 und 4000 Euro je Quadratmeter verkauft wurde. 60 bis 90 Quadratmeter groß sind die Wohnungen. Nachdem die erste Anlage vor zwei Jahren Eigentümer gefunden hatte, soll der Bau der letzten von insgesamt 75 Wohnungen in diesem Jahr erfolgen.

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