Gastbeitrag der Vorsitzenden des Wirtschaftshof Spandau : Eine Hochschule für Spandau

Professor Dr. Jürgen Zimmer präsentierte sein Konzept beim Wirtschaftshof-Treff der Vereinigung Wirtschaftshof Spandau im Freiherr vom Stein-Gymnasium.

Gabriele Fliegel
Gabriele Fliegel leitet den Spandauer Wirtschaftshof. Foto: During
Gabriele Fliegel leitet den Spandauer Wirtschaftshof.Foto: During

Viele wollen eine Universität für Spandau. Auf Berlin verteilt gibt es fünf Universitäten, sechs Fachhochschulen, sechs Kunsthochschulen, zwei konfessionelle Hochschulen und fast 30 private Hochschulen. Aber keine in unserem Bezirk. Dabei ist Bildung der Garant für eine bessere Zukunft und verjüngt und belebt mit den Menschen die Bevölkerung der Stadt. Aber was für eine Hochschule ist in Spandau möglich? Das Angebot muss einmalig sein.

Professor Zimmer entwickelte mit Kollegen ein Hochschulkonzept

Professor Dr. Jürgen Zimmer von der FU Berlin ist einer der führenden, international anerkannten Pädagogen unserer Zeit. Präsident der Internationalen Akademie Berlin für innovative Pädagogik, Psychologie und Ökonomie gGmbH (INA), Präsident der Carl Benz Academy Peking und der School for Life Foundation Chiang Mai / Thailand. Er hat zusammen mit Kollegen ein Hochschulkonzept entwickelt, das die Herausforderungen unserer Zeit anpackt. Das hat er auf Einladung des Wirtschaftshof Spandau im Freiherr-vom-Stein-Gymnasium vor Unternehmern und Pädagogen vorgestellt.

Hochschule die das Beste aus allen Welten weiter entwickelt

Neben Kriegen lassen auch Klimakatastrophen die Weltbevölkerung wandern. Deshalb wird das Drunter und Drüber der Integration laut Zimmer über Jahre andauern. Das halb beherrschte Chaos macht er zum Thema und sieht eine Chance wenn wir uns wissenschaftlich und situativ mit wirksamen Integrationsstrategien beschäftigen, einschließlich der Beachtung der Menschenrechte ohne Wenn und Aber.

Die Hochschule, die für alle offen ist und das Beste aus allen Welten weiter entwickelt, soll zwei Schwerpunkte haben. Einmal die Qualifizierung von Moderatorinnen und Moderatoren der Integrationsprozesse, von denen die gestellten Anforderungen ohne entsprechende Kompetenzen nicht angemessen bewältigt werden können. Und zweitens die Mobilisierung von unternehmerischen Kompetenzen bei Einwanderern. Denn unter ihnen dürften auch viele sein, die durch Entrepreneurship Arbeitsplätze für sich und andere schaffen könnten.

Unternehmerische Kompetenzen der Einwanderer fördern

Die Hochschule will ein Forum für innovatives Entrepreneurship werden und dabei durch Coaching dazu beitragen, dass aus Start-ups erfolgreiche Unternehmen werden. Sie soll auch eine Entrepreneurship Education fördern, die spielerisch schon im Kindergarten beginnt und sich durch alle Bildungsstufen zieht. Das Studium soll in drei Stufen strukturiert werden: Ein Studium Generale zur Vermittlung von Basiskompetenzen, ein Haupt- und Projektstudium sowie Centers of Excellence für unternehmerische Initiativen.

Es sollte „klein“ angefangen werden an einem zentralen Ort. Andere „Räume“ in Spandau könnten dann dazu kommen. Ein geforderter situativer Lernansatz verlangt, an realen Plätzen in konkreten Situationen zu arbeiten. Entdeckendes Lernen ist schon heute bei den Havelkids und vielen anderen Kitas Standard, wird aber leider an den Schulen nicht unbedingt fortgesetzt. Deshalb langweilen sich viele Schülerinnen und Schüler. Die MINT-Schulen haben das aufgegriffen.
Es wird eine Mischfinanzierung aus deutschen, europäischen und UN-Mitteln angestrebt. Beteiligen können sich auch Unternehmen und Stifter – auch aus der arabischen Region, sofern sie dabei die Vorgaben des deutschen Grundgesetzes respektieren. Auch die durchaus übliche Einführung von Studiengebühren ist zu überlegen.

Bezirk muss schnell handeln

Bei der Vorstellung und Diskussion war unter den rund 40 Teilnehmen eine Aufbruchsstimmung zu spüren. Die Idee der Offenheit war allen wichtig, sogar die Integration einer Kinderuniversität stand im Raum. Und die Hauptforderung: Die Politik in Spandau muss diese Hochschule wollen! "Spandau muss schnell sein, bevor das Projekt in einem anderen Bezirk verwirklicht wird", sagt Dr. Britta Marschke von der Gesellschaft für Interkulturelle Zusammenarbeit (GIZ e.V.), die schon lange den Kontakt zu Prof. Zimmer und zu dem Projekt hat. Also packen wir es an! Spandau, als weltoffener Bezirk, darf sich diese Möglichkeit nicht aus den Händen nehmen lassen.

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