Gastbeitrag der Vorsitzenden des Wirtschaftshof Spandau : Spandaus Zentrum ist im Umbruch

Das Altstadtmanagement hat seine Arbeit aufgenommen. Die Bürger sind nur Mitarbeit aufgerufen.

Gabriele Fliegel
Gabriele Fliegel leitet den Spandauer Wirtschaftshof.
Gabriele Fliegel leitet den Spandauer Wirtschaftshof.Foto: During

Gemeinsam haben Berliner Senat, Bezirksamt Spandau, lokale Akteure und Bürgerinnen und Bürger das Ergebnis des Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK) für eine zukunfts-und bedarfsgerechte Entwicklung der Spandauer Altstadt, der größten Fußgängerzone Berlins, zusammengetragen. Ich freue mich sehr, dass wir das geschafft haben. Nach einer europaweiten Ausschreibung für das Altstadtmanagement - welches die Gebietsbetreuung und ein Geschäftsstraßenmanagement vereint - geht es nun mit der Umsetzung richtig los.

Das Gebiet umfasst die Spandauer Altstadt und die unmittelbar angrenzenden besonderen Orte, die historisch in einem engen Zusammenhang zu ihr stehen. Hierzu zählen das südliche Glacis der Zitadelle sowie beide Seiten des Havelufers und der Mündungsbereich von Spree und Havel. Die Themen sind u.a. Stadtgestaltung und Bebauung, Öffentlicher Raum und Mobilität, Wohnen und Soziales, Wirtschaft und Tourismus, Landschaft und Klima sowie Bildung und Kultur.

Mehr als 160 Projektvorschläge

Im Rahmen der Erarbeitung des ISEK wurden über 160 Projektvorschläge zusammengetragen. Diese bezogen sich beispielsweise auf die Themen Beleuchtung, Sicherheit und Inszenierung der schönen Orte, ein Informations– und Wegeleitsystem, die Verbesserung der Parkplatzsituation, eine für Fußgänger-und Radfahrer freundliche Stadt sowie Freizeit-und Gastronomieangebote am Havelufer. Auch die Sichtachsen und Durchblicke zur Zitadelle, Barrierefreiheit und Energieeffizienz von Gebäuden, Verknüpfung zwischen Altstadt, Bahnhof und Arcaden und der Ausbau der Uferwege zur Erreichbarkeit der Altstadt über das Wasser sollen mitbedacht werden. Potenziale liegen in der Nutzung der Wasserlage, der Verwendung moderner Mobilitätsmöglichkeiten und der Kreativwirtschaft.

Unter dem Motto „Alter Kern, neue Urbanität“ soll die Altstadt als Identifikationsort und gesellschaftlicher Mittelpunkt für alle Spandauer Bürgerinnen und Bürger neu gedacht und entwickelt werden. Das Förderprogramm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ zielt auf den Erhalt, die Sicherung und Weiterentwicklung von historischen Stadtzentren und -quartieren zu zukunftsfähigen und attraktiven Wohn- und Lebensorten mit hohem Identifikationswert und baukultureller Bedeutung ab.

Runder Tisch Gewerbe

In der Spandauer Altstadt sind bereits viele Akteure aktiv, die Vereinigung Wirtschaftshof Spandau e.V., Partner für Spandau – Gesellschaft für Bezirksmarketing mbH, Karstadt Spandau, die Spandau Arcaden sowie private Einzelhändler. In den letzten Jahren entstanden bereits erste Arbeitsgruppen, in denen sich Institutionen, Kirchen, Initiativen, Gewerbetreibende und das Bezirksamt Spandau austauschten. Diese Arbeit soll unter anderem in der AG „Runder Tisch Gewerbe“ verstetigt werden. Es ist geplant, die Eigentümer besonders zu beraten, denn sie entscheiden letztendlich über die Mieter und Branchen in ihrem Haus. Nur so kann der gewünschte Branchenmix mit einem hochwertigen und kreativen Angebot gewährleistet werden. Moderate Mieten und das Interesse an dem Besonderen müssen den Eigentümern ein Bedürfnis sein, um wieder die interessante und qualitätsvolle Kleinteiligkeit der Geschäfte zu unterstützten. Das Gesamtkonzept der Altstadt am Ufer der Havel braucht eine Öffentlichkeitsarbeit, damit jeder sagt: „Da muss ich hin“! Investoren, Kreative und Menschen aller Generationen.

50 Millionen Euro Fördergelder

Ein weiterer großer Bereich ist die Umgestaltung der Fußgängerzone: Rathausvorplatz, das Entree der Altstadt, der Markt als Veranstaltungsort und der Reformationsplatz als historischer Stadtplatz. All diese Vorhaben müssen unter der Beteiligung einer engagierten Öffentlichkeit stattfinden. Hier müssen ein hervorragendes Baumanagement, eine kreative Logistik und eine einfühlsame Einschätzung der Geschäfte und Aktivitäten vor Ort gefordert werden, damit keiner der Betriebe, nicht die Wochenmärkte und nicht der Weihnachtsmarkt, auf der Strecke bleiben. Jedes Projekt will gut überdacht sein, damit es auch den positiven Effekt weit möglichst garantiert. Die 50 Millionen Euro Fördergelder in den nächsten 10 Jahren sind trotz der vermeintlichen Höhe eine begrenzte Summe.

Das außerordentliche Projekt „Städtebaulicher Denkmalschutz“ ist eine einmalige Chance für Spandau, die es zu nutzen gilt. Wir als Spandauer und Spandauerinnen sollten sagen: Da machen wir mit! Da zeigen wir Kreativität, Mut und Engagement! Es wird zum einen an einer intelligenten Kommunikation des Altstadtmanagements liegen, Bürger und Bürgerinnen zu erreichen und bei den zukünftigen Planungen für kurz- und langfristige Ziele mit einzubeziehen. Ich denke aber auch, dass wir alle aufgefordert sind, jetzt weiter mitzumachen, hinzuhören und unsere Meinung einzubringen.

Das Altstadtmanagement hat seine Arbeit begonnen. Die Mitarbeiter stehen Ihnen für Fragen und Informationen gern zur Verfügung:

Altstadtmanagement Spandau, Mönchstraße 8, 13597 Berlin, Tel.: 35 10 22 70, E-Mail: info@altstadtmanagement-spandau.de, www.altstadtmanagement-spandau.de. Sprechzeiten vor Ort: montags von 15 bis 18 Uhr, dienstags von 10 bis 12 Uhr und donnerstags von 17 bis 19.30 Uhr.

Gabriele Fliegel stammt aus den holsteinischen Rellingen und kam 1976 nach Spandau, wo sie als Lehrerin an der Wilhelm-Leuschner-Schule unterrichtete und enge Beziehungen zwischen Schule und Wirtschaft knüpfe. Seit 2003 engagiert sie sich als Vorsitzende des Spandauer Wirtschaftshof e.V., einem Gewerbeverband mit mehr als 320 Mitgliedern.

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