Gastbeitrag des Spandauer CDU-Bundestagsabgeordneten : Beschulung geht vor Ideologie!

Mindestens 1.000 Flüchtlingskinder erhalten in Berlin keinen Unterricht, obwohl sie im schulpflichtigen Alter sind.

Kai Wegner
Kai Wegner ist Mitglied des Bundestages und Kreisvorsitzender der Spandauer CDU.
Kai Wegner ist Mitglied des Bundestages und Kreisvorsitzender der Spandauer CDU.Foto: Yves Sucksdorff

Eigentlich sieht das Konzept der Senatsbildungsverwaltung vor, Mädchen und Jungen zwischen dem 6. und 16. Lebensjahr direkt in regulären Schulen und dort in eigenen Willkommensklassen unterzubringen. In Spandau gibt es derzeit 66 Willkommensklassen. Zwei weitere werden zeitnah folgen. Neben dem Spandauer Schulamt warnen bereits jetzt die Schulleitungen und Elternvertreter eindringlich davor, dass die Schulen an den Grenzen des Machbaren ankommen.

Schule geraten an ihre Grenzen

An der Mertensstraße in Hakenfelde mit 1.000 Plätzen und 200 schulpflichtigen Kindern geht kaum ein Kind zur Schule, heißt es vom Betreiber. Deshalb wünscht man sich dort den Einsatz mobiler Lehrerteams, um die Kinder zumindest in den Unterkünften zu unterrichten. In dem verhältnismäßig kleinen Ortsteil Siemensstadt gibt es eine einzige Grundschule, aber inzwischen mehrere Flüchtlingsunterkünfte. An der Grundschule sind drei Willkommensklassen eingerichtet, weitere räumliche Kapazitäten gibt es nicht. Deshalb sollen und müssen hier Möglichkeiten geschaffen werden, die schulpflichtigen Flüchtlingskinder in den Einrichtungen selbst zu beschulen.

Oft kein Platz für Mobilbauten

Auch die von so manchem favorisierten so genannten modularen Erweiterungsbauten (MEB), die auf sämtlichen Schulfreiflächen errichtet werden sollen, hören sich nur in der Theorie nach einer Lösung an. Denn erstens sind diese Container aufgrund der Nachfrage schwer bis überhaupt nicht zu bekommen. Und zweitens fehlt auf vielen Schulfreiflächen und Pausenhöfen auch schlichtweg der Platz, um diese aufzustellen.
Spandau steht mit dem Mangel an Schulplätzen im Übrigen nicht alleine da. Lichtenberg lässt Flüchtlingskinder bereits in Unterkünften unterrichten. Marzahn-Hellersdorf plant Ähnliches an zwei Standorten. Inzwischen haben sich auch die Schulstadträte aller zwölf Bezirke einhellig darauf verständigt, Flüchtlingskinder aus Platzgründen künftig verstärkt in den Unterkünften zu unterrichten. Denn besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen.

Zukunftschancen in Gefahr

Das Prinzip der Willkommensklassen ist gut und richtig. Integration gelingt dort am besten, wo man im unmittelbaren Austausch mit der hiesigen Bevölkerung ist. Wenn aber selbst die Träger von Flüchtlingsunterkünften sich dafür aussprechen, notfalls auch in den Einrichtungen zu unterrichten, ist es Zeit, die ideologischen Wunschträume der Realität anzupassen. Wer auf Biegen und Brechen Willkommensklassen einrichten will, opfert letztlich das Lernklima und den Bildungserfolg zu Lasten aller Kinder. Das ist sowohl gegenüber den hiesigen wie hinzukommenden Kindern ungerecht, weil dadurch die Lernerfolge und Zukunftschancen aller Schülerinnen und Schüler aufs Spiel gesetzt werden. Damit ist keinem Kind gedient.

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