Gastbeitrag von Kai Wegner aus Berlin-Spandau : "Hoffentlich wird die Post-Ruine noch 2016 abgerissen"

Das ehemalige Postgelände muss zu einem vielfältigen Quartier entwickelt werden, fordert der Spandauer Bundestagsabgeordnete Kai Wegner (CDU) in seinem Gastbeitrag. Und welche Ideen haben Sie?

Kai Wegner
Wenn wir uns richtig erinnern, war diese Skulptur früher mal ein Wasserspiel. Links ist die ehemalige Ausfahrt zu sehen.
Wenn wir uns richtig erinnern, war diese Skulptur früher mal ein Wasserspiel. Links ist die ehemalige Ausfahrt zu sehen.Foto: André Görke

"Die olle Post ist endlich verkauft? Wirklich!" Als wir hier im Tagesspiegel vor vier Wochen berichtet haben, dass die alte Post in Spandau abgerissen wird, waren die Zugriffszahlen enorm. Auf unserer Facebook-Seite entstand eine leidenschaftliche Debatte unter Tagesspiegel-Lesern aus Spandau, was dort gebaut werden müsste. Die Vorschläge reichten von einer Disko bis hin zum Wohnungsbau. Am Tag danach präsentierte der neue Eigentümer seine ersten Pläne ("100 Millionen Euro"). Die Leiterin des Wirtschaftshof Spandau präsentierte vielfältige Ideen für die Gestaltung des Postgeländes ("Theater, Uni ..."). Jetzt ist die CDU dran. Lesen Sie hier den Gastbeitrag des Spandauer Bundestagsabgeordneten Kai Wegner.

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"Seit vielen Jahren ist es unter den Spandauerinnen und Spandauern eines der größten Aufregerthemen: das alte Postgelände. Nach der Schließung des Poststandortes hat sich das Areal zu einem Schandfleck entwickelt, und das im Herzen des Bezirks. Der Vandalismus und die Schmierereien am Gebäude boten jahrelang ein erbärmliches Bild, und auch das subjektive Sicherheitsempfinden der Menschen im Umfeld des Geländes wurde immer stärker beeinträchtigt.

Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt

Immer wieder habe ich Initiativen gestartet, diskutiert, um Lösungen gerungen und auf diese Problematik hingewiesen. Ich bin erleichtert, dass sich diese Beharrlichkeit ausgezahlt und auch dafür gesorgt hat, dass dieses Schmuddelgrundstück an der Klosterstraße nun endlich verschwindet. Es wurde ein Investor gefunden, der das Areal entwickeln wird. Das hat Baustadtrat Carsten Röding (CDU) gut gemacht. Hoffentlich wird der Abriss der Betonruine noch in diesem Jahr beginnen. Es stellt sich dann aber auch die Frage nach der zukünftigen Bebauung des Grundstücks.

1000 BLN 20: So sieht die alte Post-Ruine im Innern aus
So sieht es im Januar 2017 im Innern der Post-Ruine aus. Die Bilder macht der Spandauer Fotograf Sascha Lisowski.Weitere Bilder anzeigen
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31.01.2017 12:32So sieht es im Januar 2017 im Innern der Post-Ruine aus. Die Bilder macht der Spandauer Fotograf Sascha Lisowski.

Wonach bemessen sich eigentlich die Qualität und die Attraktivität eines städtischen Quartiers? Ich glaube, dass die Zeiten vorbei sind, in denen die Daseinsfunktionen in den Städten räumlich streng voneinander zu trennen waren. Die Menschen wollen nicht mehr in reinen Schlafstädten leben und auf dem Weg zum Arbeiten oder zur Freizeitgestaltung weite Strecken zurücklegen. Aus städtebaulicher Sicht empfiehlt sich daher für das Postgelände eine funktionale Nutzungsvielfalt, die den Bedürfnissen der Menschen nach Urbanität, Kompaktheit und Dichte gerecht wird.

Kai Wegner ist Mitglied des Bundestages und Kreisvorsitzender der Spandauer CDU.
Kai Wegner ist Mitglied des Bundestages und Kreisvorsitzender der Spandauer CDU.Foto: Yves Sucksdorff

Hohe Aufenthaltsqualität sicherstellen

Deshalb wäre es erwägenswert, für das Postgelände auf einen Mix von Arbeiten, Wohnen, Nahversorgung, Freizeitgestaltung, öffentlichen Freiräumen und Kultur zu setzen. Denn das wäre ein Garant für ein lebendiges Quartier mit hoher Aufenthaltsqualität. Zugleich wäre das auch die beste Versicherung dafür, dass wir nicht in zehn oder zwanzig Jahren den nächsten leerstehenden Gebäudekoloss an der Pforte zur Spandauer Altstadt zu beklagen haben. Unter den Spandauerinnen und Spandauern jedenfalls besteht kein Bedarf nach einem weiteren Aufregerthema.

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Mehr historische Fotos: Erkennen Sie Spandau wieder?
Carl-Schurz-Straße, 1950. Rechts die Ratsstuben, ein Haus mit SPD-Logo, in der Mitte das "Odeon"-Kino (1963 geschlossen). Und hinten der Kirchturm von St. Nikolai mit Notdach (das heutige entstand 1989)Weitere Bilder anzeigen
1 von 95Foto: Tagesspiegel Archiv
07.09.2017 07:15Carl-Schurz-Straße, 1950. Rechts die Ratsstuben, ein Haus mit SPD-Logo, in der Mitte das "Odeon"-Kino (1963 geschlossen). Und...

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