Gewaltopfer vom Alexanderplatz : Keine Jonny-K.-Straße in Spandau

Eine nach Jonny K. benannte Straße oder Grünanlage wird es in Spandau nicht geben. Das Bezirksamt hat einen entsprechen Beschluss der Bezirksverordneten abgelehnt, aber Alternativen aufgezeigt.

Rainer W. During
Der Alternativvorschlag beschäftigt am Mittwoch die Bezirksverordneten.
Der Alternativvorschlag beschäftigt am Mittwoch die Bezirksverordneten.Foto: During

Der 20jährige Spandauer Jonny K. hatte im Oktober 2012 tödliche Verletzungen erlitten, als er am Alexanderplatz einem Freund helfen wollte, der von anderen Jugendlichen attackiert wurde. Der Antrag, eine Straße, einen Platz oder eine Grünanlage in Spandau nach ihm zu benennen, war von Piratenpartei und SPD gestellt und von der BVV einstimmig angenommen worden.

Straßenbenennung noch nicht möglich

Wie Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD) und Baustadtrat Carsten Röding (CDU) jetzt in einer Vorlage zur Kenntnisnahme an die BVV am kommenden Mittwoch mitteilen, dürfen nach dem Berliner Straßengesetz Straßen erst dann nach einer Person benannt werden, wenn diese seit mindestens fünf Jahren verstorben ist. Die im Gesetzt vorgesehenen Ausnahmekriterien würden nach Auskunft der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz nicht erfüllt.

Am Egelpfuhlgraben Fußball gespielt

„Der einzige Bezug, der im Zusammenhang mit einer öffentlichen Grün- und Erholungsanlage in Berlin-Spandau zu der Person von Jonny K. festgestellt werden könnte wäre die Tatsache, dass Jonny K. im Blasewitzer Ring aufwuchs und auf dem Bolzplatz in der Grünanlage am Egelpfuhlgraben (zwischen Seeburger Weg und Lutoner Straße / Kleingartenanlage Egelpfuhlwiesen I und II, hinter der Carlo-Schmid-Oberschule) häufig in seiner Kindheit und Jugend Fußball gespielt hat“, heißt es in der Vorlage.

Dies könnte zum Anlass genommen werden, einen Weg in dieser Grünanlage nach ihm zu benennen. Es gelte jedoch als fraglich, ob damit die von Jonny K. gezeigte Zivilcourage und vor allem sein selbstloses Eingreifen zu Schutz eines Anderen ausreichend gewürdigt und damit ein Zeichen für einen respektvolleren Umgang miteinander gesetzt werden könne, sei fraglich.

Besser Sportanlage oder Jugendfreizeitstätte?

„Vielleicht könnte als Zeichen der Würdigung der von Jonny K. gezeigten Zivilcourage eine Spandauer Sportanlage oder eine Spandauer Jugendfreizeiteinrichtung nach Jonny K. benannt werden“, so der Alternativvorschlag des Bezirksamtes an die Bezirksverordneten.

Gerade dort würden viele Jugendliche mit unterschiedlichem Migrationshintergrund sowie mit unterschiedlicher Frustrationstoleranz und Gewaltbereitschaft aufeinander treffen und würden aktiv erfahren, dass man respektvoll miteinander umgeht und Konflikte auch gewaltfrei lösen kann.

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