Möbelstück aus dem Standesamt Spandau : 2680 Euro für den Trautisch

Das Höchstgebot kam von einem Nicht-Spandauer, ob er wohl hier geheiratet hat? Die Zahl der Eheschließungen im Bezirk nimmt zu. 2016 trauten sich 712 Paare.

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Stephan Machulik Katrin Ullrich und Anke Lausecker stellen den Tisch zur Abholung bereit.
Stephan Machulik Katrin Ullrich und Anke Lausecker stellen den Tisch zur Abholung bereit.Foto: During

Er ist 1,98 Meter lang, 1,05 Meter breit und ganz schön schwer. Schließlich ist er aus massiver Eiche. Kurz vor Weihnachten hatte das Spandauer Standesamt den vermutlich bereits aus den 50er Jahren stammenden Tisch, an dem ein paar tausend Ehen besiegelt wurden, im Rahmen der Neugestaltung des Trauzimmers zur Versteigerung ausgeschrieben. Das Mindestgebot war auf 200 Euro festgeschrieben worden, Ende Januar endete die Frist.

Nur zwei Gebote gingen ein

Gut ein halbes Dutzend Interessenten hatte tatsächlich das Angebot genutzt, den Tisch im Rathaus zu begutachten. Doch das Interesse hielt sich in Grenzen. Als sich die Leiterin des Amtes für Bürgerdienste, Anke Lausecker, Standesamts-Leiterin Katrin Ullrich und Rechtsamtleiterin Katrin Zickert im Büro von Stadtrat Stephan Machulik (SPD) trafen, gab es gerade einmal zwei Umschläge zu öffnen.

Summen lagen deutlich über dem Mindestbetrag

Beide Interessenten müssen ein starkes Bedürfnis nach dem Tisch verspüren, denn ihre Offerten lagen deutlich über dem Mindestbetrag. Bis zu 1000 Euro wollte ein Spandauer Gastwirt anlegen, um den Tisch in sein Restaurant zu stellen. Doch das reichte nicht. Stolze 2680 Euro bot der zweite Kandidat, der in einem anderen Berliner Bezirk wohnt, und erhielt damit den Zuschlag. Entgegen der Erwartung waren die beiden Bieter nicht zur amtlichen Öffnung der Angebote eingeladen worden und so blieb die Frage vorerst offen, wer den Tisch aus welchem Grund ersteigert hat. Die „krumme“ Betrag gab am Donnerstag Anlass zu der Spekulation, dass der erfolgreiche Bieter vielleicht am 2. Juni 1980 in Spandau geheiratet hat. Der Bieter wird jetzt angeschrieben und aufgefordert, die Summe zu überwiesen, die in den Bezirkshaushalt fließen wird. Danach kann er einen Termin vereinbaren, um den Tisch abzuholen. Ob er sich und seine Beweggründe bei dieser Gelegenheit outet, ist ihm überlassen.

Ab Mittwoch wird wieder getraut

Zum Monatsende wird die Renovierung des Trauzimmers beendet, ab dem 1. März finden wieder Trauungen im Spandauer Rathaus statt. Das ist auch dringend erforderlich, denn die Zahl der Eheschließungen nimmt zu. Wurden 2015 vor der Spandauer Standesbeamten 585 Ehen (einschließlich 19 Lebenspartnerschaften) geschlossen, stiegen die Zahlen im vergangenen Jahr auf 712 und 25. Die Kapazität richtet sich auch nach den Möglichkeiten des Personals, das auch Geburten und Sterbefälle bearbeiten muss. Und gerade bei den Geburten in den Spandauer Kliniken gibt es große Steigerungsraten von rund 200 Kindern im Jahr.

Die Mehrzahl der Trauungen findet in Spandau im Rathaus statt, obwohl sich auch die malerische Zitadelle großer Beliebtheit erfreut. Das liegt daran, dass für Eheschließungen auf der historischen Festung eine Gebühr von 175 Euro zu zahlen ist. Außerdem sind die Kapazitäten hier begrenzt. Nur an jedem zweiten Freitag zwischen April und Oktober können sich Paare im Fürstenzimmer über dem Eingang der Zitadelle das Ja-Wort geben. Termine können maximal ein halbes Jahr im Voraus gebucht werden und sind schnell vergeben. Gab es hier 2015 insgesamt 144 Eheschließungen, waren es im vergangenen Jahr 168. Die dritte Hochzeits-Location in Spandau ist donnerstags in Absprache mit der Reederei der historische Ausflugsdampfer MS Heiterkeit, der 1909 als Dampfschlepper gebaut und in den 50er Jahren zum Fahrgastschiff umgebaut wurde. Diese Möglichkeit wird nur selten von Brautpaaren genutzt, berichtet Katrin Ullrich.

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