Sicherheitsfirmen verlangen immer höhere Preise : Kosten der Altstadtfeste steigen und steigen

Großveranstaltungen drohen wirtschaftlich untragbar zu werden. Noch gelten Havelfest und Weihnachtsmarkt in Spandau als gesichert.

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Wenn die Kosten weiter steigen könnte es in der malerischen Altstadt bald keine Feste mehr geben. Foto: During
Wenn die Kosten weiter steigen könnte es in der malerischen Altstadt bald keine Feste mehr geben.Foto: During

Die gestiegenen Sicherheitsanforderungen bringen die Freiluftfeste an eine wirtschaftliche Grenze „wo alle Veranstaltungen in der Altstadt gefährdet sein könnten“ sagte Kultur- und Wirtschaftsstadtrat Gerhard Hanke (CDU) am Donnerstagabend im Wirtschaftsausschuss der Bezirksverordnetenversammlung. Seit der Katastrophe 2010 bei der Love Parade in Duisburg sind die Auflagen für Großveranstaltungen kontinuierlich strenger geworden. Dennoch gehe er davon aus, dass das traditionelle, in diesem Jahr für den 9. bis 11. Juni geplante Havelfest wie geplant stattfinden kann. Polizei und Feuerwehr hätten ihre Zustimmung zu dem vom Veranstalter, der Stadtmarketinggesellschaft Partner für Spandau, erstmals eingereichtem Sicherheitskonzept signalisiert.

Klare Richtlinien gibt es bisher nicht

Intern hat es schon immer ein Sicherheitskonzept gegeben, so Partner-Geschäftsführer Sven-Uwe Dettmann, Seit 2010 ist das für Veranstaltungen mit mehr als 5000 Besuchern auch zwingend vorgeschrieben. Neu ist dagegen, dass dieses Konzept auch Teil der Genehmigung der jeweiligen Veranstaltung ist. Das war erstmals beim vergangenen Weihnachtsmarkt der Fall. Für das Havelfest hat man den Antrag deshalb nicht, wie bisher, sechs Wochen vor dem Termin, sondern bereits Ende Februar gestellt. Bei dem Sicherheitskonzept geht es nicht um terroristische Bedrohungen, sondern um Fragen wie Flucht- und Rettungswege, Beschilderung und die Anzahl der erforderlichen Ordnungs- und Hilfskräfte. Problem sei, dass es dafür keine klaren Richtlinien gibt, sagt Dettmann. So orientiert man sich in Spandau an Leitfäden der Berufsfeuerwehr von Nordrhein-Westfalen und der Stadt München.

Sven-Uwe Dettmann organisiert unter anderem Havelfest und Weihnachtsmarkt. Foto: During
Sven-Uwe Dettmann organisiert unter anderem Havelfest und Weihnachtsmarkt.Foto: During

Der Aufwand für die Erstellung des jeweiligen Konzeptes, dass man für den Weihnachtsmarkt auch noch von einem Gutachter bewerten lassen musste, machen nur einen geringen Teil der damit verbundenen Kosten aus. Während man mehr Ordnungs- und Rettungskräfte benötigt sind die Preise der Sicherheitsunternehmen aufgrund der weltpolitischen Lage in den vergangenen Monaten drastisch gestiegen. „Da ist kein Ende abzusehen“, klagt Dettmann und sieht darin ein Phänomen, das alle Organisatoren von Großveranstaltungen bundesweit betrifft. Beim Weihnachtsmarkt beispielsweise sind die Kosten für den Sicherheitspersonal, die einstmals bei 5000 D-Mark lagen, inzwischen auf 65 000 Euro gestiegen. Und beim Havelfest hat man in diesem Jahr den Ordnungsdienst für die Abendstunden noch einmal verstärkt.

Dazu kommt, dass auch die Kosten für Strom, Wasser und andere Dienstleister exorbitant in die Höhe geschnellt sind, so der Geschäftsführer. Durch eine Erhöhung der Standmieten lässt sich der Mehraufwand kaum noch weitergeben, denn die Händler leiden ihrerseits unter der geringen Kaufkraft der Besucher. Lediglich die Gastronomen unter den Teilnehmern verdienen noch Geld, bei den Händlern wird es schon knapp, sagt Dettmann. Und um überhaupt noch Kunsthandwerker in die Altstadt zu bekommen, hat man für diese in diesem Jahr die Preise sogar senken müssen. So versucht man, die Veranstaltungen wenigstens „mit einer schwarzen oder roten Null“ über die Bühne zu bekommen. Dennoch gelten neben dem Havelfest auch das Altstadtfest (31. August bis 3. September) und der Weihnachtsmarkt (27. November bis 23. Dezember) vorerst noch als gesichert.

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