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Überfall in Berlin-Spandau : Tod im Seniorenheim: Polizei sucht falsche DHL-Boten

Ein 89-Jähriger wird in der eigenen Wohnung geknebelt, gefesselt, verprügelt. Er erliegt seinen Verletzungen. Die Mordkommission sucht das Täterduo.

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Das Plakat wurde im Kiez aufgehängt.
Das Plakat wurde im Kiez aufgehängt.Foto: Tsp

Die Polizei hat überall im Kiez Plakate aufgehängt. Gesucht werden jene Männer, die sich als DHL-Postbote ausgegeben und dann einen 89-Jährigen überfallen und getötet haben.

Wie berichtet haben zwei Unbekannte den Rentner in dessen eigener Wohnung in einem Seniorenwohnheim in Hakenfelde überfallen, der tags darauf seinen Verletzungen erlag. Die beiden Täter hatten nach Polizeiangaben am Montagnachmittag gegen 16 Uhr an der Wohnungstür des Mannes geklingelt. Die genaue Adresse wollte die Polizei aus Opferschutzgründen nicht nennen; mittlerweile ist sie damit an die Öffentlichkeit gegangenen. Das Verbrechen ereignete sich im Kulbeweg, nahe der Streitstraße.

Der Rentner habe die Tür geöffnet, woraufhin die Männer sofort die Tür aufgestoßen haben, den Mann fesselten und knebelten. Auch die 52-jährige Haushaltshilfe des Seniors wurde gefesselt und geknebelt. Sie hatte sich mit in der Wohnung aufgehalten.

Täter prügelten "massiv" auf Senior ein

Danach schlugen die Kriminellen laut Polizei "massiv" auf die beiden ein. "Die Männer durchsuchten die komplette Wohnung und verwüsteten dabei alles", berichtet die Polizei. Anschließend flüchteten sie - ob mit oder ohne Beute, war auch am Dienstagmittag weiter unklar. Den Senior und die Haushaltshilfe ließen sie gefesselt zurück.

Nachbarin fand Opfer erst nach drei Stunden

Erst nach drei Stunden, also um 19 Uhr, wurden die Überfallenen von einer Nachbarin gefunden. Der Senior war schwer auf den Kopf geschlagen worden. Er wurde ins Krankenhaus gebracht. Am Dienstagabend erlag er seinen Verletzungen. Die Haushaltshilfe hatte einen Schock erlitten und musste ambulant behandelt werden.

Im Dauereinsatz: Rettungssanitäter in Berlin. (Symbolbild)
Im Dauereinsatz: Rettungssanitäter in Berlin. (Symbolbild)Foto: dpa

Am Mittwochvormittag übernahm die Mordkommission die Suche nach den Tätern. Ermittelt wird wegen Raubmords. Zeugen, die Informationen zu den Tätern haben oder etwas zu ihrer Flucht sagen können, werden dringend um einen Anruf gebeten. Telefonisch ist die Mordkommission unter (030) 4664 - 911 444 und per Mail unter

lka114-hinweis@polizei.berlin.de zu erreichen. Jede andere Polizeidienststelle nimmt ebenfalls Hinweise entgegen.

Seniorenbeauftragter der Polizei: Raubüberfälle im Heim selten

Hans Hoffmann ist Seniorenbeauftragter bei der Präventionsstelle des Landeskriminalamts. "Raubüberfälle in Senioreneinrichtungen sind äußerst selten", sagt der Fachmann. "Meistens sind Trickbetrüger oder Trickdiebe am Werk. Die sind aber auf Schmuck und Geld aus, das sind meist keine Gewalttäter." In den meisten Einrichtungen gebe es eine besetzte Rezeption, die Kriminelle von vornherein abschrecke.

Die Kriminellen würden sich einer ganzen Palette von Tricks bedienen, um an das Ersparte ihrer betagten Opfer zu gelangen, so Hoffmann: "Die Kriminellen nutzen den Enkel- und den Zetteltrick, fingieren einen Handwerkerbesuch oder geben sich als Polizisten aus." Stets würde eine "Legende" gestrickt werden, um Senioren zu übertölpeln.

Senioren sollten fremden Besuchern gegenüber skeptisch sein

Hoffmann empfiehlt Senioren, fremden Besuchern gegenüber eine grundsätzlich skeptische Haltung anzunehmen. "Die Tür sollte mit einem Spion und einer Vorhängekette oder einem Riegel gesichert werden", sagt der Experte.

Man solle die Tür immer nur einem Spaltbreit öffnen, sich die Dokumente des Fremden zeigen lassen. "Ganz wichtig: Man muss sich auch die Zeit nehmen, die Dokumente zu lesen." Viele Kriminelle würden gefälschte Dokumente vorlegen, die einer genaueren Überprüfung nicht standhielten.

Außerdem empfiehlt Hoffmann den Senioren, für den Fall der Fälle immer eine Telefonliste mit Vertrauenspersonen parat zu haben, die im Zweifel kontaktiert und befragt werden könnten. "Viele Kriminelle setzen auf Überrumpelung. Dauert die Sache zu lange, führt dies zu Verunsicherung und sie geben ihre Pläne auf."

Hoffmann zufolge können Betroffene auch das Bürgertelefon der Polizei unter (030) 4664-4664, um in einer problematischen Situation Hilfestellung zu erhalten.

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