Welttreffen der Wandergesellen in Spandau : „Schmoren bis zum Abwinken“

Mehr als 400 Zimmerleute sind am Freitag durch die Spandauer Altstadt zum Rathaus gezogen. Der Marsch bildete einen der Höhepunkte des Himmelfahrtstreffens der Wandergesellen, das erstmals in Berlin stattfand.

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Vor dem Rathaus versammelten sich die Zimmerleute zum Gruppenfoto.
Vor dem Rathaus versammelten sich die Zimmerleute zum Gruppenfoto.Foto: During

Begleitet von den rhythmischen Trommelschlägen einer Sambagruppe marschierten schwarz gekleidete Männer mit Schlapphut oder Zylinder durch die Fußgängerzone. Nicht so einfach war es, sich anschließend vor dem Rathaus zum Gruppenfoto aufzustellen. Anschließend ging es zum Empfang im Bürgersaal, wo die getrockneten Kehlen erst einmal mit einem zünftigen Bier befeuchtet wurden und Außenstehende feststellen konnten, dass eine Halbliter-Flasche gut unter die Weste der Zimmermannstracht passt. Die hat übrigens acht Knöpfe, weil die tägliche Arbeitszeit acht Stunden beträgt so wie die sechs Knöpfe der Jacke für die wöchentliche Arbeitstage stehen.

Tradition seit 1056

Die Tradition der Handwerkszünfte geht bis auf das Jahr 1056 zurück, berichtete Zimmermeister Thomas Löffler, einer der Gastgeber. Der Brauch, drei Jahre und einen Tag auf Wanderschaft zu gehen, um fremde Arbeitsmethoden zu erlernen und eine gestandene Persönlichkeit zu werden, entstand dann 1454 und hat sich bis heute erhalten. Das Recht steht nur unverheirateten Gesellen zu, die jünger als 30 Jahre sind, keine Schulden haben und keine Drogen außer Alkohol konsumieren. Der Heimatort mit einem Umkreis von 50 Kilometern darf während der Wanderschaft nur bei unabwendbaren Ereignissen betreten werden.

Treff in Spandau seit 1793

Ihr Hab und Gut transportieren die Wandergesellen in drei Bündeln, die in ein Tuch, den sogenannten Charlottenburger, gewickelt sind. Als Anlaufstellen dienen die Herbergen, die jede der Gesellschaften der rechtschaffenen fremden Zimmergesellen unterhält, in Berlin befindet sie sich seit 1793 in Spandau. An der Ruhlebener Straße finden die Wanderer Unterkunft und Arbeitsvermittlung sowie „Ausgereiste“, wie die Gesellen nach dem Ende der Wanderzeit genannt werden, einen Treffpunkt.

Bürgermeister Kleebank mit Thomas Löffler (Mitte) und Götz Michaelis.
Bürgermeister Kleebank mit Thomas Löffler (Mitte) und Götz Michaelis.Foto: During

Jährlich zu Himmelfahrt gibt es ein Treffen. Die letzten beiden Begegnungen fanden in der Schweiz und in Dänemark statt, in diesem Jahr ist erstmals Berlin an der Reihe. Aus der ganzen Welt sind Gesellen angereicht, selbst aus Kanada, Afrika und Australien. Quartier haben die Gäste in Zelten auf dem Gelände des Hockeyklubs am Tiefwerderweg bezogen. Dort gibt es bis zum Sonnabend täglich auch eine abendliche „Party Brachial“ mit einem Diskjockey und „Schmoren bis zum Abwinken“. Und so fließt das Bier natürlich in Strömen. Das Rahmenprogramm reicht von der Stadtrundfahrt bis hin zu Visionen über die Handwerkskunst in der Zunft.

Botschafter des Handwerks

Zwei Wandergesellen wurden von Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD) mit einem Hammer geehrt. Götz Michaelis aus Kirch Grambow in Mecklenburg ist bereits seit zehneinhalb Jahren auf der Walz und damit am längsten auf Wanderschaft. Nico Schwab aus Bornhöved (Schleswig-Holstein) dagegen ist die kürzeste Zeit unterwegs, hat seine Tour gerade einmal vor zwölf Tagen begonnen. Die Zimmerleute revanchierten sich beim Bürgermeister für die Gastfreundschaft mit einer Riesenaxt. Und Karsten Berlin, Vizepräsident der Berliner Handwerkskammer, versicherte den Wandergesellen: „Ihr seid das Image des Handwerks über die Landesgrenzen hinaus“.

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