Aktionstag 2016: Initiative Markusgarten, Steglitz : Die Nachbarschaft ist aufgeblüht

So schön wie in Venedig: Die Anwohner vom Markusplatz in Steglitz pflegen seit Jahren ihre Parkanlage. Die Initiative hat dabei viel erreicht.

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Täglich im Einsatz. Elke und Helmut Lübbeke sowie Veronika und Wolfgang Rettig von der Initiative Markusplatz.
Täglich im Einsatz. Elke und Helmut Lübbeke sowie Veronika und Wolfgang Rettig von der Initiative Markusplatz.Foto: Thilo Rückeis

Helmut Lübbeke kann sich nicht zurückhalten. Zum Termin mit dem Tagesspiegel auf dem Markusplatz hat er eine kleine Sichel und mehrere Besen mitgebracht. Der 68-Jährige entfernt erst einmal Unkraut in einem Rosenbeet, während seine Frau Elke Lübbeke, 64 Jahre alt, Müll zusammenfegt. Auch Veronika und Wolfgang Rettig sind gekommen. Sie sprechen über die neuen Graffiti, die auf Sitzbänken und Tischen am südlichen Ende des Parks prangen. Auch der Brunnen der kleinen Parkanlage sei derzeit undicht. Es sind die Anwohner vom Markusplatz, die es wieder in Ordnung bringen werden. „Hier ist eigentlich immer etwas zu tun. Wir vier sind täglich auf dem Platz“, sagt Helmut Lübbeke.

Ursprünglich hat sich die Gruppe im Herbst 2013 über die Aktionstage gefunden, zu denen der Tagesspiegel erstmals 2012 aufrief. Auch damals widmeten sie sich dem Markusplatz. Bei der kurzen, einmaligen Putzaktion sollte es allerdings nicht bleiben. „In dieser Zeit nutzten kaum noch Menschen den Platz“, sagt Elke Lübbeke. Überall hätte Müll gelegen. Tische, Sitzbänke und der Brunnen, der seit 15 Jahren nicht mehr in Betrieb war, seien mit Graffitis beschmiert, die Bepflanzung des Parks völlig ungepflegt gewesen. „Man wollte mit Kindern nicht einmal über die Wiesen laufen. Der Platz war völlig verwahrlost“, sagt sie und ergänzt: „Gleichzeitig sahen wir einen Ort, aus dem man so viel machen kann.“

Kurz nach dem damaligen Aktionstag setzen sich Elke und Helmut Lübbeke mit Freunden zusammen, sie organisieren ein Treffen in der Kapelle der Markuskirche, wenige Meter vom Platz entfernt. „Es kamen auf Anhieb fast 50 Nachbarn aus allen Altersklassen“, erinnert sich Elke Lübbeke. Auch die anliegende Grundschule, der nahe Hort und die Kita waren vertreten. Sie schaffen die Initiative „Markusgarten“, geprägt durch den Trend des „Urban Gardening“, des urbanen Gartenbaus. „Wir hatten in anderen Städten gesehen, wie gut es funktioniert. Wir wollten das wiederholen“, sagt sie.

Vieles wird mit Spenden und aus eigenen Geldmitten finanziert

Das Grünflächenamt sei anfangs skeptisch gewesen, sicherlich auch aus Angst vor den möglichen Kosten, so Veronika Rettig. „Dann legten wir den Plan eines Landschaftsarchitekten vor und legten los. Ohnehin finanzierten wir vieles mit Spenden und aus eigenem Geld“, sagt die 65-Jährige. Die Grundschule, Hort und auch einige Studenten wurden zu „Beetpaten“ ernannt, die die Bepflanzung und Pflege der Staudenbeete übernahmen. Johannis- und Stachelbeerbüsche, Lavendel, Rosensträucher, im Frühling auch Tulpen und Narzissen wurden gepflanzt. Zwölf Beete befinden sich mittlerweile im Park verteilt. Eine bunte Telefonzelle wirbt seit zwei Jahren als „BücherboXX“ für den nachbarschaftlichen Büchertausch – das Lieblingsprojekt der pensionierten Bibliothekarin. Auch der historische Brunnen wurde von der Initiative gereinigt, von Graffiti befreit und wieder instand gesetzt. Die Stadt stellt das Wasser, die Initiative hält ihn in Gang.

„Wir wollten über die Initiative aber auch ein besseres Miteinander erreichen. Das sollte unsere Sozialklebe, unser sozialer Kitt werden“, sagt Elke Lübbeke, „damit unser Zusammenleben hier nicht kippt“. Seit 1979 wohnt sie mit ihrem Mann hier am Platz. „Am schönsten ist, dass die Nachbarschaftskultur aufgeblüht ist, mehr als je zuvor. Alle fühlen sich verantwortlich“, sagt sie.

Der Platz ist wieder zum Treffpunkt geworden

Heute freuen sie sich, dass sie schon so viel erreicht haben. Gerade nach der Schule sei der Platz nun wieder sehr belebt, Eltern spielen hier mit ihren Kindern. Der Platz ist wieder ein Treffpunkt für die Menschen geworden. „Andere Leute haben ein Grundstück mit Garten. Wir haben den Markusplatz“, sagt Helmut Lübbeke. Und weiter: „Wir sind zwar nicht in Venedig, aber für uns ist es hier fast so schön wie auf dem Markusplatz der Lagunenstadt.“ Das Lebensgefühl hätte sich durch das Engagement in den vergangenen Jahren deutlich verbessert.

Das Engagement ist nicht eingeschlafen: „Mittlerweile organisiert sich die Nachbarschaftshilfe fast von alleine“, sagt Wolfgang Rettig. Immer gibt es neue Ideen. Zum Beispiel die eines Nistplatzes für Turmfalken, den sie zusammen mit dem Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) einrichteten. Seit März 2016 nisten drei Vögel im Turm der Markuskirche. 2015 organisierten sie zusammen mit der Grundschule am Stadtpark die Ansiedlung zweier Bienenvölker. Als Nächstes sollen mehrere winterfeste Hängematten aufgehängt werden.

„Der belebte Park erfordert nun aber auch mehr Pflege“, sagt Wolfgang Rettig. Das Grünflächenamt komme dennoch nur drei Mal im Jahr. So ist die Initiative umso mehr gefordert. „Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, dass der Platz durch das Bürgerengagement so schön geworden ist“, sagt er. Der Aktionstag komme da genau zur richtigen Zeit.

Die Initiative Markusgarten pflegt Platz und Umgebung am Samstag, 10. September, von 10–14 Uhr. Am Sonntag gibt es für Aktive einen Brunch. Kontakt: e.luebbeke-bauer@t-online.de

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