Angriff auf "bessere Wohngegenden" : Brandanschlag auf Linie in Zehlendorf

Nach dem 1. Mai wollen Linksextremisten jetzt in die "besseren Wohngegenden", wie sie sagen. Und dort mit Anschlägen auf sich aufmerksam machen. Getroffen hat es die S7.

Jörn Hasselmann, Sandra Dassler, Armin Lehmann
Mitarbeiter beheben den Schaden nach einem Kabelbrand an der S-Bahnstrecke zwischen Grunewald und Wannseen. Eine Polizeisprecherin sagte, Brandstiftung sei die Ursache für das Feuer am frühen Morgen gewesen.
Mitarbeiter beheben den Schaden nach einem Kabelbrand an der S-Bahnstrecke zwischen Grunewald und Wannseen. Eine Polizeisprecherin...Foto: dpa

Linksextremisten haben am frühen Donnerstagmorgen an der S-Bahn-Strecke zwischen Nikolassee und Grunewald auf der Linie S7 einen Verteilerkasten der Bahn angezündet. Die Strecke nach Wannsee war deshalb von 3.16 Uhr in der Nacht bis zum Donnerstagabend gegen 20.14 Uhr gesperrt, da mit dem elektronischen Stellwerk in Wannsee die Signale an der Strecke ausgefallen sind. Danach fuhr die Linie nach Angaben der S-Bahn wieder im 20-Minuten-Takt, so dass die Bahn davon ausging, dass der normale Zehn-Minuten-Takt am Freitagmorgen wieder gewährleistet werden könne. Eine Bahnsprecherin sagte dem Tagesspiegel am Donnerstagabend die Aufräumarbeiten würden sich schwieriger als gedacht gestalten. Aufgrund der Löscharbeiten musste auch die Avus stadteinwärts für 30 Minuten gesperrt werden.

Am Donnerstag hatten zudem Tausende Bahnreisende die Auswirkungen des Brandanschlags zu spüren bekommen, darunter viele Pendler. Vor allem zum Feierabendverkehr machten sich die Auswirkungen bemerkbar, viele nutzten die S1 von Oranienburg Richtung Wannsee als Ausweichstrecke, so dass die Züge noch voller waren als ohnehin schon am frühen Abend. Am Morgen hatte ein Lkw-Fahrer von der Avus aus einen Brand bemerkt und die Feuerwehr alarmiert. "Um 3.16 Uhr ging der Notruf bei uns ein, wenige Minuten später waren unsere Männer vor Ort", sagte ein Sprecher. Die Bahn sprach gegenüber Fahrgästen von "Vandalismus an der Strecke" als Grund für die Sperrung. Betroffen war auch der Regionalbahn-Verkehr, der Regionalexpress RE1 wurde umgeleitet. Auf ihrer Internetseite informiert die S-Bahn über den aktuellen Stand der Lage.
Zu der Tat bekannte sich am Donnerstagvormittag eine Gruppe namens „Vulkan Grimsvötn“. Die Selbstbezichtigung unter dem Titel „Vom Grollen der Vulkane in den Metropolen: 1. Mai verlängert“ wurde auf einer linksextremistischen Internetseite veröffentlicht – wie bei vorangegangenen Anschlägen auf die Bahn auch. Tradition hat mittlerweile, dass sich der oder die Täter nach isländischen Vulkanen benennen. Bei einem Anschlag nahe Ostkreuz 2012 nannten sich die Täter nach dem Eyjafjallajökull, 2011 nach dem Hekla.
In dem Schreiben heißt, dass der Südwesten gewählt wurde, um die „besseren Wohngegenden“ zu treffen. Außerdem ist von „mehreren“ Tatorten die Rede, weitere, nicht gezündete Brandsätze fand die Bundespolizei bei einer sofort angesetzten Suche nicht. Zahlreiche Kabel in einem Verteilerschrank und auf einer Kabelbrücke wurden zerstört. Auch bei früheren Anschlägen hatten die Täter empfindliche Stellen gefunden und lange Ausfälle erreicht. Polizeipräsident Klaus Kandt wollte ausdrücklich keinen Zusammenhang zu den 1.-Mai-Demonstrationen sehen und sprach davon, dass es den Tätern "wohl eher um einen erzwungenen Generalstreik" gehe.





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