Aus Zehlendorf ans United World College : Das weltweite Klassenzimmer

Alea Mostler hat die Aufnahme in eine internationale Schule geschafft und wird die nächsten zwei Jahre in den USA verbringen. Sie musste dafür ihr Amt als Landesschülersprecherin abgeben - aber die Freude auf das Internat in Montezuma (Neumexiko, nahe Las Vegas) ist groß.

Alea Mostler
Alea Mostler, 16, ging bisher auf das Schadow-Gymnasium in Zehlendorf und war Landesschülersprecherin. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Alea Mostler, 16, ging bisher auf das Schadow-Gymnasium in Zehlendorf und war Landesschülersprecherin.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Die ganze Welt in einem Klassenraum? Bildung macht alles möglich.  An den United World Colleges lernen Kinder aus der ganzen Welt gemeinsam und schließen ihre Schulzeit mit einem internationalen Abitur (International Baccalaureate Diploma ) ab. Mit Jugendlichen aus 90 verschiedenen Nationen werde ich meine nächsten zwei Schuljahre am United World College in den USA verbringen.

Die Idee  geht zurück auf den deutschen Pädagogen Kurt Hahn, der auch Mitgründer der Internatsschulen Schloss Salem und Stiftung Luisenlund war. Wichtig waren ihm Freundschaft zwischen den Ländern, Frieden und interkulturelles Verständnis. Für Hahn war klar, dass dies am besten durch Bildung zu erreichen ist. Zusammen mit dem englischen Luftmarschall Sir Lawrence Darvall entwickelte er zur Zeit des Kalten Krieges das Konzept der United World Colleges.

1962 wurde das erste in England eröffnet. An den mittlerweile 13 United World Colleges leben Jugendliche aus 120 Nationen die Werte von UWC: internationales und interkulturelles Verständnis, Wertschätzung von Vielfalt, persönliche Verantwortung und Integrität, wechselseitige Verantwortlichkeit und Respekt, Empathie für Benachteiligte und Engagement in sozialen Diensten, Respekt vor der Umwelt, Idealismus als Grundhaltung, der Bewältigung persönlicher Herausforderungen und Aktivität und beispielhaftes Handeln.

In jedem Land entscheidet ein Nationalkomitee über die Aufnahme der Schüler - aufgrund deren Begabung, Interesse und Engagement. Besonders wichtig ist es, sich zu engagieren und sich für Sachen begeistern zu können, es muss nicht nur soziales Engagement sein, man kann auch leidenschaftlich eine Sportart ausüben, ein Musikinstrument spielen oder Ähnliches.

Es ist nicht wichtig, aus welchen familiären oder sozialen Strukturen man kommt, ob die Eltern genug Geld haben die Schuljahre zu finanzieren oder nicht. Wer einen Schulplatz angeboten bekommen hat, dem wird es auch finanziell ermöglicht, diese Chance wahrzunehmen.

Die Colleges haben unterschiedliche Schwerpunkte. In Kanada kann man beispielsweise das Fach „Meeresbiologie“ belegen, auf dem Mahindra United Word College in Indien „Hindi für Anfänger“ und in Hongkong „Mandarin“.  An meinem UWC kann man auch „Constructive Engagement of Conflict“ (Konstruktives Konfliktlösen)  belegen, welches mediative Fähigkeiten trainiert. Darauf freue ich mich schon sehr. Besonders ist auch ein ausgeprägtes „Wilderness Programm“, was zum Beispiel eine Wanderung durch den Grand Canyon beinhaltet.

Nächstes Jahr eröffnet auch in Deutschland ein UWC, das „Robert Bosch United World College“ in Freiburg.

Besonders beeindruckt hat mich, dass der UWC-Ehrenpräsident Nelson Mandela ist. Mandela ist eine sehr beeindruckende Persönlichkeit und Vorbild, er war der erste dunkelhäutige und demokratisch gewählte Präsident Südafrikas, Friedensnobelspreisträger und Kämpfer gegen die Apartheid. Ein sehr  gutes Zitat,  passend zur UWC-Idee , ist: „Bildung ist die mächtigste Waffe, die du nutzen kannst um die Welt zu verändern.“

Als ich mich für das UWC beworben habe und dann die Einladung zum Auswahlwochenende erhielt, war ich sehr gespannt. Die Menschen waren alle sehr respektvoll und die Diskussionen sehr interessant. Man nahm auf einander Rücksicht und besonders bemerkenswert war, dass es keinerlei Konkurrenzkampf gab.

Als ich später einen Brief erhielt, traute ich mich fast gar nicht, ihn zu öffnen. Es ist ein unvorstellbares Gefühl, zu lesen, dass man angenommen worden ist. Auf die einmalige Chance, gemeinsam mit Schülerinnen und Schüler  aus 90 verschiedenen Nationen in einem Internat zu leben, freue ich mich sehr.

Auch das Vorbereitungstreffen auf die nächsten zwei Schuljahre, das von sehr engagierten ehemaligen UWClern organisiert wurde, war eine tolle Erfahrung. Gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern, die schon ein Jahr auf einen UWC und vor uns von der Deutschen Stiftung UWC ausgewählt worden waren, haben wir das Wochenende verbracht und die spannendsten Geschichten aus der ganzen Welt gehört.

Ein bisschen assoziiere ich das UWC auch mit Harry Potter - besondere Freundschaften und  das Leben in einem Internat, was bedeutet: Rücksicht nehmen, viel lernen und die gemeinsame Zeit genießen. 

Alles in allem freue mich sehr auf die nächsten zwei Schuljahre, die neuen Erfahrungen, die verschiedenen  Kulturen und darauf, die USA kennenzulernen. 

Genauere Informationen gibt es unter www.uwc.de

Die Autorin war bisher Schülerin des Schadow-Gymnasiums in Zehlendorf und Landesschülersprecherin. Der Text erscheint auf dem Zehlendorf Blog, dem Online-Magazin des Tagesspiegels.




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