Beratungszentrum für Inklusion in Steglitz-Zehlendorf : Von einem Provisorium in das nächste

Seit anderthalb Jahren ist das Beratungszentrum für Inklusion in Steglitz-Zehlendorf (BUZ) in behelfsmäßigen Räumen untergebracht. Der Bezirk ist für das Bereitstellen der Räume zuständig, aber die Umbauarbeiten stagnieren. Und ob der Bezirk die Mittel vom Senat bekommt, wird nun bis 13.März entschieden.

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Ehemaliges Schulgebäude in der Plantagenstraße: Hier ist derzeit das BUZ untergebracht
Ehemaliges Schulgebäude in der Plantagenstraße: Hier ist derzeit das BUZ untergebrachtFoto: Anett Kirchner

Wird es oder wird es nicht? Fragen, die im Moment keiner der Beteiligten eindeutig beantworten kann. Die Rede ist vom Beratungs- und Unterstützungszentrum (BUZ) in Steglitz-Zehlendorf; feierlich eröffnet im Herbst 2013. Auch Mark Rackles, Staatssekretär für Bildung, war bei der Eröffnung zugegen, denn das BUZ-Projekt wird mit Landesmitteln finanziert. Und eigentlich sollte es längst in eigene Räume nach Lankwitz in die Dessauerstraße - unweit der Bröndby-Oberschule - umgezogen sein. Dort stagniert aber die notwendige bauliche Umgestaltung des Gebäudes. In der Zwischenzeit müssen sich die Mitarbeiterinnen des BUZ mit behelfsmäßigen Räumen arrangieren.

Erst kürzlich sind sie in ein weiteres, neues Provisorium in die Plantagenstraße in Steglitz umgezogen. Vorher nutzten sie Räume der Lichterfelder Paul-Braune-Schule in der Drakestraße, einem inzwischen aufgelösten Förderzentrum.

„Es ist sehr traurig, dass die Mitarbeiterinnen so viel Zeit mit dem Bauthema und den Umzügen verbringen müssen, die sinnvoller für Beratungsgespräche mit betroffenen Eltern und Kindern genutzt werden könnten“, findet Birgitt Unteutsch, Vorsitzende des Bezirkselternausschusses (BEA) von Steglitz-Zehlendorf. Denn eigentlich ist die Aufgabe des BUZ, Lehrern, Eltern und Kindern mit sonderpädagogischem Know-how auf dem Weg zu einer inklusiven Schule unter die Arme zu greifen. Dass heißt: Kinder, egal ob mit oder ohne Beeinträchtigung, lernen gemeinsam und profitieren im Idealfall voneinander. Soweit die Theorie.

Bebilderter Rundgang durch das BUZ
Provisorisch eingerichteter Büroraum in einem ehemaligen KlassenzimmerAlle Bilder anzeigen
1 von 7Foto: Anett Kirchner
07.03.2015 22:06Provisorisch eingerichteter Büroraum in einem ehemaligen Klassenzimmer

Um das auch in die Praxis umzusetzen, gibt es das BUZ, das spezielle Räume benötigt; etwa für Einzelgespräche, Schulungen und Verwaltung. Diese sollen in dem Gebäude in der Dessauerstraße entstehen. Ein Raumkonzept wurde vom Bereich Hochbauservice im Bezirksamt erstellt, denn der Bezirk ist für das Bereitstellen der Räume zuständig. Erste Umbaumaßnahmen gab es bereits. Im Jahr 2013 wurden laut Bezirksamt etwa 75.000 Euro dafür investiert. Teile des Beratungszentrums befinden sich demnach schon jetzt in der Dessauerstraße. Damit es dort aber komplett einziehen kann, werden weitere 200.000 Euro für den Umbau benötigt, heißt es. Die waren im vergangenen Jahr bewilligt, konnten jedoch nicht ausgegeben und mussten an den Senat zurückgegeben werden.

„Zum einen gab es einen akuten personellen Engpass im Fachbereich Hochbauservice, der mich dazu zwang, einige bauliche Maßnahmen zu verschieben“, sagt Michael Karnetzki (SPD), der zuständige Bezirksstadtrat. Zum anderen hätten die 200.000 Euro im letzten Jahr erst Mitte Juli zur Verfügung gestanden. Zu diesem Zeitpunkt sei eine Baudurchführung bis Jahresende zeitlich nicht mehr möglich gewesen. Eine Übertragbarkeit der Mittel ins nächste Jahr habe die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft nicht zugelassen. „Damit war die Maßnahme nicht finanziert“, erklärt er.

Zusätzliches Geld für ein zusätzliches Projekt

Die Senatsverwaltung für Bildung sieht das anders: „Eine frühere Antragstellung hätte auch zu einer früheren Mittelbewilligung geführt“, sagt die Pressesprecherin Beate Stoffers. Zudem sei die Übertragbarkeit der Mittel keine Ermessensfrage der Senatsverwaltung, sondern konform mit der Landeshaushaltsordnung von Berlin.

Cerstin Richter-Kotowski (CDU), Bildungsbezirksstadträtin von Steglitz-Zehlendorf, bestätigt indessen, die 200.000 Euro für das laufende Kalenderjahr bereits wieder beim Senat beantragt zu haben. Denn sie sei nicht bereit, den Umbau aus bezirklichen Mitteln zu bezahlen. „Ich möchte das Geld zusätzlich haben, weil es ein zusätzliches Projekt ist“, sagt Richter-Kotowski. Was die Zusage der Gelder durch den Senat betreffe, sei sie verhältnismäßig optimistisch, könne aber nichts garantieren.

„Steglitz-Zehlendorf kann Mittel aus dem Ein-Millionen-Topf für 2015 erhalten, wenn andere Bezirke bereits beantragte und bewilligte Gelder nicht in Anspruch nehmen“, erklärt dazu Beate Stoffers. Die Entscheidung, ob ein Bezirk die Mittel nicht in Anspruch nehme, erfolge bis zum 13. März. Unabhängig davon sei aber auch eine Anmeldung bei dem Sondervermögen Infrastruktur der wachsenden Stadt (SIWA) möglich. Das Procedere dazu werde den Bezirken zeitnah mitgeteilt.

"Keinerlei Hinweise auf Bewilligung der Baumittel in diesem Jahr"

Wenig optimistisch wirkt Bezirksstadtrat Michael Karnetzki, indem er sagt, er habe dem Schulamt mitgeteilt, dass eine bauliche Durchführung in der Dessauerstraße lediglich möglich sei, wenn das Geld bis spätestens Anfang April bereitgestellt werde. „Ich habe auch darauf hingewiesen, dass ich keine Aussage darüber machen kann, wie lange die Erteilung der Baugenehmigung durch die Bau- und Wohnungsaufsicht dauern wird“, ergänzt er. Ferner habe er gehört, dass die Senatsverwaltung der Ansicht sei, dass das BUZ an seinem jetzigen Standort in der Plantagenstraße bleiben solle. „Vor diesem Hintergrund habe ich keinerlei Hinweise darauf, dass es in diesem Jahr eine Bewilligung der Baumittel für den Standort Dessauerstraße geben wird.“

Dass das Beratungszentrum in der Plantagenstraße bleiben solle, ist Beate Stoffers von der Senatsverwaltung für Bildung nicht bekannt. Sie sagt, dass „die Finanzierung eines provisorischen BUZ als kurzfristige Übergangslösung bei zusätzlicher Finanzierung des endgültigen Standortes natürlich unter finanztechnischen Aspekten zu prüfen ist.“

Dringend benötigter Schulraum statt Verwaltungsraum

Für die etwa 25 Mitarbeiterinnen des BUZ – nicht alle in Vollzeit – wäre aber die aktuelle Zwischenlösung womöglich weniger problematisch als manche denken. Die Räume im ehemaligen Schulgebäude in der Plantagenstraße, in dem momentan auch so genannte Willkommensklassen mit Flüchtlingskindern untergebracht sind, gefallen ihnen. „Der Standort eignet sich besser als der in der Dessauerstraße“, sagt Andrea Kahnt, stellvertretende Leiterin des BUZ. Durch die Randlage von Lankwitz sei der geplante Standort dort für viele Lehrer aus dem Bezirk schwer zu erreichen.

Für Cerstin Richter-Kotowski kommt das jedoch nicht in Frage. Sie könne nicht verantworten, dass Schulraum in Verwaltungsraum umgewandelt werde. „Das sage ich nicht, weil ich jemanden ärgern will oder bockig bin, nein, das sage ich, weil ich das Gebäude in der Plantagenstraße dringend als Schulstandort brauche“, erklärt die Bildungsbezirksstadträtin und erinnert an die Tatsache, dass die Stadt und damit auch der Bezirk kontinuierlich wachse; und demnach absehbar zusätzliche Schulen benötigt würden.

Die Autorin Anett Kirchner ist freie Journalistin, wohnt in Steglitz-Zehlendorf, und schreibt als lokale Reporterin regelmäßig für den Zehlendorf Blog des Tagesspiegels. Folgen Sie Anett Kirchner auch auf Twitter.

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