Berlin-Zehlendorf : Hundeverbot Schlachtensee: Heute gibt's Streit vor Gericht

Am Ufer des Schlachtensees sind seit dem Verbot kaum Hunde unterwegs. Der Konflikt hält aber an – heute verhandelt das Verwaltungsgericht.

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Ja, das gilt! Und zwar auch für kleine, wuschelige, niedliche Exemplare. Die meisten Besucher des Schlachtensees halten sich – anders als hier zu sehen – an das Verbot.
Ja, das gilt! Und zwar auch für kleine, wuschelige, niedliche Exemplare. Die meisten Besucher des Schlachtensees halten sich –...Foto: Thilo Rückeis

Na bitte, da liegt doch schon ein Beweisstück: Bella, belgische Schäferhündin, zufällig entdeckt am Wochenende bei einem Spaziergang am Schlachtensee. Bella ist nur fünf Meter vom Ufer entfernt, Hinweis a) für klares Fehlverhalten. Angeleint ist sie auch nicht, Hinweis b) für einen Regelverstoß.

So gesehen passt Bella als Fallbeispiel in die Verhandlung, die am heutigen Dienstag vor dem Verwaltungsgericht Berlin stattfindet. Es geht ums Hundeverbot auf dem Uferweg des Schlachtensees, ein Streit, der mit enormen Emotionen ausgetragen wird. Zwei Bürgerinitiativen klagen gegen dieses Verbot, das Zehlendorfs Umweltstadträtin Christa Markl-Vieto (Grüne) ausgesprochen hat und das seit 15. Mai gilt. Die beiden Gruppen argumentieren, der Uferweg sei ein allgemeiner Verkehrsweg, offen also auch für Hunde. Das Bezirksamt allerdings hatte den gesamten Weg zur Badestelle erklärt. Damit sind dort, laut Gesetz, Hunde nicht erlaubt.

Viele halten sich an das Verbot

Genau betrachtet, passt Bella doch nicht zu dem Prozess, trotz Ufernähe. Denn Bella liegt zusammengerollt unter einem Tisch im Biergarten vor der alten Fischerhütte. Der Biergartenbesitzer erlaubt dort Hunde, das darf er. Bellas Herrchen ist ein Endfünfziger mit Designerbrille, Schal und Hut, der lieber nicht namentlich genannt werden möchte. Er sagt: „Die meisten halten sich an das Hundeverbot. Ich kenne jedenfalls kaum jemanden, der es nicht macht. Ich habe mich auch damit arrangiert.“

Einige Verbots-Anhänger weisen zwar lautstark daraufhin, das Hundeverbot werde permanent ignoriert, doch problemlos bestätigen lässt sich diese These nicht. Ein 54-Jähriger, „geborener Zehlendorfer“, der zu jeder Tageszeit den Schlachtensee umrundet, sagt: „Es gibt nur noch vereinzelt Hunde, die direkt am Uferweg laufen. Die meisten Menschen halten sich an das Verbot.“

"Zehlendorfer Oberlehrer"

Als die Hunde noch rumtollen durften, hätten ihn vor allem die Plastiktüten mit den Hinterlassenschaften der Hunde gestört, welche die Besitzer am Ort des Geschehens zurückgelassen hätten. Im Übrigen sei das Hundeverbot wohl eher ein typisch „Zehlendorfer Problem“. Auch ein 38-Jähriger, der sehr oft am Schlachtensee die Szenerie beobachtet, erklärt: „Es gibt hier fast keine Hunde mehr. Die halten sich eigentlich alle daran.“

Was die Hunde am Schlachtensee sagen
Noch einmal die Freiheit spüren. Wilmer und Eddy haben Spaß.Weitere Bilder anzeigen
1 von 14Foto: uem
16.01.2015 10:53Noch einmal die Freiheit spüren. Wilmer und Eddy haben Spaß.

Von sozialem Frieden gibt es allerdings trotzdem keine Spur; um Recht und Ordnung wird teilweise so heftig gestritten, dass Fetzen und Brillen fliegen. Bellas Herrchen erzählt die Geschichte einer Bekannten, die vor einiger Zeit mit ihrem Hund auf dem Uferweg spazieren gegangen ist. Ein Regelverstoß, keine Frage. Aber wie stark dieser Regelverstoß in den Augen von Passanten war, habe sie erst gemerkt, als ihr im Wortstreit die Brille von der Nase geschlagen wurde.

Auch er wird in Begleitung von Bella in Diskussionen verstrickt, besser gesagt: Er hört giftig gezischte Anweisungen. Da spielt es keine Rolle, dass er in genügend Abstand zu Ufer Bella ausführt, auf erlaubten Wegen. „Sie wissen schon, dass unten am Uferweg Hundeverbot herrscht“, raunen ihm Leute entgegen „Zehlendorfer Oberlehrer“, wie er sie nennt. Er fragt dann zurück, ob er denn gerade am Uferweg sei.

"Hunde sind ja keine Delphine"

Früher kam er gerne mit Bella ans Wasser, weil sie mit Freuden badet. Andererseits, da ist er ganz pragmatisch: „Hunde sind ja keine Delphine. Die müssen nicht ständig ins Wasser.“ Aber er hat auch Familien mit Hunden am Uferweg beobachtet; die Kinder hätten viel Spaß mit den Tieren gehabt. Jetzt sehe er dort erheblich weniger Kinder. Freilich, das sagt er auch: „Es gibt Hundebesitzer, die rabiat sind.“ Die zwar nicht am Uferweg entlang marschieren, aber in der Nähe und im Bedarfsfall sehr heftig argumentieren.

Bürgerbefragungen des Bezirks und der Abteilung Seenplatte der SPD haben kein eindeutiges Bild zum Thema Hundeverbot ergeben. Eine klare Tendenz in eine Richtung gab es nicht. Möglicherweise sorgen die Richter für Klarheit. Bella interessiert das alles nicht. Sie schnappt nach Würstchen, die ihr Herrchen hinstreckt. Sorgen muss sie sich nicht machen, sie ist auf sicherem Gebiet.




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