Berlin-Zehlendorf: Sporthalle für Flüchtlinge : Nicht schön, aber wenigstens warm

Im letzten Winter war das Wasser in der Onkel-Tom-Halle zum Trinken nicht geeignet, auch die sanitären Anlagen waren marode und eklig. Jetzt sollen dort Flüchtlinge wohnen. Das Gesundheitsamt hat geprüft: "Alle Werte sind in Ordnung."

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Bis zum Frühsommer 2015 war dieser kleine Vermerk an den Toiletten der onkel-Tom-Halle angeklebt. Jetzt sagt das Amt seien alle Werte wieder in Ordnung.
Bis zum Frühsommer 2015 war dieser kleine Vermerk an den Toiletten der Onkel-Tom-Halle in Zehlendorf angeklebt. Jetzt, sagt das...Foto: ale

Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird in Zehlendorf eine der normalerweise vom Vereinssport vor allem im Winter hochfrequentierten Sporthallen zur Flüchtlingsunterkunft. Eigentlich ist die Onkel-Tom-Halle in der gleichnamigen Straße in Berlin-Zehlendorf kein schöner Anblick, und wer sie sich in den letzten Jahren von innen angeschaut hat, könnte auf die Idee kommen: Sie ist völlig marode. Aber das mag am Dreck und Staub und nicht an der wahren Bausubstanz liegen. Fakt ist: Bis zum vergangenen Juni war es im Kerngebäude verboten, das Wasser aus dem Hahn zu trinken. Es wies einen zu hohen Eisengehalt auf. Auch die sanitären Anlagen, Waschbecken, Toiletten sowie die Böden in den Wasch- und Duschräumen waren mindestens eklig, wenn auch wohl nicht gesundheitsgefährdend.

Nun hat das Gesundheitsamt und das Bauamt des Bezirks alles nochmals geprüft und beide Behörden sind zu dem Schluss gekommen. Die Halle ist geeignet und aus unterschiedlichen Gründen sogar "ideal" für die Zwangslage, in der man sich aufgrund der hohen Flüchtlingszahlen befindet.

Die Halle ist im Winter warm

Was sich für diejenigen, die die Halle kennen, nicht auf Anhieb erschließen mag, kann Andreas Beyer, Leiter des Gesundheitsamtes, erklären: Zunächst einmal bestehe mittlerweile keine hygienische Beeinträchtigung mehr beim Trinkwasser. "Alle Werte sind in Ordnung." Auch Legionellen, die immer wieder an verschiedenen Schul- und Vereinssporthallen auftauchten, spielen dort nun keine Rolle mehr. Zudem sei sowohl die Heizungs- als auch die Trinkwasseranlage überprüft und zum Teil saniert worden. "Das bedeutet, dass wir die Halle vor allem auch im Winter nutzen können, wenn es kalt ist", sagt Beyer.

Bisher war es im Winter immer so, dass die Zuschauer auf der Tribüne in Jacken saßen, weil es so kalt in der Halle war.

Es gibt weitere Kriterien für die Halle, auch wenn der Amtsleiter betont, dass eine Sporthalle "immer die letzte Möglichkeit für eine Unterbringung sein sollte". Die Halle sei nicht zu groß, gleichzeitig gebe es Möglichkeiten, durch Abtrennungen auch "ein wenig Privatsphäre für die Menschen zu schaffen", zudem sei die Infrastruktur gut - die Nähe zur U-Bahn und zum Krankenhaus beispielsweise. Ein weiterer Aspekt, der für die Halle spreche, ist die Nähe zu einem anderen Flüchtlingsheim an der Potsdamer Straße/Hohentwielsteig. "Dort arbeitet bereits ein Willkommensbündnis, wir haben also gute Strukturen", sagt Beyer. Es gebe etwa Ärzte, die freiwillig helfen wollen. Hinter der Halle ist zudem ein Rasenplatz, den normalerweise auch Hertha 03 Zehlendorf benutzt und der nun als Spiel- und Freizeitfläche für die Flüchtlingskinder dienen könnte.

Von Vereinsseite ist zu hören: "Es war alles korrekt, wir sind früh vom Amt informiert worden und helfen natürlich gerne." Andere Vereine, das ist auf einer Sitzung bereits besprochen worden, werden mit Hertha 03 Hallenzeiten teilen. Beyer sagt, vor allem findet in dieser Halle "kein Schulsport" statt, das sei auch ein Kriterium gewesen.

Eigentlich hat der Bezirk kein Geld für die Sanierung

Im Januar dieses Jahres hatte die zuständige Stadträtin für Bildung und Sport, Cerstin Richter-Kotowski (CDU), auf Anfrage mitgeteilt, dass derzeit die "bezirkliche Priorität auf der Instandsetzung von gesperrten Sporthallen bzw. Sportanlagen" liege, "um diese dem Sportbetrieb schnellstmöglich wieder zur Verfügung stellen zu können". Zur Onkel-Tom-Halle hieß es, eigentlich müssten viele Wasserrohre erneuert werden, aber dafür habe der Bezirk kein Geld. Richter-Kotowski sagte wörtlich: "Die Erneuerung der Wasserrohre ist zwar geplant, aber derzeit aufgrund des vorhandenen Sanierungsrückstaus im Bezirk noch nicht umgesetzt."

Diese Erneuerung hat zwar bis heute nicht stattgefunden, aber offensichtlich gab es auch andere Möglichkeiten, die hygienischen und gesundheitlichen Voraussetzungen so zu gestalten, dass man mit gutem Gewissen Flüchtlinge darin wohnen lassen kann. Es gibt allerdings auch andere, die zu den regelmäßigen Hallennutzern gehören, im Bezirksamt arbeiten, aber ihren Namen nicht nennen wollen, die sagen: "Wenn dort täglich 150 Menschen duschen und auf die Toiletten gehen, werden die Sanitäranlagen das nicht lange mitmachen."

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