BVV Steglitz-Zehlendorf : Bezirk will keine Wildtier-Zirkusse mehr erlauben

In Steglitz-Zehlendorf sollen keine Zirkusse mit Wildtieren mehr gastieren dürfen. Aber bis das Verbot umgesetzt werden kann, wird es noch dauern.

Christian Vooren
Solche Nummern wie hier bei einem Zirkus in Stuttgart soll es künftig in einigen Berliner Bezirken nicht mehr geben.
Solche Nummern wie hier bei einem Zirkus in Stuttgart soll es künftig in einigen Berliner Bezirken nicht mehr geben.Foto: Nikolai Huland/dpa

Im Bezirk Steglitz-Zehlendorf werden zukünftig keine Zirkusse mit Wildtieren mehr gastieren. Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) hat mehrheitlich beschlossen, keine Grünflächen mehr an entsprechende Zirkusse zu vermieten. Angestoßen hatte das Evelyn Kersten in der SPD-Fraktion. Kerstin ist ebenfalls Mitglied in der Bezirksgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Auslöser war ein Fall aus dem vergangenen Sommer. Damals war ein Zirkus besonders negativ in der Haltung seiner Elefanten aufgefallen.

Doch es geht um weit mehr als nur einen Einzelfall. Carmen Schultze vom BUND sagt: „Mit Wildtieren permanent durch die Lande zu ziehen, kann in keiner Weise artgerecht sein.“ Der BVV-Beschluss soll dem Problem jetzt entgegenwirken. Konkret genannt sind etwa Affen, Löwen, Tiger und Elefanten. „Hunde und Pferde sind im Zirkus kein Problem“, sagt Norbert Buchta, Fraktionsvorsitzender der SPD Steglitz-Zehlendorf.

"Wildtier" ist nicht eindeutig definiert

Im Bezirk gastierten jedes Jahr rund eine Handvoll Zirkusse, für die meisten werde die Entscheidung keine Auswirkungen haben, vermutet Buchta. Praktische Auswirkungen hat der BVV-Beschluss womöglich erst im nächsten Jahr. Er ist zwar an den Bezirk gegangen, der hat aber bis zu neun Monate Zeit, um dessen Umsetzung einzuleiten. „Wenn der Bezirk das beherzigt, dann würde die Regelung ab sofort gelten, das muss aber nicht zwangsläufig so sein“, sagt Buchta. Hinzu kommt: In dem Beschluss ist der Begriff „Wildtier“ nicht eindeutig definiert. Das bedeutet, dass der Bezirk letztlich einen Ermessensspielraum hat.

Der Streit um die Zirkusse ist schon älter

Streit um Wildtiere im Zirkus gibt es schon länger. Während die eine Seite den Einsatz als Tierquälerei verurteilt, will die andere nicht von dieser Tradition ablassen und schätzt die Zumutungen für die Tiere als gering ein. Bereits 2003 hatte der Bundesrat sich für ein generelles Verbot von Wildtieren im Zirkus ausgesprochen, jedoch ist im Bundestag seitdem noch nichts geschehen. In vielen anderen europäischen Ländern gibt es bereits ein allgemeines Verbot, auch andere deutsche Städte haben auf kommunaler Ebene einen solchen Beschluss gefasst, darunter Heidelberg und Potsdam. Auch zahlreiche Zirkusse verzichten inzwischen von sich aus auf das Halten von Wildtieren, darunter der Zirkus Roncalli.

Neben den Strapazen für die Tiere sieht der BUND Berlin übrigens noch ein weiteres Problem bei der Vielzahl von Zirkussen. Sprecherin Carmen Schultze sagt: „Die vielen Veranstaltungen sind mittlerweile ein großes Problem für unsere Grünflächen, wenn diese das ganze Jahr bespielt werden.“




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