Christian Simon veröffentlicht Buch über Zehlendorf : Von Cedelendorp nach Zehlendorf

Zehlendorf ist bekannt für seine Seen, Wälder und die FU - aber nicht nur. Der Autor Christian Simon hat ein Buch über die Geschichte des "Grünen Bezirks" geschrieben. Am Montag liest er in der Dorfkirche daraus vor.

Nora Tschepe-Wiesinger
"Zehlendorf - Zwischen Idylle und Metropole", lautet der Titel von Christian Simons Buch über Zehlendorf.
"Zehlendorf - Zwischen Idylle und Metropole", lautet der Titel von Christian Simons Buch über Zehlendorf.Foto: promo

Johannes Heesters fuhr mit dem Fahrrad von seinem Wohnort in Wannsee zur Arbeit in die Babelsberger Filmstudios – um fit zu bleiben und die landschaftlich schöne Gegend zu genießen, wie Christian Simon in seinem neuen Buch „Zehlendorf – Zwischen Idylle und Metropole“ schreibt. Der 53-jährige Autor hat ein Buch über den  „Grünen Bezirk“ Berlins geschrieben. Darin erzählt er die Geschichte Zehlendorfs mit den Ortsteilen Dahlem, Wannsee und Nikolassee.

Im Jagdschloss Grunewald soll es spuken, schreibt Simon in seinem Buch

Simon beginnt sein Buch mit einer Beschreibung Zehlendorf während der Eiszeit und der Gründung der Dörfer Zehlendorf, Schönow, Stolpe und Dahlem im 13. Jahrhundert und fährt dann in chronologischer Reihenfolge fort. Er erzählt von kurfürstlichen und königlichen Bauten wie dem 1542 erbauten Jagdschloss Grunewald, in dessen Gemäuern einer Legende zufolge die Geliebte des brandenburgischen Kurfürsten Joachim II. lebendig eingemauert wurde und dort seitdem ihr Unwesen treibt.

Ein weiteres Kapitel widmet sich dem Wandel Zehlendorfs vom Dorf zum Vorort Berlins zu Beginn des 19. Jahrhundert sowie den einzelnen Villenkolonien in Wannsee, Nikolassee, Schlachtensee, Dahlem und Zehlendorf-West.

Der Autor Christian Simon mit seinem 2012 verstorbenen Hund Aaron im Grunewald.
Der Autor Christian Simon mit seinem 2012 verstorbenen Hund Aaron im Grunewald.Foto: privat

Die vielen Seen, die in diesen Gebieten liegen, sind Simons Lieblingsorte in Zehlendorf, erzählt er. Am Schlachtensee und Nikolassee geht er im Sommer gerne spazieren und schwimmen.

Für Heimatgeschichte interessiert sich Christian Simon schon, seit er 12 ist. Damals musste er anlässlich des hundertjährigen Bestehens seiner Grundschule in Lichterfelde einen Artikel für die Schülerzeitung schreiben. Der heute 53-Jährige erinnert sich: „Ich habe in alten Zeitungen gelesen und mit dem Pfarrer gesprochen. Da ist mir zum ersten Mal bewusst geworden, wie komplex die Vergangenheit des eigenen Umfelds ist – ich hatte Blut geleckt“. Simons Leidenschaft für Heimatgeschichte ist ausschlaggebend für die spätere Studienwahl: Geografie und Politologie an der Freien Universität. Für das Studium zieht Simon von Wilmersdorf nach Lichterfelde in Steglitz, wo er noch heute wohnt.

1997 erschien Simons erstes Buch über Steglitz

Das Buch „Zehlendorf – Zwischen Idylle und Metropole“ ist nicht Simons erstes. Vor dreizehn Jahren, 1997, schrieb der Autor sein erstes Buch über Steglitz. Beinahe wäre es auch sein letztes gewesen; nach der Veröffentlichung dachte er sich zunächst: „Nie wieder!“

Simon erzählt, dass der Lektor des damaligen Verlags ihm zu viel ins Manuskript eingegriffen habe und rund zwei Drittel ganz strich. „Ich war drauf und dran, meinen Namen zurückzuziehen“, sagt Simon, aber auch, dass er damals noch nicht an die Kosten und die Vermarktung gedacht hat. „Der Druck eines Buches mit 300 statt mit 150 Seiten kostet eben mehr, und das kauft und liest dann niemand“. Simon klingt resigniert, als er das sagt.

Der Autor aus Lichterfelde hat dazu gelernt und fügt sich heute bei Verbesserungsvorschlägen. Neben dem Buch über Zehlendorf schrieb er in den letzten dreizehn Jahren weitere Bücher über Berliner Bezirke und über einzelne Bauwerke, wie die Berliner Mauer oder die Gräber bedeutender Persönlichkeiten in Berlin.

Die Autorin Nora Tschepe-Wiesinger ist freie Mitarbeiterin des Tagesspiegel und des Zehlendorf Blog, dem Online-Magazin aus dem Südwesten. Sie studiert zurzeit in Hannover.
Die Autorin Nora Tschepe-Wiesinger ist freie Mitarbeiterin des Tagesspiegel und des Zehlendorf Blog, dem Online-Magazin aus dem...Foto: privat

Jeder Zehlendorfer kann noch etwas Neues über seinen Bezirk erfahren

Egal, ob man in Zehlendorf Mitte, Wannsee oder Dahlem wohnt – jeder Zehlendorfer wird in Simons Buch noch etwas Neues über seinen Wohnort erfahren. Auf 176 Seiten hat der Autor historische Ereignisse, Fakten und Zahlen zusammengetragen; zahlreiche Fotos und Karten helfen den Lesern, sich ein Bild von dem Bezirk während der Kaiserzeit, der Weltkriege oder unter der amerikanischen Besatzung zu machen.
Der Zeit nach 1945 und dem „amerikanischen Zehlendorf“ hat Simon einen weiteren Abschnitt seines Buches gewidmet. Darin erzählt er zum Beispiel von der Entstehung des Waldfriedhofs Zehlendorf, der 1945 neu angelegt wurde, um die provisorisch bestatteten Kriegstoten dorthin umzubetten.

Mit dem Kapitel „Zehlendorf im geteilten Berlin und nach der Wiedervereinigung“ endet Simons Buch – nicht jedoch die Geschichte Zehlendorfs. Im letzten Satz schreibt er: „Die Geschichte wird weiter gehen und wir sind gespannt auf die vor uns liegende Epoche“.

Das Buch „Zehlendorf – Zwischen Idylle und Metropole“ ist am Montag, 30. September, im bebra-Verlag erschienen und kostet 14,95 Euro. Am Montag, 7. Oktober, stellt der Autor es um 19 Uhr in der Alten Dorfkirche in Zehlendorf, Potsdamer Straße 1/Ecke Clayallee, vor. Der Eintritt kostet fünf, ermäßigt drei Euro. Ein weiteres Mal liest er am Dienstag, 8. Oktober, um 15:30 in der Urania in Schöneberg, An der Urania 17, daraus vor. Dann kostet der Eintritt sieben, ermäßigt sechs Euro.

Die Autorin Nora Tschepe-Wiesinger absolviert ein Praktikum in der Berlin-Redaktion und ist Bloggerin auf dem Zehlendorf Blog, dem Online-Magazin des Tagesspiegels.




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