Coffee to go : Starbucks verlässt Zehlendorf

Für Jugendliche oder junge Familien bietet Zehlendorf wenig, um sich auch mal zu fühlen wie in der City. Jetzt schließt Starbucks seine Filiale, und es bleibt die Frage, ob Hörgeräteläden, Optiker und Apotheken ausreichen, um einen Ortsteil attraktiv zu machen.

Armin Lehmann
Starbucks am Teltower Damm in Zehlendorf schließt
Starbucks wird zum August seine Filiale am Teltower Damm in Zehlendorf schließen.Foto: Armin Lehmann

Noch sind Ferien, deshalb sind auch an diesem Montag gegen 13 Uhr relativ wenig Schüler und Jugendliche im Starbucks am Teltower Damm. Normalerweise beginnt um diese Uhrzeit die "Rush-Hour" der Teenager, die das amerikanische Unternehmen bevölkern. Sie sitzen dann oft zwischen Müttern mit Kinderwagen, und die Atmosphäre ist großstädtisch und doch entspannt. Der Starbucks am Teltower Damm hat noch den Vorteil, dass man auf dem Hof draußen sitzen kann, ein kleiner Brunnen plätschert, Kinder spielen in der Buddelkiste.

Das Unternehmen geht ganz aus dem Ortsteil weg

Aber damit ist es nun vorbei, denn Starbucks schließt seine Filiale voraussichtlich schon zu Anfang August, wie der Tagesspiegel exklusiv erfuhr. Damit wird Zehlendorf wieder ein Stück "Großstadtatmosphäre" genommen, die unter anderem Starbucks selbst erst in den Südwesten gebracht hatte. Maresa Standke, die regelmäßig mit ihren Söhnen, acht und drei Jahre, hierher kommt sagt: "Ich finde das wirklich sehr schade. Durch die Schüler und Jugendlichen ist die Atmosphäre hier einfach ein bisschen wuseliger und großstädtischer, und genau das vermisse ich manchmal in Zehlendorf, obwohl ich sehr gerne hier bin." Standke, 39, findet, dass es kaum Cafés in der Gegend gibt, in denen sich Jüngere treffen können oder wo auch junge Familien gerne hingehen. Ihr sei es egal, ob es sich bei Starbucks um einen Großkonzern handele, "ich würde gerne auch in ein anderes Café, wenn es nicht so wäre, dass man ständig in Sorge sein muss, dass die Kinder zu laut sein könnten". Zehlendorf, sagt Standke, müsse sich endlich auch um die Jugendlichen und Familien kümmern, schließlich "geht es in Zukunft auch in Zehlendorf nicht ohne die". Dafür brauche es sicherlich keinen Starbucks, "aber ein bisschen mehr Mut zur Veränderung".

Der Autor ist Redakteur für besondere Aufgaben im Tagesspiegel.
Der Autor ist Redakteur für besondere Aufgaben im Tagesspiegel.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Starbucks selbst äußerte sich gegenüber dem Tagesspiegel so: "Wir werden unser Coffee House am Teltower Damm voraussichtlich Anfang August schließen müssen. Grundsätzlich sind wir vom Berliner Markt überzeugt und weiterhin an großartigen Standorten interessiert. Der Fokus auf Standorte in der Region wird weiter verstärkt, da wir dort sein wollen, wo unsere Gäste uns erwarten. Derzeit gibt es noch keine konkreten Pläne für weitere Standorte in Zehlendorf."

Vor allem der Satz, dass man da sein wolle, wo die Gäste Starbucks erwarten, lässt darauf schließen, dass die immer noch eher ältere Bewohnerstruktur in dem Stadtteil offenbar nicht zur Philosophie des Unternehmens passt.

Der Eigentümer des Hauses, die Becksche Stiftung, wollte sich noch nicht öffentlich zu dem Thema äußern. Viele Händler am Teltower Damm sind in Sorge, weil einige Eigentümer die Mieten extrem erhöht haben, außerdem müssen ein paar Meter weiter von Starbucks entfernt, demnächst die Traditionsläden "Antkowiak" und "Juwelier Weiss" schließen, weil sie die nächste Mieterhöhung nicht mehr tragen können. Beide Unternehmen sind seit über 100 Jahren an diesem Ort.

Viele Einwohner befürchten, dass nun noch mehr Apotheken, Optiker, Banken oder Hörgeräteläden kommen. Dem Vernehmen nach hat die Aufgabe von Starbucks in Zehlendorf allerdings nichts mit der Miete zu tun, ohnehin ist die Becksche-Stiftung dafür bekannt, moderate Mieten zu nehmen und sehr auf die Mischung der Mieter und Anbieter zu achten. Dementsprechend wird es am Teltower Damm 15 sehr wahrscheinlich eine eher kreativere, der Entwicklung des Stadtteils angemessene Lösung geben.

Allerdings kommt der Teltower Damm und die anliegende Clayallee offensichtlich nicht zur Ruhe. Gerade hat der Zehlendorf Blog über den Bau des neuen Büro- und Geschäftshauses an der Clayallee neben der Kaisers-Filiale berichtet. Auch die Zehlendorfer Welle ist nach wie vor umstritten, auch wenn die Beteiligten Vermieter und Mieter noch beteuern, es sei alles auf gutem Weg. Einige Insider, die sich mit dem Immobilien-Geschäft auskennen in Zehlendorf, wissen anderes zu berichten. Demnächst wird sich die Situation für die Zehlendorfer Welle noch verschärfen, wenn an der Truman Plaza am Oskar-Helene-Heim die nächste Shopping- und Geschäftswelt samt Fitness-Studio eröffnet wird.

Der Autor ist Redakteur für besondere Aufgaben im Tagesspiegel. Der Text erscheint auf dem Zehlendorf Blog, dem Online-Magazin der Zeitung.




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