Dahlem: Notunterkunft nur bis Ende Januar : FU Berlin macht wieder Sport

Die Leitung der Freien Universität geht davon aus, dass die Sporthalle der FU in Dahlem nur noch bis zum 31. Januar als Notunterkunft für Flüchtlinge genutzt wird. Kürzlich hatte der Bürgermeister von Steglitz-Zehlendorf, Norbert Kopp, von "menschenunwürdigen" Bedingungen gesprochen.

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Helfer in der FU. Ab Februar soll in der Halle wieder Sport stattfinden.
Helfer in der FU. Ab Februar soll in der Halle wieder Sport stattfinden.Foto: Börn Kiezmann

Die Leitung der Freien Universität geht davon aus, dass die Sporthalle der FU nur noch bis zum 31. Januar als Notunterkunft für Flüchtlinge genutzt wird. Ursprünglich war erwartet worden, dass die Flüchtlinge dort bis Mitte Februar untergebracht sind. Matthias Dannenberg, seit wenigen Wochen Vizekanzler der FU, sagte am Mittwoch im Akademischen Senat, die FU habe bislang vom Berliner Senat keinen Bescheid bekommen, wonach die Halle noch über den Januar hinaus mit Flüchtlingen belegt ist. Die Halle wird vom Hochschulsport sowie von drei Schulen genutzt. Die FU ist dabei, den Teilnehmern der Sportkurse Gebühren für ausgefallene Stunden zu erstatten, sagte Dannenberg. Der Verwaltungsaufwand dafür sei hoch.

Der Berliner Senat hatte die Halle in der Königin-Luise-Straße 47 am 19. Dezember kurzfristig mit 200 Flüchtlingen belegt. Betreut wurden sie zuerst von den Johannitern, seit dem 9. Januar ist die Arbeiterwohlfahrt für sie zuständig, sagte Dannenberg.

Kann die FU den 200 Flüchtlingen nicht etwas mehr helfen?, fragte der Studierendenvertreter Mathias Bartelt. So könnte die FU Räume für Begegnungen mit hilfsbereiten Studierenden und für Deutschkurse bereitstellen oder dafür sorgen, dass die Flüchtlinge in der Halle W-Lan-Zugang haben.

Dannenberg erklärte, die Flüchtlinge würden von Profis versorgt – auch beim Deutschlernen, wo die Volkshochschule ausgebildete Dozenten zur Verfügung stelle. Es sei nicht die Aufgabe einer Universität, Flüchtlingen für Forschung und Lehre vorgesehene Räume zur Verfügung zu stellen. Einen W-Lan-Zugang könne die FU in der Halle aus rechtlichen Gründen nicht bereitstellen, sagte Dannenberg: „Das ist kein böser Wille.“ Dem widersprach der Student Bartelt. Die Flüchtlinge könnten durchaus rechtssicher über „Freifunk“ verbunden werden.

Dannenberg betonte, die FU habe sich stark dabei engagiert, die Einquartierung vorzubereiten und angesichts Flüchtlingen feindselig gesonnener Bewegungen auch auf die „gute Einbettung in den Bezirk“ hin gearbeitet. Diese sei angesichts der Aktivitäten des Willkommensbündnisses Steglitz-Zehlendorf und der evangelischen Kirchengemeinde auch gut gelungen. Hilfsbereite FU-Mitglieder sollten mit diesen Kontakt aufnehmen.

Kürzlich hatte der Bürgermeister von Steglitz-Zehlendorf, Norbert Kopp (CDU), die Unterbringung scharf kritisiert. In der Bezirksverordnetenversammlung sagte Kopp wörtlich: „Die räumlichen Zustände verletzen ethnische Grundsätze, sind menschenunwürdig und eine Belastung für die Flüchtlinge." Er habe sich mehrfach selbst vor Ort ein Bild gemacht und jetzt den Senator für Gesundheit und Soziales, Mario Czaja (CDU), aufgefordert, die Notunterkünfte nicht länger aufrecht zu erhalten. Kopp hatte erzählt, dass etwa muslimische Flüchtlinge, vor allem Frauen, nachts ihre Kleidung nicht ausziehen, weil es keine Trennwände zwischen den Betten und keine Privatsphäre gebe. Die Flüchtlinge leben auf engstem Raum. 200 Menschen in einer Turnhalle.

Wo er die Flüchtlinge stattdessen in seinem Bezirk unterbringen würde, sagte Norbert Kopp nicht.




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