Die trockenen Brunnen vom Mexikoplatz : Ingenieur 22, bitte melden!

Ein Leser hatte da mal eine Frage: Warum sprudeln die Brunnen am Mexikoplatz in Zehlendorf nicht? Wir haben versucht, diese Frage zu beantworten. Und wir müssen leider zugeben, es ist uns nicht wirklich gelungen. Aber lesen Sie doch selbst.

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Der Mexikoplatz in Berlin-Zehlendorf
Heute einer der schönsten Plätze Berlins: Der Mexikoplatz in ZehlendorfFoto: Thilo Rückeis

Der Leser, der uns anrief, ist irritiert. "Die Brunnen sprudeln nicht", sagt er und findet, dass das bei diesem Wetter nicht gehe. Und man möge sich doch bitte einmal bemühen, herauszufinden, warum der Mexikoplatz sozusagen auf dem Trockenen sitze. In der Tat sind die Brunnen am Mexikoplatz besonders beliebt und schön, denn sie machen den ohnehin schönen Platz noch schöner. Wenn Wasser fließt.

Also Anruf beim Bezirksamt. Wir hätten da mal eine Frage. Nun muss man an dieser Stelle eines vorweg sagen, das Bezirksamt hat eine engagierte, gewissenhafte, immer freundliche und zuverlässige Pressesprecherin. Auch in diesem Fall tut sie das, was ihr Job ist. Sie hilft und telefoniert. Allerdings muss sie doch recht viel telefonieren, wie sie am Ende selbst zugibt, aber, bitte sehr, nun habe man ja einige Ansprechpartner und könne sich die Fragen beantworten lassen.

Sei aber nicht so einfach, sagt sie noch, denn das hat sie selbst schon mitbekommen. Oft ist nämlich das Grünflächenamt zuständig, aber nicht in diesem Fall, weil der Mexikoplatz als Straße gilt, und deshalb ist wiederum das Tiefbauamt die richtige Ansprechstelle. Versuchen wir es mal. Leider ist der Herr Müller-Ettler im Urlaub, erst ab Mai wieder da, es lacht aus dem Telefon, "da sprudelt der Brunnen bestimmt wieder". Nun ja, das hat sich selbst der Leser schon gedacht, aber man will es ja genau wissen. Die Vertretung, Frau Osteresch, ist irgendwie gar nicht zuständig, aber vielleicht ein Herr Teile, obwohl der nicht zum Tiefbauamt gehört, so habe er doch wohl Kenntnisse über die Brunnen im Bezirk. Außerdem gebe es da noch eine Frau Sturm, die Bescheid wissen könnte.

"Kafkaesk" - und die Mitarbeiterin stimmt zu

Hallo Frau Sturm, ich hörte... Nun, Frau Sturm ist auch nett und höflich, und sie versteht das Anliegen, aber sie wisse nichts, nicht zuständig, und der Herr Teile, das wisse sie wohl schon, wisse das auch nicht. Dafür vielleicht der, wie sie sagt, "Ingenieur 22". Sie hat die Nummer. Doch Nummer 22 ist nicht da, und, wie sich herausstellt, auch doch nicht der Richtige. Dafür Frau Meiser...?

Frau Meiser, das ist keine Ironie, ist ebenfalls sehr hilfsbereit, zuvorkommend und freundlich. Als einem das Wort "kafkaesk" herausrutscht, schimpft sie nicht, sondern zeigt Verständnis, aber man möge auch sie verstehen, sie könne ja nichts für andere, "die diese Systeme basteln". So sei sie halt unsere Bürokratie. Sie seufzt sehr sympathisch.

Kein Wasser, ausgetrocknet wie die Wüste..., der Mexikoplatz.
Kein Wasser, ausgetrocknet wie die Wüste, einer der Brunnen am Mexikoplatz.Foto: Privat

Gibt es eigentlich überhaupt eine Stelle im Bezirksamt, die einen Überblick habe über alle Brunnen und wann die an oder aus sein? Tschuldigung, sagt Frau Meiser, aber sie sei da jetzt nicht die richtige Ansprechpartnerin, um das zu beantworten, einfach nicht zuständig. Aber sie weiß, dass es einen Gruppenleiter gibt, Herrn Auernhammer, der das alles weiß, vermutlich, aber der, leider, ist auch erst nächste Woche wieder da. Vielleicht ist das ja ein sicheres Zeichen dafür, dass eben nächste Woche die Brunnen...

Naja, sagt Frau Meiser noch. Außerdem gebe es da aber noch einen, den Herrn Seidel, den Lagerplatzverwalter, der den Kontakt zu der Firma Ströer habe, die sich wiederum um diesen Brunnen kümmere. Ach so!

Man muss nun wissen, dass dieses Brunnenproblem kein wirklich neues ist, nur, das offensichtlich in den Bezirksämtern sehr viele Zuständigkeiten für sehr viele verschiedene Brunnen existieren. Warum? Na klar, weil die Bezirksämter kein Geld haben. Deshalb machen das Firmen wie Ströer oder Wall, in den meisten Bezirken. 2012 beispielsweise stellte Ströer rund eine Million Euro für den Betrieb von 180 Zierbrunnen, Planschen und Wasserpumpen in sieben Bezirken zur Verfügung. Und Mitarbeiter von Ströer führen auch „notwendige Reparaturen an der Brunnentechnik und Reinigungsarbeiten“ durch.

Der Mexikoplatz mit Springbrunnen
Wasser, Eis und eine gute Anbindung durch die S-Bahn: Der Mexikoplatz an einiges zu bietenFoto: Christian van Lessen

Die nette Pressesprecherin hatte gleich am Anfang gesagt, es sei wohl so, dass dort Reparaturen erledigt werden müssten am Mexikoplatz, eine Mitarbeiterin wusste sogar, dass es kompliziert sei. Aber mehr wusste sie nicht, weil der Chef leider nicht da ist.

Nun, beim Lagerplatzverwalter, Herr Seidel, ging leider auch niemand an den Apparat, nur ein Anrufbeantworter: "Zurzeit ist niemand erreichbar." Lieber Leser, es tut uns sehr Leid. Wir können Ihnen Ihre Frage leider nicht genau beantworten. Nur so viel: Irgendwas ist da wohl und wird demnächst vielleicht erledigt sein. Bestimmt zum 1. Mai. Oder vielleicht.

Der Autor ist Redakteur für besondere Aufgaben im Tagesspiegel. Der Text erscheint auf dem Zehlendorf Blog, dem Online-Magazin der Zeitung.

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