Eckart von Hirschhausen über Berlins Südwesten : „Zehlendorf – wat willste mehr?“

Der Kabarettist, Moderator und Schriftsteller Eckart von Hirschhausen wuchs in Zehlendorf auf. Seit mehr als 15 Jahren sieht man den studierten Mediziner und Wissenschaftsjournalisten deutschlandweit in den Medien und auf den Bühnen. Ein Großteil seiner Familie lebt noch im Bezirk oder in der Nähe. So oft wie möglich sei er hier, sagt Hirschhausen im Interview.

Anett Kirchner
Südwest-Berliner. Eckart von Hirschhausen, hier auf einem Werbebild für seine aktuelle Tour, hat seine Jugend in Zehlendorf verbracht.
Südwest-Berliner. Eckart von Hirschhausen, hier auf einem Werbebild für seine aktuelle Tour, hat seine Jugend in Zehlendorf...Foto: promo / Frank Eidel

Sie sind in Frankfurt am Main geboren, aber in Zehlendorf aufgewachsen. Warum ist Ihre Familie in den Berliner Südwesten gezogen? 
Mann, da haben Sie aber knallhart recherchiert, ich sage so gerne: „Ich bin ein Berliner!“ Formal stimmt es nicht, weil ich erst im ersten Lebensjahr nach Berlin kam. Mein Vater bekam eine Stelle an der Technischen Universität und wir zogen allesamt nach Zehlendorf. Meine Schwester wurde 1969 hier geboren, im Klinikum Steglitz, als eines der ersten Kinder dort. Aber wenn John F. Kennedy behaupten darf, er sei ein Berliner, darf ich das auch, oder?

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Kindheit?
Vom Kindergarten in der Evangelischen Paulusgemeinde über die Mühlenau-Grundschule, Nord-Grundschule und dann auf das „Schadow“ – eigentlich sind es nur schöne Erinnerungen an unseren Bezirk. Im Berliner-Hockey-Club habe ich Hockey gespielt. Wer mich damals gesehen hat, sah wahrscheinlich schon früher als ich das große Talent – also im Unterhaltungsbereich, nicht im Sport. Dafür waren meine Geschwister sehr gut in Hockey, Tennis und Basketball. Ich bin lieber gesegelt mit dem Boot „Optimist“ auf dem Wannsee. Optimist bin ich bis heute!

Was gefällt Ihnen an Zehlendorf?
Als Kind hat die Welt ja eine Selbstverständlichkeit. Es ist halt alles, wie es ist. Heute, mit ein bisschen Blick über den Tellerrand hinaus, weiß ich vieles noch mehr zu schätzen: Zehlendorf ist nah genug dran am Großstadtleben, aber gleichzeitig auch nah genug dran an der Krummen Lanke, am Grunewald und am Wannsee. Wat willste mehr?

Welchen Vorteil zu anderen Berliner Stadtteilen hat es, gerade hier aufgewachsen zu sein?
Zum Spaß habe ich einmal gesagt: In meiner Jugend brauchten wir keinen Kompass, denn egal wohin ich gelaufen bin, irgendwann war immer Osten. Und wenn ich von ahnungslosen „Wessis“ gefragt wurde, ob ich aus „Ost-“ oder „West-Berlin“ bin, habe ich gerne geantwortet: „Süd“! Nach mehr als 20 Jahren hier in Zehlendorf musste ich dann aber auch einmal flügge werden und was ganz Verrücktes machen: Umziehen nach Schöneberg!

Wenn Sie heute in Ihrer alten Heimat zu Besuch sind, an welchem Ort verbringen Sie viel Zeit?
Ich bin total gerne am und im Wasser. Deshalb finde ich die Gegend um den Schlachtensee und Krumme Lanke so großartig. Am 17. August schwimme ich allerdings „fremd“, da mache ich bei der dreieinhalb Kilometer Durchquerung des größten Berliner Sees mit; einmal durch den Müggelsee. Ich habe in meiner ARD Unterhaltungssendung „Hirschhausens Quiz des Menschen“ gewettet, dass ich das schaffe. Und jetzt muss ich auch. Schwimmen macht mir einfach Spaß. Man kann dabei so schön abtauchen und auf neue Gedanken kommen. Außerdem mache ich mich damit körperlich und seelisch fit für meine Auftritte.

Was halten Sie von dem Klischee, dass nur die Reichen und Schönen in Zehlendorf wohnen?
Da ist was dran. Aber es sind zwei verschiedene Gruppen. Im Ernst: Natürlich ist Zehlendorf eine der schönsten Ecken, wo man in Berlin aufwachsen kann. Aber das heißt ja nicht, überall wo ein Weg ist, ist auch eine Villa. Ich bin zum Beispiel im sozialen Wohnungsbau in einer GSW-Siedlung aufgewachsen. Das gibt es hier auch. Zum Glück!

Welche Initiativen oder Projekte im Berliner Südwesten liegen Ihnen besonders am Herzen?
Ich bin Schirmherr für das Mehrgenerationenhaus Phoenix am Teltower Damm. Dann unterstütze ich die evangelische Pauluskirche, denn dort bin ich konfirmiert. Und ich liebe die Alte Dorfkirche in Zehlendorf-Mitte. Ich finde die Kirche grundsätzlich wichtig als einen Ort, wo sich Menschen zusammenfinden, um an etwas zu arbeiten, was über sie hinausweist. Und dann unterstütze ich mit meiner eigenen Stiftung „Humor hilft heilen“ auch noch die Clowns im Krankenhaus und im Pflegeheim.

Warum leben Sie heute nicht mehr in Zehlendorf?
Wenn man nie weg war, kann man ja auch nicht wiederkommen!

- Eckart von Hirschhausen tritt am 30. August um 20 Uhr mit seinem Programm „Wunderheiler“ in der Berliner Waldbühne auf. Karten gibt es an allen Vorverkaufsstellen oder unter www.hirschhausen.com

Das Gespräch führte Anett Kirchner. Die freie Journalistin schreibt unter anderem für die Evangelische Wochenzeitung "dieKirche". Der Text erscheint auf dem Zehlendorf Blog, dem Online-Magazin des Tagesspiegels.




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