Ehemaliger US-Truppenübungsplatz Berlin-Lichterfelde : Neue Wohnungen im Biotop Parks Range

Auf dem einstigen US-Truppenübungsplatz und heutigen Biotop in Lichterfelde plant ein Bauunternehmer bis zu 2700 Wohnungen. Aus Sicht vieler Bürger ist das Projekt zu groß. Bei einem Diskussionsabend wurden einige Probleme angesprochen, Lösungen gab es aber noch nicht.

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Rasenmäher. Pferde weiden auf dem einstigen US-Übungsplatz und pflegen so die Landschaft.
Rasenmäher. Pferde weiden auf dem einstigen US-Übungsplatz und pflegen so die Landschaft.Foto: Mike Wolff

Früher übten US-Soldaten auf der „Parks Range“ in Lichterfelde-Süd den Häuserkampf – heute dagegen ist das rund 100 Hektar große Gelände an der Grenze zu Brandenburg ein außergewöhnliches Biotop, das 861 zum Teil bedrohte Tier- und Pflanzenarten beherbergt. In nur rund zwei Jahrzehnten habe sich „ein Landschaftsbild wie vor vielen tausend Jahren“ entwickelt, staunte jetzt der Steglitz-Zehlendorfer Umweltamtsleiter Andreas Ruck bei einem Informations- und Diskussionsabend mit mehr als 250 Bürgern.

Die Großstadtwildnis ist aber auch das derzeit größte Entwicklungsgebiet im Berliner Südwesten.

60 Hektar Natur sind als „grüne Mitte“ im Gespräch
Heute gehört die Parks Range dem Bauunternehmer Klaus Groth, der in den äußeren Bereichen 2200 bis 2700 Wohnungen in bis zu sechsgeschossigen Häusern plant. So steht es in einer Absichtserklärung, die er und Baustadtrat Norbert Schmidt (CDU) im Frühjahr vorgestellt haben. Auch neue Kitas, mindestens eine Grundschule und ein Stadtplatz mit Läden gehören zu den Ideen. Rund 60 Hektar Natur sollen als „grüne Mitte“ erhalten bleiben. Der Vertrag mit einem Reiterhof, dessen Pferde auf den Wiesen weiden und so die Landschaft pflegen, wurde gerade verlängert. Von einem „guten Verhandlungsergebnis“ spricht auch Umweltstadträtin Christa Markl-Vieto (Grüne).

Das Biotop soll schonend genutzt werden
Das aber sehen zahlreiche Bürger anders, einige haben das „Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde-Süd“ gegründet und kritisieren die geplante Bebauung als zu massiv. Redner befürchteten ein Verkehrschaos rund um die Osdorfer Straße und den Ostpreußendamm. Außerdem forderten Anwohner die Erhaltung der bestehenden Gewerbebetriebe auf dem Areal, zu denen Handwerker und Autowerkstätten zählen. Die Firmen beschäftigen rund 200 Mitarbeiter, von denen viele aus der Umgebung stammen sollen. Als Ersatzstandort ist eine neue „Gewerbeinsel“ am Rande der Parks Range im Gespräch.

Eine Sprecherin des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) betonte, das bisher eingezäunte Biotop könne „nie ein Stadtpark werden“, der Zugang müsse reglementiert bleiben. „Sonst entsteht sofort ein Hundeauslaufgebiet“, stimmte Stadträtin Markl-Vieto zu.

Der Senat zieht die Planung nicht an sich
Groth will möglichst Ende 2015 mit dem Wohnungsbau beginnen. Stadtrat Schmidt sagte allerdings, bis zur Fertigstellung eines Bebauungsplans könne es drei bis vier Jahre dauern.  Der Bezirk hatte den „Bürgerdialog“ mit einem Informationsabend im April 2012 gestartet. Am 23. November folgt eine „Werkstatt“ mit ausgewählten Interessenvertretern, darunter zehn Bürger. 

Erneut wurde spekuliert, der Senat könne die Planung an sich ziehen und den Bau von noch mehr Wohnungen durchsetzen. Dazu werde es nicht kommen, versicherte Grit Schade von der Wohnungsbauleitstelle der Stadtentwicklungsverwaltung nach der Diskussion gegenüber dem Tagesspiegel: Die Absichten des Bezirks seien konform mit denen des Senats.

Während der Bezirk den Dialog lobt, sehen sich manche Bürger unzureichend beteiligt
Aus Sicht des Bezirksamts sind die Diskussionen ein Musterbeispiel für frühe Bürgerbeteiligung und Basisdemokratie. Als eine Frau im Publikum trotzdem mangelnde Mitsprache kritisierte und mutmaßte, durch die Absichtserklärung vom Frühjahr seien die Karten längst gemischt, schüttelte Baustadtrat Schmidt den Kopf und ärgerte sich: Das formale Bauplanungsverfahren habe doch noch nicht mal begonnen, „wir sind Monde davon entfernt“. 

- Informationen des Aktionsbündnisses und anderer engagierter Bürger gibt es unter www.pruefstein-lichterfelde-sued.de, das Umweltamt dokumentiert die Pläne und Diskussionen unter www.umsz.de im Bereich Aktuelles.

Der Autor arbeitet für den Tagesspiegel. Der Text erscheint auf dem Zehlendorf Blog, dem Online-Magazin der Zeitung.




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