Einbruchsversuch am helllichten Tag in Zehlendorf : "Ich nahm einen Besen und schrie!"

Die Zahl der Einbrüche ist generell zurückgegangen, sagt die Polizei. Hier beschreibt unser Blogger, wie es einem ergeht, wenn man in seiner eigenen Wohnung plötzlich einem mutmaßlichen Einbrecher begegnet. Man bekommt Panik.

Peter Rosenzweig
Michael Rosenzweig lebt mit seiner Familie in Zehlendorf
Der Autor Peter Rosenzweig lebt in ZehlendorfFoto: privat

Ich kam gerade aus der Dusche, es war später Nachmittag, aber noch helllichter Tag. Es rumste plötzlich in meinem hinteren Zimmer, und ich dachte, irgendetwas Schweres muss umgefallen sein. Ich wollte nachgucken, aber da bemerkte ich, dass sich jemand an den zu Dreiviertel heruntergelassenen Rollläden zu schaffen machte. Ich bekam Panik, wusste nicht, was ich machen sollte, ich war allein.

Die Polizei habe ich nicht gerufen

Dann nahm ich allen meinen Mut zusammen, holte einen Besen, rannte zum Fenster und brüllte dem Unbekannten eine Art improvisierten Kampfschrei entgegen. Ich sah einen Kapuzenpulli, darunter schemenhaft ein Gesicht, das plötzlich genauso überrascht schien, wie ich selbst. Es war kein älteres Gesicht, eher ein jüngeres, aber ich konnte es nicht gut erkennen. Ich habe die Polizei nicht gerufen.

Der Unbekannte lief weg, ich musste mich setzen. Ich bin kein schreckhafter Mensch, aber wenn plötzlich ein mutmaßlicher Einbrecher vor einem steht, vor dem eigenen Fenster, das zum Garten hinaus geht und nicht zur Straße, dann wird einem schon mulmig. Was wäre passiert, wenn ich länger unter der Dusche gestanden hätte?

Offenbar haben die Täter keine Sorge, erwischt zu werden

In unserer Nachbarschaft, die ich hier lieber nicht genau nennen möchte, wurde schon oft eingebrochen, am Tage. Die Einbrecher steigen über Gartenzäune und gehen zu den Schuppen, die nicht immer verschlossen sind. Sie versuchen auch, in Seelenruhe in die Wohnungen zu steigen, offenbar haben sie keine Sorge, dass man sie erwischt.

Ich bin Künstler, bei mir ist nichts zu holen, aber ich möchte das nicht noch einmal erleben. Ich kenne ältere Bewohner in Zehlendorf, die nach einem solchen Einbruch monate-, ja sogar jahrelang nicht darüber hinwegkamen, dass ihre Privatsphäre nicht sicher ist. Es ist oft das Erschrecken, das sich festsetzt, das im Kopf bleibt. Das schmerzt mehr, als der Verlust von Eigentum.

Ich schreibe das, weil die Polizei heute mitteilte, dass die Zahl der Einbrüche zurückgegangen sei. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn eine Zahl ist gestiegen: "Bei Einbrüchen in Einfamilienhäuser gab es eine Zunahme von 43 Fälle auf 1572 Taten. Das entspricht einer Zunahme von knapp drei Prozent." Ich wohne in keinem Einfamilienhaus, es sieht nur so aus. Viele meiner Nachbarn schon. Ich fürchte, wir werden weiterhin mit einer gewissen Angst leben müssen.

Der Autor lebt in Zehlendorf. Der Text erscheint auf dem Zehlendorf Blog, dem Online-Magazin des Tagesspiegels.

 




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