Erinnerung an Novemberpogrom auch in Zehlendorf : Kerzen auf Stolpersteine!

Stolpern und putzen - unter diesem Motto steht die Erinnerung an das Novemberpogrom der Nazis vor 75 Jahren auch in Zehlendorf. Die Stolpersteininitiativen haben dazu aufgerufen und wollen sich auch in den Randbezirken verabreden, um die Steine zu polieren und Lichter anzuzünden.

Dirk Jordan
Stolperstein in Gedenken an Berthold Fromm, Rolandstraße 4.
Stolperstein in Gedenken an Berthold Fromm, Rolandstraße 4.Foto: Zehlendorfer Projekt Stolpersteine, www.projekt-stolpersteine.de

Am Sonnabend jährt sich das Novemberpogrom der Nazis zum 75. Mal. Synagogen brannten, Geschäfte wurden zerstört, Wohnungen verwüstet und Menschen ermordet. Dem Pogrom wird an zentralen Stellen gedacht. Stolpersteininitiativen haben sich verabredet, auch an dezentralen Orten der Menschen und der zerstörten Vielfalt zu gedenken. Sie rufen dazu auf, am 9. November nachmittags und abends Kerzen auf Stolpersteine zu stellen.

Die Idee zu den Gedenksteinen stammt vom Kölner Bildhauer Gunter Demnig. In Berlin hat er 1996 die ersten „Stolpersteine“ in der Kreuzberger Oranienstraße noch ohne Genehmigung der Behörden verlegt. Heute sind in Berlin 5.000 dieser kleinen Messingtafeln mit den Daten der von den Nazis zumeist als Juden Verfolgten und Getöteten im Bürgersteig eingelassen worden.

In Zehlendorf hat sich 2005 eine Initiative „Projekt Stolpersteine“ gegründet, die vor allem vom evangelischen Kirchenkreis und mehreren Kirchengemeinden getragen wird. Bisher wurden in Zehlendorf rund 130 Stolpersteine verlegt. Die Liste der verlegten Steine mit Straße und Hausnummer ist auf der Seite des Projektes zu finden, www.projekt-stolpersteine.de

Stolperstein in Gedenken an Ludwig Fulda, Miquelstraße 86.
Stolperstein in Gedenken an Ludwig Fulda, Miquelstraße 86.Foto: Zehlendorfer Projekt Stolpersteine, www.projekt-stolpersteine.de

Die Stolpersteine sind vielfach der einzige Ort, an dem an die erinnert werden kann, für die sie verlegt wurden. Gräber und Grabsteine haben sie zumeist nicht. Daher bitten die Stolpersteininitiativen die Anwohner dort, wo Stolpersteine verlegt sind, bei Anbruch der Dunkelheit Kerzen, am besten Grablichter mit Windschutz, als Erinnerungszeichen aufzustellen. Es wäre schöne, wenn dies an vielen der 130 Stellen in Zehlendorf geschehen würde.

Superintendent Johannes Krug vom Evangelischen Kirchenkreis Teltow-Zehlendorf und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kirchenkreises werden am Sonnabend um 11 Uhr vor dem Haus Clayalle 323/Ecke Scharfestraße den Stolperstein für Hilda Ehrke putzen, die hier lebte und 1943 in Auschwitz umgebracht wurde.

Stolperstein in Gedenken an Caecilie Weiss, Kleiststraße 12
Stolperstein in Gedenken an Caecilie Weiss, Kleiststraße 12Foto: Zehlendorfer Projekt Stolpersteine, www.projekt-stolpersteine.de

Dirk Jordan arbeitet in der AG Spurensuche der Kirchengemeinde Schlachtensee, war früher Volksbildungsstadtrat in Kreuzberg und schreibt für den Zehlendorf Blog eine Serie über die "Stillen Helden" im Nationalsozialismus. Der Text erscheint auf dem Zehlendorf Blog, dem Online-Magazin des Tagesspiegels.




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