Festkonzert 70 Jahre Musikschule : Unkultur ist teurer

In letzter Zeit standen an dieser Stelle immer wieder die mangelhafte Software und schlechte Arbeitsbedingungen an der Leo-Borchard-Musikschule im Fokus. Mit einem Festkonzert feierte die größte Musikschule Deutschlands nun ihr 70-jähriges Bestehen.

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Das Saxophon-Ensemble X Steps Beyond wurde vor 28 Jahren an der Leo-Borchard-Musikschule gegründet. Einige der ehemaligen Schüler aus der Gründungszeit sind nun auch zum Festkonzert aufgetreten
Das Saxophon-Ensemble X Steps Beyond wurde vor 28 Jahren an der Leo-Borchard-Musikschule gegründet. Einige der ehemaligen Schüler...Foto: studio642.com

„Dieser Strauß ist einer Schirmherrin und Bürgermeisterin vielleicht nicht ganz angemessen, aber Sie wissen ja, die Musikschule muss sparen“, mit diesen Worten überreichte Joachim Gleich unter Gelächter im Bürgersaal Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski, CDU, einen kleinen Blumenstrauß. Der Leiter der Leo-Borchard-Musikschule Steglitz-Zehlendorf hatte zuvor in seiner Begrüßungsrede Richter-Kotowski, die genau in diesem Saal 24 Stunden zuvor, am Donnerstag Abend, zur Bezirksbürgermeisterin ernannt worden war, für ihren Einsatz gedankt und sie zugleich in die Pflicht genommen: Nun hätten der Bezirk und die Musikschule mit der ersten Cello spielenden Bürgermeisterin, die zugleich Schülerin der Musikschule Zehlendorf ist, ein Alleinstellungsmerkmal. „Damit haben Sie auch eine Fürsorgepflicht für die Musikschule. Kultur ist teuer, aber Unkultur ist noch teurer, wie ein österreichischer Politiker einmal sagte.“

Damit bezog sich Gleich darauf, dass die Musikschule in letzter Zeit Schlagzeilen gemacht hatte wegen unzureichender Software und schwankender Honorare, der Tagesspiegel Steglitz-Zehlendorf hatte berichtet. Gleich betonte, dass sich anlässlich des 70 jährigen Bestehens die Musikschule sich aber nun einmal selbst feiere.

Maralda Thon intonierte zwei Soli für Akkordeon. Sie nimmt seit 2008 an der studienvorbereitenden Ausbildung an der Leo-Borchard-Musikschule teil
Maralda Thon intonierte zwei Soli für Akkordeon. Sie nimmt seit 2008 an der studienvorbereitenden Ausbildung an der...Foto: studio642.com

Und das tat sie mit einem Aufgebot an ehemaligen und Schülern, unter anderem einem Quartett aus mittlerweile bundesweit agierenden Streichern, die den ersten Satz des Streichquartetts Opus 77 Nummer 1 von Joseph Haydn spielten und der zweifachen Siegerin des Wettbewerbs Jugend musiziert, Maralda Thon, die eine fulminante Polka von Alfred Schnittke (die Suite "Volkserzählung") und den Libertango von Astor Piazzolla auf dem Akkordeon spielte. Eigens für das 70-jährige Jubiläum zusammengestellt wurde die Jazz-Band "The Great Jubilee Five", bestehend aus aktuellen und ehemaligen Schülern, unter der Leitung von Ralph Ruh, die eine swingende Version von Buddy Johnsons Save your Love for me darbrachten.

Richter-Kotowski: Schwarzgrün will Musikschule stärken

Die Musikschule leiste einen unverzichtbaren Beitrag für die musikalische Bildung und das kulturelle Leben im Bezirk, sagte Richter-Kotowski in ihrer Festrede. Die schwarzgrüne Zählgemeinschaft habe sich darauf verständigt, die Musikschule zu stärken, schließlich seien Ausgaben dafür eine Investition für die Zukunft. Das Bewusstsein für ihren Stellenwert habe im Bezirk „erfreulicherweise zugenommen“, nun gelte es, dieses Bewusstsein auch im Land Berlin zu stärken.

Musikalische Bildung sei nicht nur eine Frage der Fingerfertigkeit, sondern nichts Geringeres als die Befähigung zu einer höheren differenzierten Denkgewohnheit, sagte Martin Rennert, Präsident der Universität der Künste. Sie befähige den Menschen, auf intelligente Weise mit der Umwelt zu kommunizieren und bilde die Grundlage für ein Leben in der Gemeinschaft:

„Künste integrieren. Es geht hier auch um die großen Herausforderungen unserer Gesellschaft, darum, ein Miteinander und Gemeinsames entstehen zu lassen."

Am Ende dankte Joachim Gleich seinem „tollen Team“: Als direkter Nachbar des Finanzamtes habe er als Leiter der Musikschule manchmal die Befürchtung, dass die Beamten rüberkommen und „eine Vergnügungssteuer erheben könnten, weil wir so viel Spaß haben.“

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