Feuerwehreinsatz am S-Bahnhof Zehlendorf : Fahrstuhl bleibt stecken - Fahrgäste befreit

Sie sind mit dem Schrecken davon gekommen: Am Morgen blieben drei Fahrgäste am S-Bahnhof Zehlendorf im Fahrstuhl stecken. Es ist der Fahrstuhl, der zuvor monatelang außer Betrieb war. Der S-Bahnsprecher sagt: Generell dauert es, bis Ersatzteile kommen.

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Die Feuerwehr befreite drei mit dem Fahrstuhl stecken gebliebene Fahrgäste
Einsatz in Zehlendorf. Die Feuerwehr befreite drei mit dem Fahrstuhl stecken gebliebene Fahrgäste am S-Bahnhof ZehlendorfFoto: ale

Es ist noch früh an diesem Donnerstagmorgen, aber Ingrid Gerds hat sich schon ärgern müssen, dabei, sagt sie, "ist das so ein schöner Tag". Gerade kommt sie aus dem Laden des türkischen Gemüse- und Obsthändlers in der S-Bahnunterführung. Sie hat die Polizei gerufen und die wiederum die Feuerwehr und warum? "Weil der Fahrstuhl schon wieder kaputt ist, gucken Sie, er ist stecken geblieben und jetzt hängen da drei Menschen fest."

Tatsächlich ist der Fahrstuhl auf halbem Weg stehen geblieben, eine Frau ist darin zu sehen, die nicht sehr glücklich aussieht und versucht, ruhig zu atmen. Es gibt viele Menschen, für die eine solche Situation albtraumhaft wäre, weil sie nicht gut in engen Räumen sein können. Gerade das Gefühl, nicht raus zu können, kann Panik- und Angstattacken auslösen.

Einer der Eingeschlossenen, ein Mann, ruft, ob schon Hilfe unterwegs sei. "Kommt", antwortet Ingrid Gerds und zeigt auf eine Telefonnummer, die von der DB-Service-Gesellschaft dort auf dem Fahrstuhl hinterlassen wurde.

Der Fahrstuhl bleibt außer Betrieb

Gerds hat dort schon einige Male angerufen, denn der Fahrstuhl am S-Bahnhof Zehlendorf ist ein Ärgernis mit langer Geschichte. Erst Anfang des Jahres war er "über Monate kaputt", wie Gerds zu berichten weiß, aber bei der DB Services habe man nur freundlich zur Kenntnis genommen, dass der Fahrstuhl kaputt sei, eine Antwort, warum dies immer in Zehlendorf passiere, blieb man Gerds schuldig. Statt dessen wurde sie an den Kundendialog der Deutschen Bahn weiter verwiesen, aber in deren Hotline, sagt Gerds "verliert man sich, eine Auskunft jedenfalls habe ich nie erhalten".

Die S-Bahnbrücke ist ein Provisorium und muss ausgetauscht werden. Zusätzlich soll es einen zweiten Zugang geben, rechts, unter der Brückendurchfahrt, wird der Zugang durch die Mauer geschlagen. Die Treppe daneben zum Postplatz bleibt bestehen. Allerdings führt auch noch ein Radweg dort vorbei und der Bürgersteig ist besonders eng. Deshalb sind die Kritiker empört von der Entscheidung der Bahn.
Die S-Bahnbrücke ist ein Provisorium und muss ausgetauscht werden. Zusätzlich soll es einen zweiten Zugang geben, rechts, unter...Foto: Thilo Rückeis

Die Feuerwehr ist schnell, knapp zehn Minuten dauert es, und dann sind drei Feuerwehrleute im Einsatz, schauen sich um und lösen das Problem von oben, vom Bahnsteig, innerhalb weniger Minuten. Alles gut gegangen, die drei Fahrgäste kommen mit dem Schrecken davon. Mitarbeiter von der S-Bahn sind bis zu diesem Zeitpunkt nicht zu sehen, die kommen erst später, wenn die eingeschlossenen Fahrgäste schon längst ihrer Wege gegangen sein werden und die Feuerwehr bereits abgezogen sein wird.

Als die Feuerwehr die drei Fahrgäste befreit, zwei Fahrradfahrer, eine Fußgängerin, sind alle erleichtert. "Das erste Mal, das mir das passiert ist", sagt eine Frau. Die Feuerwehr dagegen deutet an, dass sie hier nicht zum ersten Mal stehen. Auch Antje Tischler war im Fahrstuhl und ist nun sehr verärgert: "Erst ist der Aufzug monatelang kaputt, und dann kann man nicht sicher sein, dass er sicher funktioniert", sagt sie. Das gehe gar nicht!

Der Eingang zum Aufzug
Der Eingang zum AufzugFoto: ale

Als alle weg sind, tauchen zwei rundliche Herren von der DB-Sicherheit auf und inspizieren das Ganze. Sie wollen und sie dürfen keine Auskunft geben. Einer dreht sich demonstrativ weg, um den lästigen Fragesteller nicht angucken zu müssen: "Wenden Sie sich an die Pressestelle." Mehrere Stunden später ist der Fahrstuhl zwar außer Betrieb, aber man sieht es ihm nicht an, weil die kleine weiß-rote Leuchte, die das das anzeigt, im Sonnenlicht nicht gleich zu erkennen ist. Unzählige Fahrgäste mit Koffern, Rollstühlen, Fahrrädern, Kinderwagen oder auch Rollatoren laufen zum Fahrtsuhl, drücken, nichts passiert. Es gibt kein Hinweisschild, offensichtlich hatten die Männer von der Sicherheit kein Papier dabei und keinen Klebstoff.

Hinweisschild am S-Bahnhof Zehlendorf
Hinweisschild am S-Bahnhof ZehlendorfFoto: ale

Ingo Priegnitz, der Presseprecher der S-Bahn, kann den Unmut der Leute verstehen. "Wir haben ein Interesse daran, dass die Aufzüge funktionieren und fragen dementsprechend genau bei den Servicefirmen nach", sagt er. Man muss wissen, dass die S-Bahn zwar die Betreibergesellschaft ist, aber einzelne Dienstleistungen ausgegliedert sind, zum Beispiel die Wartung der Gleise an die DB Netz und die Bahnsteige oder Fahrstühle eben an die DB Service.

Priegnitz will nichts beschönigen, aber er betont auch ein Problem. Die Aufzüge müssen einiges aushalten, aber oftmals berücksichtigen die Kunden nicht, dass es Kapazitätsgrenzen gebe. Oft drängeln sich Menschen mit Kinderwagen und Fahrrädern quasi mit Gewalt in die Enge der kleinen Fahrstühle. Es gebe auch Händler, die ihre schweren Paletten damit transportieren, obwohl das gewicht zu groß sei. Überhaupt sind die Fahrstühle der S-Bahn zwar genormt, aber eben nicht alle gleich, weil sie sich an unterschiedliche Begebenheiten anpassen müssen.

"Die Fahrgäste müssen flexibel sein"

Die Raumsituation am S-Bahnhof Zehlendorf ist besonders schwierig, es ist sehr eng, und der Fahrstuhl ist sehr klein. Es gibt nur einen Aufgang für sehr viele Fahrgäste. Zusätzlich beengt wird die Lage durch die Unterführung und die Gemüse- und Obststände. In der Rush Hour morgens und abends herrscht hier Menschenstau.

Die Fahrstühle sind offensichtlich anfällig, die Bestellung von Ersatzteilen aber dauert sehr lange, wie Priegnitz weiß. Auch das ist ein Grund dafür, warum Wartungs- und Reparaturarbeiten oft so lange dauern. Zehlendorf ist da kein Einzelfall. Bis zum Donnerstagnachmittag war von der S-Bahn nicht zu erfahren, welches Problem beim Fahrstuhl in Zehlendorf zu beheben war.

Der Autor ist Redakteur für besondere Aufgaben im Tagesspiegel.
Der Autor ist Redakteur für besondere Aufgaben im Tagesspiegel.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Der Bahnsprecher sagt: "Ich bitte alle Fahrgäste darum, trotz der Einschränkung auch flexibel zu denken und eventuell auf den Bus auszuweichen." Gerade in Zehlendorf gebe es sehr gute Möglichkeiten, auch mit der BVG seine Ziele zu erreichen. Beispielsweise würde man auch mit der Linie X11 von Zehlendorf Eiche zur Sundgauer Straße kommen, wo es ebenfalls einen Aufzug gebe. Ohnehin sei die Linie S1 sehr gut mit Aufzügen bestückt. "Wir sind im Vergleich zur U-Bahn mit unseren Bahnhöfen zu 90 Prozent barrierefrei", sagt Priegnitz.

Beim geplanten zweiten Zugang für den S-Bahnhof wird es allerdings nach dem heutigen Stand nur eine Treppe geben.

Die S-Bahn informiert auf ihrer Website über aktuelle Störungen von Fahrtreppen und Aufzügen. Der Text erscheint auf dem Zehlendorf Blog, dem Online-Magazin des Tagesspiegels.

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