Flüchtlingsunterkunft in Berlin-Zehlendorf : Sie wollen es schaffen

340 Menschen, darunter 51 Kinder, wohnen im Containerdorf am Hohentwielsteig in Zehlendorf – eine Reportage über den friedlichen Alltag in der Unterkunft und neue Hoffnungen.

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Die Kurdin Avan R. (31) mit ihrem Mann Sangar R. (33) und der gemeinsamen Tochter (4) auf dem Spielplatz des Containerdorfes. Der sechsjährige Sohn befand sich zu diesem Zeitpunkt gerade in der Schule.
Die Kurdin Avan R. (31) mit ihrem Mann Sangar R. (33) und der gemeinsamen Tochter (4) auf dem Spielplatz des Containerdorfes. Der...Foto: Nicki Pawlow

Von Weitem sieht das zweistöckige Flüchtlingsheim im Zehlendorfer Hohentwielsteig aus wie ein bunter Bienenwabenbau. Blaue, rote, grüne und gelbe Container wechseln sich mit weißen ab. Am Eingang heißt ein Transparent jeden, der das Gelände betritt, auf Deutsch und Arabisch „Herzlich willkommen“. Um hineinzugelangen, muss man zunächst die Schleuse, einen vorgeschalteten Container am Eingang, passieren. Hier wachen die Sicherheitskräfte. Jeder Bewohner, der von draußen kommt, zeigt seinen Heimausweis, jeder Besucher wird auf die Anlage geleitet. Hier fallen an die Containerwände gepinnte Kinderzeichnungen ins Auge, das frische Grün des jungen Rasens und selbst bemalte mit Erde gefüllte Säcke, aus denen Heidekraut sprießt.

Ende August bezogen die ersten Flüchtlinge das neue Containerdorf, das vom Arbeiter-Samariter-Bund betrieben wird. Es ist das sechste dieser Art in Berlin und wurde von der „Task Force Notunterbringung“ des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso) errichtet. Nun ist die Anlage voll belegt. 340 Menschen wohnen hier, 51 davon sind Kinder. Die Flüchtlinge kommen überwiegend aus Syrien, dem Irak, Eritrea, Afghanistan, dem Kosovo.
Im Inneren der Container hat man augenblicklich das Gefühl, sich in einem modernen Plattenbau zu bewegen. Es ist hell und ansprechend. 170 Zimmer gibt es insgesamt. Durchgangszimmer werden überwiegend von Familien bewohnt. Ein Blick in die Räume zeigt das Grundmobiliar: Stühle und Tische, Betten und Metallschränke. Die Menschen versuchen, sich so gut es eben geht behaglich einzurichten. Hier liegt ein Teppich auf dem blauen Linoleumboden, da hängen Kinderzeichnungen an der Wand, dort steht eine Stehlampe.

Flüchtlingsunterkunft Hohentwielsteig
51 Kinder leben in der Unterkunft in Zehlendorf-Mitte, Hohentwielsteig.Weitere Bilder anzeigen
1 von 10Foto: Nicki Pawlow
07.10.2015 12:4251 Kinder leben in der Unterkunft in Zehlendorf-Mitte.

Neuankömmlinge im Hohentwielsteig erhalten die Grundausstattung: Handtücher, Bettzeug, Teller, Tassen, Besteck und Töpfe. Gekocht werden kann in den Gemeinschaftsküchen. Auch in diesen ist es auffallend sauber und aufgeräumt. Im ersten Stock duftet es nach frisch gebackenem Brot. Eine farbige Frau überquert den Flur und grüßt. Sie trägt ein Tablett voll mit kleinen Weizenküchlein. Jede Etage verfügt über geräumige sanitäre Einrichtungen mit Duschen und Toiletten, darunter auch behindertengerechte Anlagen.

Mittwochs kommt der ehrenamtliche Arzt

Immer montags von zehn bis zwölf Uhr und mittwochs von 13 Uhr 30 bis 14 Uhr 30 ist Waschtag. Neun Waschmaschinen und Trockner stehen dafür bereit. Wer waschen will, meldet sich bei den Betreuern an. Die helfen dann, falls nötig, beim Bedienen der Maschinen. Handtücher und Bettwäsche können wöchentlich oder 14-tägig gewechselt werden. Hierbei gilt: An den dafür vorgesehenen Tagen die benutzten Wäschestücke bei den Heimmitarbeitern abgeben, um frische in Empfang zu nehmen.
Und immer am Mittwochvormittag hält ein Arzt für Allgemeinmedizin ehrenamtlich eine Sprechstunde ab.




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