Gastbeitrag: Schlachtensee noch kein selbständiger Ortsteil : Schlachtensee muss Ortsteil werden

Die Schlachtenseer hatten schon immer einen ausgeprägten Sinn für ihr Gemeinwesen, schreibt unser Gastautor. Er findet: Es ist überfällig, dass Schlachtensee ein selbständiger Ortsteil wird.

Dirk Jordan
Ahrenshooper Zeile, erste Straße in der Kolonie Schlachtensee
Ahrenshooper Zeile, erste Straße in der Kolonie SchlachtenseeFoto: Dirk Jordan

Der ehemalige Bezirk Zehlendorf hatte vier offizielle Ortsteile: Zehlendorf, Dahlem, Nikolassee und Wannsee. Schlachtensee war kein „Ortsteil“, obwohl die Schlachtenseer sich so fühlen. Wolfgang Ellerbrock hat dies im Vorwort zu seinem leider vergriffenen und nicht einmal in der Stadtbibliothek Zehlendorf vorhandenen Büchlein: Mönche, Fischer und Bürger – 100 Jahre Landhauskolonie Schlachtensee (Berlin 2001, mariposa verlag) so beschrieben: „Vor 100 Jahren wurde die Villenkolonie Schlachtensee-Ost gegründet. Dies ist nicht die Geburtsstunde des Ortes Schlachtensee. Eine Besiedlung geht schon weit in die Vorzeit zurück. Aber erst mit der Gründung der Villenkolonie entwickelte sich eine kommunale Gemeinschaft. Die Landhauskolonie Schlachtensee mit ihrem Zentrum in der heutigen Breisgauer Straße erstreckte sich von der Wannseestraße (heute: Spanische Allee) bis zum S-Bahnhof Beerenstraße (heute: Mexikoplatz) und vom Schlachtensee bis südlich der Potsdamer Chaussee. Ein Bahnhof, eine Kirche und eine Schule gehörten zum Ort. Berlin-Schlachtensee ist eine anerkannte Ortsbezeichnung, aber kein selbständiger Ortsteil. Auf Dokumenten und Landkarten erscheint die Bezeichnung Schlachtensee, genau eingrenzen lässt sich dieses Gebiet jedoch nicht. Lange Jahre lautete die Adresse auch bei Behördenschriftstücken „Berlin-Schlachtensee".

Autor

Dirk Jordan war lange Jahre Volksbildungsstadtrat in Kreuzberg und lebt in Berlin-Schlachtensee. Weitere Texte, u.a. zur Serie "Stille Helden", finden Sie hier

Den Bürgern ist es jedoch nicht gelungen, Schlachtensee zu einem eigenständigen Ortsteil zu entwickeln, obwohl der Waldemarplatz mit der evangelischen Kirche als Anger und Gemeindezentrum angelegt war und ein Ortsverein sich für dieses Privileg eingesetzt hat. Heute gehört der östliche Teil von Schlachtensee zu Zehlendorf und der westliche Teil zu Nikolassee. Schlachtenseer haben aber heute noch einen ausgeprägten Sinn für ihr Gemeinwesen.“

Die Johannes-Kirche an der Matterhornstraße in Schlachtensee
Die Johannes-Kirche an der Matterhornstraße in SchlachtenseeFoto: Dirk Jordan

Was dem um 1900 rührigen Ortsverein Schlachtensee nicht gelang, sollte heute erneut versucht werden. Es ist überfällig, Schlachtensee als offiziellen Ortsteil zu benennen und dabei die in den letzten Jahrzehnten erfolgte Ausdehnung der Bebauung zu berücksichtigen. Schlachtensee endet längst nicht mehr im Süden an der Potsdamer Chaussee.

Der Bezirk kann dies entscheiden. Es lohnt sich also eine „BI-Schlachtensee“ zu gründen, um die Benennung von Schlachtensee als Ortsteil zu erreichen. Wer dabei mittun will, möge sich bei dem Autor dieses Aufrufs unter: bi-schlachtensee@jordandirk.de melden.

Ceterum censeo Schlachtensee esse designandam.*

*Eine Adaption des Ausspruchs „Ceterum censeo Carthaginem delendam esse" („im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden müsse"), den der römische Redner Marcus Porcius Cato am Ende jedes Redebeitrags im Senat anfügte. Dirk Jordan fügt dieses abgewandelte Zitat nun bis auf Weiteres jeder Email bei.

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