Immobilie der Aldi-Stiftung sorgt für Unmut in Berlin-Dahlem : "Ein permanentes Ärgernis für die Bürger"

Die Aldi-Immobilienverwaltung hat vor Jahren ein Gebäude in der Königin-Luise-Straße erworben, das seither verfällt. In einem offenen Brief wenden sich hier zwei Sozialdemokraten aus Steglitz-Zehlendorf an die Eigentümer.

Ina Czyborra, Volker Semler
Das Gebäude in der Königin-Luise-Straße Ecke Peter Lenné-Straße beherbergte einst das Institut für Anatomie der Charité
Das Gebäude in der Königin-Luise-Straße Ecke Peter Lenné-Straße beherbergte einst das Institut für Anatomie der CharitéFoto: Ina Czyborra

"Sehr geehrte Damen und Herren,

wir wenden uns an Sie als Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin und Verordneter der BVV Steglitz-Zehlendorf in einer Angelegenheit unseres Wahlkreises.

Vor nunmehr sechs Jahren haben Sie vom Land Berlin eine Immobilie in Dahlem an der Ecke Königin-Luise-Straße/Peter Lenné-Straße erworben. Es handelt sich um ein großes Grundstück mit den Gebäuden des ehemaligen Instituts für Anatomie der Charité.

Leider sind keine Aktivitäten sichtbar oder bekannt, dieses Grundstück einer sinnvollen Nutzung zuzuführen. Der Bezirk hat keine Kenntnis von Bau- oder Entwicklungsvorhaben.

Mehr und mehr beklagen sich die Anwohnerinnen und Anwohner über den Zustand mit zerbrochenen Fenstern und allgemeinem Verfall. Ihnen wird die Broken-Windows-Theorie nicht fremd sein: Verfall beeinträchtigt auch umliegende Liegenschaften. Das Umfeld der Immobilie ist durch Villen und Forschungseinrichtungen geprägt. Unweit befinden sich so renommierte weltweit bekannte und führende Einrichtungen wie der Botanische Garten oder das Deutsche Archäologische Institut. Verkehrstechnisch ist die Gegend hervorragend über die Westtangente und den Berliner Stadtring angeschlossen. Busse, U-Bahn und S-Bahn sind nicht weit.

Wie Sie vielleicht wissen, ziehen momentan 40.000 Menschen jährlich nach Berlin. Wir brauchen dringend Raum für bezahlbares Wohnen, im Umfeld der Freien Universität zum Beispiel auch für Studierende. Wir brauchen im Südwesten Berlins dringend Raum für geflüchtete Menschen. Monatelang wurden in unmittelbarer Nachbarschaft Geflüchtete in einer Turnhalle der FU untergebracht. Schulsport und Hochschulsport mussten weichen.

Die Hilfsbereitschaft der überdurchschnittlich gebildeten und sozial starken Anwohnerschaft war groß. Gerne würde die Nachbarschaft, vertreten auch durch die Kirchen sowie Engagierte aus vielen Vereinen, Schulen und Privatschulen, geflüchtete Menschen weiterhin in ihrer Mitte beherbergen und unterstützen.

Die meisten Fensterscheiben sind zerbrochen - die Autoren des offenen Briefes weisen auf die Broken-Windows-Theorie hin, derzufolge Unordnung und Kriminalität in einem kausalen Zusammenhang stehen und sich Verfall auf die umliegenden Häuser übertragen kann
Die meisten Fensterscheiben sind zerbrochen - die Autoren des offenen Briefes weisen auf die Broken-Windows-Theorie hin,...Foto: Ina Czyborra

Vor diesem Hintergrund im Lichte christlichen Gedankenguts und der Sozialbindung des Eigentums ist dieses Grundstück ein permanentes Ärgernis für viele Anwohnerinnen und Anwohner. Wir bitten Sie daher um Auskunft, was Sie in der Königin-Luise-Straße 15 planen und wann wir mit einem Ende des momentanen Verfalls rechnen können.

Dr. Ina Czyborra ist Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin, Volker Semler ist Bezirksverordneter aus Dahlem. Die Veröffentlichung ist ein Service von Tagesspiegel-Zehlendorf, dem digitalen Stadtteil- und Debattenportal aus dem Südwesten.

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