Katholische Herz-Jesu-Kirche an der Riemeisterstraße : Die Zehlendorfer Madonna

Warum es die Zehlendorfer Madonna aus der Katholischen Herz-Jesu-Kirche an der Riemeisterstraße zu überregionalem Ruhm brachte. Eine historische Anekdote, die der Autor für den Zehlendorf Blog aufgeschrieben hat.

Ulrich Eckhardt
Der Autor und Hobby-Historiker Ulrich Eckhardt.
Der Autor und Hobby-Historiker Ulrich Eckhardt.Foto: promo

Die Gewölbe des quadratischen Kirchenraums ruhen auf einem einzeln stehenden Mittelpfeiler, der von künstlerisch wertvollen Skulpturen im neogotischen Stil umstellt ist, die der seinerzeit renommierte Bildhauer Josef Limburg im Jahre 1908 geschaffen hat. Unter ihnen befindet sich eine zeitgeschichtlich bedeutsame Madonna.

Im protestantischen Preußen war seit 1897 die von Fritz Schaper, einem anerkannten Vertreter der klassizistischen Berliner Bildhauerschule, gestaltete sogenannte "Preußische Madonna" äußerst beliebt. Sie zeigte  Königin Luise mit dem späteren König und Kaiser Wilhelm I. als Kind auf dem Arm und war als Statuette in den Wohnstuben vieler "vaterländisch" gesinnter Häuser aufgestellt.

Von katholischer Seite wurde dies damals als "Gotteslästerung" und als Angriff auf den Katholizismus empfunden. Mit der Madonna am Mittelpfeiler der Herz-Jesu-Kirche gelang der Gegenschlag: Sie wurde als "Zehlendorfer Madonna" in Repliken unterschiedlicher Größe in Nachgüssen aus Bronze hergestellt und reichsweit vertrieben. Diese Figur war in Tausenden katholischer Haushalte Deutschlands aufgestellt und sehr beliebt.

Dieses Kunstwerk kann bis heute als das einzige gelten, das den Namen Zehlendorfs überregional bekannt gemacht hat.

Thront an der Mittelsäule der Kirche: die Zehlendorfer Madonna.
Thront an der Mittelsäule der Kirche: die Zehlendorfer Madonna.Foto: promo/ale

Prof. Dr. Ulrich Eckhardt, geboren 1934 in Rheine (Westfalen), studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Freiburg und Münster, Klavier in Freiburg, Dirigieren in Berlin, leitete ab 1. Januar 1973 bis 31. Januar 2001 die Berliner Festspiele als Geschäftsführer und Intendant (u. a. die Berliner Festwochen, das Jazzfest, nach 1990 die Musikbiennale und das Theatertreffen sowie Ausstellungen im Martin-Gropius-Bau), war in der Spielzeit 1989/1990 zusätzlich Intendant der Berliner Philharmonie, lehrt Kulturpolitik als Professor im Institut für Kultur- und Medienmanagement an der Freien Universität Berlin und ist Ehrenmitglied des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin. Seit 2001 widmet er sich konzertierend dem Orgelspiel und der Kammermusik (Klavier und Cembalo). Er wohnt in Zehlendorf.

Der Text erscheint auf dem Zehlendorf Blog, dem Online-Magazin des Tagesspiegels.




Liebe Leserinnen, liebe Leser,

willkommen im Tagesspiegel Steglitz-Zehlendorf. Unsere lokale Plattform ist offen für Debatten, die die Bürger in Steglitz und Zehlendorf bewegen. Auch direkt aus dem Kiez heraus, aktuell, bürgernah und kritisch. Gerne laden wir auch Sie ein, das Portal gemeinsam mit uns weiterzuentwickeln und zu befüllen; auch die gesellschaftlichen Gruppen und Multiplikatoren sind aufgerufen, eigene Diskussionsbeiträge zu verfassen. Wenn Sie Lust haben, eigene Texte zu liefern, oder Anregungen zu kommunalpolitischen Themen haben, schreiben Sie uns gerne an: steglitz.zehlendorf@tagesspiegel.de

Ihr Team von Tagesspiegel Steglitz-Zehlendorf

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben