Lärmschutzstreit in Berlin-Zehlendorf : Die Mauer in Dahlem steht - Anwohner fordern Abriss

Die umstrittenen Lärmschutzwände um Sportplätze des Jugendfreizeitheims neben der Truman Plaza sind fertig – doch Anwohner finden sich damit nicht ab. Jetzt kämpft ein Bündnis für den Abriss der Fünf-Meter-Mauer.

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An der Mauer. Die Sicht ist nun verstellt am Sportplatz. Foto: Daria Wießer
An der Mauer. Die Sicht ist nun verstellt am Sportplatz.Foto: Daria Wießer

Der Protest gegen die Lärmschutzwände neben der Dahlemer Truman Plaza hat viel Aufsehen erregt, unter anderem prangerte das Deutsche Kinderhilfswerk die Mauern um Sportanlagen des Jugendfreizeitheims (JFH) an der Marshallstraße als Skandal an. Im Juni waren die ersten Stelen aufgestellt worden, inzwischen sind die fünf Meter hohen Wände fertig und manche der jungen Leute haben nicht mehr viel Spaß auf den Skater- und Bolzplätzen. Vorbei ist die Auseinandersetzung aber nicht: Anwohner setzen sich für den Abriss der Mauern ein und wollen den bezirkseigenen Jugendtreff baurechtlich besser absichern.

Für Donnerstag, 7. August, lädt das „Aktionsbündnis gegen Lärmschutzwände in Dahlem“ ab 18 Uhr in das Jugendfreizeitheim an der Marshallstraße 3 ein. Informationen gibt es unter laermschutzwanddahlem.wordpress.com. Das erste Ziel ist ein Einwohnerantrag in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Steglitz-Zehlendorf. Dann müssten sich alle Fraktionen und das Bezirksamt zumindest noch einmal mit dem Thema beschäftigen, wenn auch nicht unbedingt anders entscheiden. Laut Bezirksverwaltungsgesetz sind 1000 Unterschriften von Bürgern notwendig.

Die Lärmschutzwände sind laut einem städtebaulichen Vertrag zwischen dem Bezirksamt und dem Investor Stofanel dazu gedacht, künftige Bewohner der Wohnsiedlung „Fünf Morgen Dahlem Urban Village“ auf der früheren Truman Plaza vom Lärm der Skaterbahnen und Bolzplätze abzuschirmen – und so den Bestand der kleinen Sportanlagen zu sichern. Die Maßnahme beuge Klagen der späteren Wohnungseigentümer vor, argumentiert Baustadtrat Norbert Schmidt (CDU).

Ärger um Dahlemer Mauer gegen Kinderlärm
Plattenbau. Am Donnerstag wurden mit Kokosmatten verkleidete Schallschutzelemente an Stahlträger der umstrittenen Dahlemer Lärmschutzwand gegenüber der Truman Plaza montiert. Foto: Cay DobberkeWeitere Bilder anzeigen
1 von 13Foto: Cay Dobberke
12.06.2014 17:02Plattenbau. Am Donnerstag wurden mit Kokosmatten verkleidete Schallschutzelemente an Stahlträger der umstrittenen Dahlemer...

Der Bau soll etwa 350 000 Euro gekostet haben und wurde vom Investor finanziert. Viel Kritik gab es daran, dass die Schallschutzmaßnahmen nicht auf der Truman Plaza stattfanden, sondern gegenüber auf den Außenlagen des Jugendfreizeitheims. Schmidt hat dies mit dem Verursacherprinzip begründet: „Der Lärm geht ja von uns aus.“

Dagegen meint Christiane Zander, die seit fünf Jahren mit ihrer Familie am nahen Löwenburgweg wohnt und zu den Gründern des Bündnisses gehört, der Baustadtrat ignoriere die Bürger und argumentiere „volksverdummend“ mit einer „Schein-Rechtssicherheit“. Weder die Lärmschutzwand noch geplante Grundbucheintragungen, in denen Bewohner des Stofanel-Projekts ihren Verzicht auf Klagen erklären sollen, schützten das Freizeitheim wirklich. Deshalb fordern Zander und ihre Mitstreiter für dessen Gelände einen eigenen Bebauungsplan, der die Nutzung festschreibt.

Dafür könne es eine BVV-Mehrheit geben, glaubt Zander. Dass die Bezirksverordneten den Abriss der Lärmschutzwand unterstützen, sei weniger wahrscheinlich.

Der „harte Kern“ des Aktionsbündnisses bestehe aus acht Nachbarn, sagt sie, hinzu kämen bisher mehr als 100 Unterstützer. Unterschriftenlisten liegen unter anderem in nahen Läden aus. Auch der Verein „Papageiensiedlung“, in dem Bewohner der nahen Bruno-Taut-Siedlung organisiert sind, hat sich dem Protest gegen die Lärmschutzwände angeschlossen. Der Verein kritisiert, die Kinder und Jugendlichen seien „eingemauert“, das Orts- und Straßenbild werde grob verunstaltet. Bereits vor dem Baubeginn auf der Truman Plaza hatte man sich erfolglos gegen das Ausmaß des Projekts gewehrt, dabei ging es vor allem um die Gewerbebauten an der Clayallee.

Christiane Zander hat eine siebenjährige Tochter und einen 30 Monate alten Sohn; beide spielen gerne Ball auf der Außenanlage des Jugendtreffs, die Tochter möchte sich bald auch als Skateboarderin versuchen. Ihre Mutter ärgert sich darüber, dass für wohlhabende neue Nachbarn die „friedliche und offene Gemeinschaft“ verschiedener Menschen „kaputt gemacht“ werde.

Der Autor ist Reporter im Tagesspiegel-Ressort Berlin-Brandenburg. Der Text erscheint auf dem Zehlendorf Blog, dem Online-Magazin der Zeitung.




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