Landschaftsgärtner in Steglitz-Zehlendorf : 21 Auszubildende - aber keine freien Stellen

An der frischen Luft, nicht im Büro - das ist schon mal ein guter Grund, um Landschaftsgärtner zu werden. Doch auch in diesem Job wird es immer schwieriger, guten Nachwuchs zu finden. Wir haben Ausbilder und Azubis in Zehlendorf besucht.

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Azubis zum Landschaftsgärtner im Straßen- und Grünflächenamt von Steglitz-Zehlendorf: Nils Stagardt, Marcel Schley, Marco Tahmaz und ihr Lehrausbilder Frank Hoffmann (v.l.n.r.)
Azubis zum Landschaftsgärtner im Straßen- und Grünflächenamt von Steglitz-Zehlendorf: Nils Stagardt, Marcel Schley, Marco Tahmaz...Foto: Anett Kirchner

Daniel Freund wirkt zufrieden, ist jemand, der viel lacht, oder besser: in sich hinein lächelt. Auch bei der Arbeit. Er ist Auszubildender (Azubi) zum Landschaftsgärtner, pflastert gern einen Weg, umrahmt den Rand mit Kantenstein oder gestaltet eine Rabatte. Dabei bringt sich der 19-Jährige mit eigenen Ideen ein. „Ich finde mich dann in der Gestaltung wieder“, beschreibt er. Zwar sei die Arbeit körperlich auch hart, aber er formuliert das lieber anders, spricht von positiv auspowern. Und die Mühe lohne sich, denn nach getaner Arbeit sehe man gleich das Ergebnis. Ein Traumjob für ihn? „Na ja“, er überlegt, „nach einem Schulpraktikum in einer Gärtnerei, bei dem ich mich wohl gefühlt habe, wollte ich diesen Beruf lernen.“ Ihm gefällt es, an der frischen Luft zu sein, anstatt etwa den ganzen Tag im Büro zu sitzen.

Daniel Freund ist im dritten Lehrjahr. Die Fachrichtung seiner Ausbildung nennt sich Garten- und Landschaftsbau. Ausbildungsbetrieb ist das Straßen- und Grünflächenamt von Steglitz-Zehlendorf. Fast jeden Morgen fährt er mit dem Zug von Rüdersdorf im Landkreis Märkisch-Oderland in den Berliner Südwesten zum Werkhof in die Charlottenstraße nach Lankwitz. Hier macht er seine praktische Ausbildung. Die theoretischen Grundlagen lernt er an der Peter-Lenné-Schule in Zehlendorf, einer Fachschule für Gartenbau. Die eineinhalbstündige Fahrt von seinem Heimatort hierher nutzt er in diesen Tagen zum Lernen. Bei seinen Prüfungen muss Freund nicht nur über Pflanzen, Bäume, Sträucher, Bewässerung und Bodenbeschaffenheit Bescheid wissen, sondern auch darüber, wie Sportflächen, Wege, Treppen und Mauern gestaltet werden Denn der Schwerpunkt der Arbeit eines Landschaftsgärtners im Grünflächenamt liegt vor allem im Bau von Spielplätzen, der Pflege von Park- und Friedhofsanlagen sowie der Gestaltung von Schulhöfen.

Daniel Freund (links) und Michael Listing sind in der Ausbildung zum Gärtner, Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau.
Daniel Freund (links) und Michael Listing sind in der Ausbildung zum Gärtner, Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau.Foto: Anett Kirchner

Seit etwa 27 Jahren ist Frank Hoffmann hier der Lehrausbilder. Er hat inzwischen schon unzählige Azubis begleitet. Im Laufe der Jahre ist es jedoch schwer geworden, guten Gärtnernachwuchs zu finden, verrät er. „Die Motivation der jungen Leute ist im Gegensatz zu früher nicht mehr hundertprozentig“, beobachtet Hoffmann, der auch stellvertretender Leiter der Abteilung Ausbildung im Grünflächenamt ist. Oft habe er das Gefühl, dass die Eltern ihre Kinder zu der Berufsausbildung drängten. Außerdem ließen nach seinem Empfinden die Vorkenntnisse nach, die die Bewerber aus der Schule mitbringen. „Das fängt beim Rechnen und Schreiben an“, sagt er.

Deshalb gebe es jetzt einen Einstellungstest mit leichten Rechenaufgaben und einem Aufsatz, in dem die Bewerber beschreiben können, warum sie sich für den Gärtnerberuf interessieren. Wichtige Voraussetzungen seien außerdem die körperliche Fitness und ein gewisses Auftreten. Der Lehrausbilder nennt ein Beispiel: „Wenn wir auf einem Friedhof die Hecken schneiden oder Wege ausbessern, und es findet eine Beerdigung statt, sollten sich unsere Azubis entsprechend ruhig verhalten.“

Es wird immer schwieriger, die Azubis zu übernehmen

Bis vor einigen Jahren habe er fast 300 Bewerbungen pro Jahr für die Landschaftsgärtner-Ausbildung im Bezirksamt bekommen. Heute seien es rund 70 Bewerbungen, wenige von Frauen. Aktuell lernen hier in den drei Lehrjahren insgesamt 21 Auszubildende im Alter zwischen 17 und 25 Jahren; zwei davon sind Mädchen. In der Ausschreibung steht deshalb: „Bewerbungen von Frauen sind ausdrücklich gewünscht.“ Jeweils im Januar eines Jahres endet die Bewerbungsfrist. Im März sind die Vorstellungsgespräche und Anfang September startet die Ausbildung.

Anett Kirchner ist freie Journalistin und Reporterin für den Tagesspiegel-Zehlendorf, außerdem schreibt sie für die evangelische Wochenzeitung.
Anett Kirchner ist freie Journalistin und Reporterin für den Tagesspiegel-Zehlendorf, außerdem schreibt sie für die evangelische...Foto: privat

In den letzten Wochen waren die Azubis vor allem in den Straßen von Steglitz-Zehlendorf unterwegs und haben Bäume gepflanzt. Kastanien, Ulmen, Birken oder Ahorne, etwa zehn Jahre alt und mit einem Stammdurchmesser von 16 Zentimetern. Insgesamt waren es ungefähr 80 Bäume, erklärt Hoffmann. Die Pflanzaktion wurde durch Spenden der Berliner Bürger finanziert und ist Teil der Kampagne „Neue Stadtbäume für Berlins Straßen“, initiiert von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt.

Und auch die Sparmaßnahmen in den letzten Jahre in den Verwaltungen der Stadt haben vor der Abteilung Ausbildung im Grünflächenamt nicht Halt gemacht. „Wir spüren das vor allem bei den Materialien, den Pflanzen, beim Werkzeug und den Fahrzeugen“, sagt der langjährige Mitarbeiter. Früher habe das Grünflächenamt auf Pflanzen aus eigener Produktion zurückgreifen können. Heute werde alles von Baumschulen und Gärtnereien zugekauft. Schwierig sei es zudem, die jungen Landschaftsgärtner nach ihrer Ausbildung zu übernehmen. Denn dafür müsste eine Stelle frei sein. Zusätzliche Stellen würden im Moment jedoch nicht geschaffen. „Deshalb können wir das nicht generell versprechen“, erklärt er.

Daniel Freund würde zumindest gern bleiben. Er fühlt sich wohl beim Amt in Steglitz-Zehlendorf, möchte sich hier eine Basis für sein Leben aufbauen, wie er sagt. Dafür würde er auch nach Berlin ziehen. Und vielleicht später die Meisterschule besuchen, ja, „aber darüber denke ich jetzt noch nicht nach“. Schritt für Schritt solide gehen. Zunächst erst einmal die Prüfungen schaffen und die Ausbildung erfolgreich beenden. Seine Kumpels, wie er die anderen Azubis nennt, werden ihm jedenfalls die Daumen drücken.

Die Autorin Anett Kirchner ist freie Journalistin, wohnt in Steglitz-Zehlendorf, und schreibt als lokale Reporterin regelmäßig für den Tagesspiegel Zehlendorf. Folgen Sie Anett Kirchner auch auf Twitter.

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