Minderjährige Flüchtlinge in Berlin-Zehlendorf : Täglich 30 neue Kinder

Mehr als 700 Bürger folgten einem Appell für ehrenamtliche Vormundschaften für minderjährige Flüchtlingskinder ohne Eltern. Tagesspiegel-Autorin Hatice Akyün hat zu diesem Thema eine Benefizlesung am 29. September im Tagesspiegel organisiert.

Hatice Akyün und Gerd Appenzeller werden am 29. September durch die Benefizlesung für minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge im Tagesspiegel führen.
Hatice Akyün und Gerd Appenzeller werden am 29. September durch die Benefizlesung für minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge im...Foto: Kai-Uwe Heinrich

Jeden Tag stehen mittlerweile 30 neue Jugendliche vor der Tür der Erstaufnahmestelle für minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge in Berlin-Zehlendorf. Sie alle brauchen – Vormundschaften. Aktuell wurden von den Amtsgerichten bereits 460 Vormundschaften bestellt – aber es wird nicht weniger.

Dennoch ist Oliver Gulitz guten Mutes. Er arbeitet im Jugendamt Steglitz-Zehlendorf und ist dort zuständig für das Fachreferat Familienförderung. Im Tagesspiegel hatte das Jugendamt vor zwei Wochen ehrenamtliche Vormünder gesucht. Mehr als 700 Bürger haben sich daraufhin gemeldet, fünf konkrete Vormünder wurden jetzt schon ausgesucht, sie warten noch auf die Vermittlung ihrer Mündel.

Was sich nach wenig anhört, ist in der kurzen Zeit ein großer Erfolg. Denn Hunderte von Mails mussten gesichtet, sortiert, nach ihrer Ernsthaftigkeit gewichtet und geprüft werden. Antwortmails mussten geschrieben werden. Gulitz und seine Kollegen haben dann eine Infoveranstaltung organisiert, auf denen auch Fragebögen verteilt worden sind. Auch diese mussten gesichtet werden, es wurden Treffen vereinbart, Gespräche geführt. „Und schließlich haben wir uns auch Träger gesucht, die diese Aufgabe mit uns zusammen bewältigen. Das aber ist immer auch eine Geldfrage“, sagt Gulitz.

Gerade die finanzielle Absicherung der Kooperation etwa mit Hilfsorganisationen wie Akinda oder dem Deutschen Roten Kreuz ist noch nicht gelungen. Auch hier hofft Gulitz auf private Hilfe. Allerdings sagt er auch: „Was die Vormundschaften angeht, sind wir im Augenblick gut versorgt. Wir schaffen es einfach nicht, so schnell alle Anfragen abzuarbeiten.“ Gulitz bittet deshalb um Geduld.

Allein im fremden Land. Die meisten Jugendlichen, die unbegleitet kommen, sind um die 16 Jahre alt. 30 neue Flüchtlinge stehen derzeit jeden Tag vor der Erstaufnahme in Zehlendorf.
Allein im fremden Land. Die meisten Jugendlichen, die unbegleitet kommen, sind um die 16 Jahre alt. 30 neue Flüchtlinge stehen...Foto: dpa

Die für das Jugendamt zuständige Grünen-Stadträtin des Bezirks, Christa Markl-Vieto, hatte im Tagesspiegel erklärt, was Bürger berücksichtigen sollten, wenn sie sich zu einer Vormundschaft oder einer elterlichen Pflege entschließen: "Ganz wichtig ist, dass die Menschen, die das machen wollen, auch konfliktfähig sind. Dass sie in der Lage sind, Konflikte auszuhalten. Ein guter Mensch zu sein, ist eine tolle Eigenschaft, aber als guter Mensch allein wird man womöglich diese Aufgabe nicht bewältigen. Die Familie sollte von sich sagen können, wir sind belastbar und konfliktfähig. Wenn das nicht der Fall ist, geben sie zu schnell wieder auf. Und das wäre für alle Beteiligte nicht gut. Natürlich sollte man auch schauen: Sind wir offen für andere Kulturen, offen in unserer pädagogischen Grundhaltung, man sollte sich fragen: Wie wird sich das mit den eigenen Kindern vertragen?“

Minderjährige Flüchtlinge ohne Eltern sind auch der Anlass für eine Benefiz-Veranstaltung im Tagesspiegel am kommenden Dienstag, 29. September, ab 19 Uhr in den Tagesspiegel-Räumen am Askanischen Platz 3. Tagesspiegel-Autorin Hatice Akyün fühlt eine besondere Verpflichtung, sich für diese Kinder zu engagieren. Sie sagt: „Es bricht mir das Herz, diese Bilder zu sehen.“

 Daher lädt sie zu einer Benefiz-Lesung ein. Die Einnahmen werden zugunsten minderjähriger Flüchtlinge gespendet. Hatice Akyün wird aus ihren Kolumnen lesen und mit Gerd Appenzeller, Berater der Chefredaktion, darüber sprechen, was wir tun können, um jungen Flüchtlingen ein neues Leben zu ermöglichen. Tsp

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