Musikschule Steglitz-Zehlendorf : Angespannte Lage: Musikschullehrer in Existenznot

Die Haushaltssperre im Bezirk Steglitz-Zehlendorf trifft auch die Musikschullehrer: An der Leo-Borchard-Musikschule herrscht seit Anfang Januar ein Aufnahmestopp, für gekündigte Verträge bekommen die Lehrkräfte keine neuen Schüler. Gerade freiberufliche Musiklehrer sehen nun ihre berufliche Existenz bedroht.

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Gehört zur bezirklichen Leo-Borchard-Musikschule: Das Haus der Musik in der Grabertstraße 4 in Steglitz
Gehört zur bezirklichen Leo-Borchard-Musikschule: Das Haus der Musik in der Grabertstraße 4 in SteglitzFoto: Anett Kirchner

Die derzeitige Haushaltssperre in Steglitz-Zehlendorf hat offenbar auch Auswirkungen auf die finanzielle Situation der bezirklichen Leo-Borchard-Musikschule. Unter anderem gibt es hier auf unbestimmte Zeit einen Schüleraufnahmestopp. Dagegen stehen rund 150 gekündigte Schülerverträge vom letzten Kündigungstermin im Februar. Das bestätigte die Bildungs-Bezirksstadträtin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) dem Tagesspiegel Zehlendorf. Einige Musikschullehrer, die zum großen Teil freiberuflich arbeiten, fürchten nun um ihre Existenz. „Denn damit verbunden sind Einnahmeverluste für die Musikschule durch fehlende Entgelte der Eltern und Einnahmeverluste für die freien Mitarbeiter durch den Weggang von Schülern“, sagt Dirk Strakhof stellvertretend.

Erhebliche Einnahmeverluste

Eine Kollegin von ihm habe bereits fünf Schüler verloren, was einen Einnahmeverlust von etwa 500 Euro im Monat bedeute. „Die Zahl der wegfallenden Unterrichtsverträge könnte bald noch auf rund 700 steigen, weil nach meiner Erfahrung weit mehr Schüler zum 31. August kündigen“, befürchtet Strakhof. Er unterrichtet seit 1984 an der Musikschule Steglitz-Zehlendorf in den Fächern Kontrabass, E-Bass und Jazzensembles. In einer Petition, die bislang etwa 1300 Befürworter unterschrieben haben, fordert er die sofortige Aufhebung der Finanzsperre für die Musikschule.

Schützenswerte Gebäude in Steglitz-Zehlendorf
Die Gail-S.-Halvorsen-Schule in Zehlendorf.Weitere Bilder anzeigen
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01.11.2014 20:37Die Gail-S.-Halvorsen-Schule in Zehlendorf.

Darin heißt es beispielsweise wörtlich: „Anders als in anderen Bildungseinrichtungen betrifft die Haushaltssperre unter anderem unmittelbar die Ausgabe der Honorarmittel und somit die Einkommen der Lehrkräfte der Musikschule. Es können seit dem 1. Januar weder Unterrichtsverträge abgeschlossen noch -verlängerungen durchgeführt werden. Die Musikschule ist bei länger anhaltender Haushaltssperre in der Existenz bedroht. Für Schüler, die gekündigt haben oder kündigen werden, bekommen die Lehrkräfte keine Ersatzschüler. Auch neue Schüler, die gerne genommen würden, können zurzeit keinen Unterrichtsvertrag an der bezirklichen Musikschule abschließen…“

Richter-Kotowski: "Nur 150 Verträge betroffen"

Cerstin Richter-Kotowski erklärt indessen, dass derzeit lediglich keine neuen Verträge für den Einzelunterricht abgeschlossen würden. Bereits vor der Haushaltssperre geschlossene Verträge blieben dagegen bestehen. „Das gilt auch zum Beispiel bei einem Lehrerwechsel“, sagt sie.

Ferner müsse man sich einmal den prozentualen Anteil anschauen. Die Musikschule in Steglitz-Zehlendorf habe derzeit zwischen 6000 und 9000 Schüler. „Ich will das Problem nicht klein reden, aber es handelt sich hierbei um 150 Verträge“, wiederholt die Bezirksstadträtin. Dennoch sei sie sich ihrer Verantwortung durchaus bewusst und werde sich bemühen, dass soziale Härtefälle vermieden würden. Es gebe zum Beispiel die Möglichkeit, dass Musikschullehrer auf andere Unterrichtsangebote „umgelenkt“ würden.

Weniger optimistisch zeigt sich dagegen Gernot Schulz, Vorstandsvorsitzender des Förderkreises der Leo-Borchard-Musikschule Steglitz-Zehlendorf. In einem aktuellen offenen Brief an Cerstin Richter-Kotowski nennt er die Situation der größten Musikschule Berlins „alarmierend“. Neben vielen weiteren Punkten bezieht sich das Schreiben vor allem auch auf die Folgen der Haushaltssperre.

Musikschullehrer geraten in Existenznot

Eine der Forderungen des Förderkreises an den Bezirk ist deshalb die sofortige Aufhebung der Schüleraufnahmesperre sowie die Sicherung bestehender Musikschulangebote. „Die von den Schülerstundenzahlen abhängigen Musikschullehrer – ohnehin nur dürftig honoriert – geraten in Existenznot“, findet Schulz in dem offenen Brief klare Worte.

Und an diesem Mittwoch werden sich ab 17 Uhr im Rathaus Zehlendorf auch die Bezirksverordneten im Ausschuss für Bildung, Kultur und Bürgerdienste mit dem Thema beschäftigen. Auf der Tagessordnung steht ein Antrag der SPD und der Piraten, in dem das Bezirksamt ersucht wird, die Auflagen der Haushaltssperre so zu verändern, dass die Leo-Borchard-Musikschule von dieser dahingehend ausgenommen werde, dass sie die Möglichkeit habe, mit Schülern neue Unterrichtsverträge zu schließen und bestehende zu verlängern. „Das ist leider nicht so einfach, wie man sich das vorstellt“, sagt Richter-Kotowski. Die Haushaltssperre gelte für den ganzen Bezirk, da könne man nicht so einfach die Musikschule herausnehmen.

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27.02.2014 16:08Sommerresidenz von Max Liebermann

Die Autorin Anett Kirchner ist freie Journalistin, wohnt in Steglitz-Zehlendorf, und schreibt als lokale Reporterin regelmäßig für den Tagesspiegel Zehlendorf. Folgen Sie Anett Kirchner auch auf Twitter.

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