Nach dem Rückzug von Starbucks : Zehlendorfer - ignoriert die Jugend nicht!

Der Jugend geht die Ruhe in Zehlendorf manchmal auf die Nerven. Unsere Autorin hat aufgeschrieben, warum sie zwar dem Starbucks nicht nachweint, aber sie trotzdem das Gefühl beschleicht: Jugendliche sollen aus Zehlendorfs Mitte rausgehalten werden.

Linda Bomm
Die Autorin Linda Bomm
Die Autorin Linda Bomm, 15 Jahre, schreibt für den Tagesspiegel und den Zehlendorf Blog.Foto: privat

Jeder Zehlendorfer kennt sie: die berühmte Zehlendorfer Ruhe!

 Ruhe ist ein Grund, warum all die Familien mit kleinen Kindern herziehen - und auch der Grund, warum die kleinen Kinder, wenn sie gar nicht mehr so klein sind, manchmal echt die Nase voll von Zehlendorf haben.

Shoppen? Unmöglich, weil bis jetzt weder das einsame H&M am S-Bahnhof Zehlendorf wie gehofft weitere Läden angezogen hat, noch die "Zehlendorfer Welle" eine echte Alternative gegen die großen Center in anderen Bezirken bietet.

Essen gehen? Kann sich auf Dauer kein Taschengeldempfänger leisten. Clubs oder Bars? Abgesehen von den Stammkneipen unserer Väter findet sich nichts. Ins Café? Einzige Optionen waren bis jetzt "Walter's Coffey", das ein bisschen weiter ab vom Geschehen in der Machnower Straße liegt, das nette, aber recht kleine "Coffee Cabana" hinter der S-Bahn – und: "Starbucks" am Teltower Damm.

Das Inhaber-Team des Coffee Cabana, Christian Saak und Janet Müller (Mitte), mit ihren Mitarbeitern Marie (l.) und Jannik (r.)
Das Inhaber-Team des Coffee Cabana, Christian Saak und Janet Müller (Mitte), mit ihren Mitarbeitern Marie (l.) und Jannik (r.)Foto: privat/Coffee Cabana

Letzteres macht demnächst dicht, wie der Zehlendorf Blog bereits berichtet hat - und lässt Zehlendorf mit noch mehr Ruhe und noch weniger Möglichkeiten zurück. Ich möchte hier nicht falsch verstanden werden, ich weine keinem amerikanischen Konzern hinterher – aber die anderen Cafés in der Nähe, wie das "Z-Art Gartenhaus" oder das "Café Anneliese" finde ich zwar ganz süß, meine Oma allerdings auch.

Da kommt  schon schnell das Gefühl auf, in Zehlendorf lege niemand Wert auf jüngeren Lebensstil, und es ist ganz logisch, dass mit diesem Bezirk eben am ehesten viel Grün, ältere Leute und Tradition verbunden werden. Allerdings ist das Ganze auch immer ein Spiel von Angebot und Nachfrage: Solange die Apotheken, Banken und hochwertigen Lebensmittelgeschäfte gut laufen, werden weiterhin mehr kommen. Und solange Läden wie Starbucks wenig Umsatz machen, werden sie verschwinden.

Starbucks am Teltower Damm in Zehlendorf schließt
Starbucks wird zum August seine Filiale am Teltower Damm in Zehlendorf schließen.Foto: Armin Lehmann

Ich stelle mir vor, wie schwer es wohl erst für ein eher mittelständisches oder kleines Unternehmen wäre, dort einen Treffpunkt zu schaffen, der für Jüngere und Ältere attraktiv ist, und sich rentiert? Und warum eigentlich nicht eine Location, die tatsächlich nur für Jugendliche gedacht ist und zentral liegt? Darf das nicht sein in Zehlendorf?

Wohin dann aber mit den Jugendlichen, wenn es in Zehlendorf Mitte anscheinend nicht funktioniert?

Hier kommen die Seen und Parks ins Spiel, die nachmittags und vor allem gegen Abend die lebhaftesten Punkte im Bezirk sind, gerne auch mit Supermarkt in der Nähe, aus dem die Flaschen und Chipstüten kommen, die später im Gebüsch landen. Das ist dann eben die Kombination aus dem begrünten, beschaulichen Zehlendorf und den - nicht vorhandenen - Cafés und Clubs, die hier so eindeutig fehlen.

Starbucks war ein Anfang, wieder jüngere Generationen nach Zehlendorf Mitte zu bringen und trotzdem auch erwachsene Gäste anzusprechen. Mit der Schließung sehen wir uns also wieder einem altbekannten Problem gegenübergestellt: Zehlendorf ist, vom Durchschnitt der Einwohner und von den Angeboten her, der älteste Bezirk Berlins, und es macht auch nicht den Eindruck, als würde sich das in naher Zukunft ändern. Es bleibt ruhig in Zehlendorf.

Die Autorin ist 15 Jahre alt und geht aufs Arndt-Gymnasium. Der Text erscheint auf dem Zehlendorf Blog, dem Online-Magazin des Tagesspiegels.




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