Nach Flüchtlingsunterbringung : Steglitzer Fechter bekommen festen Ersatz während Hallensanierung

Eineinhalb Jahre mussten die Sportler zugunsten von Flüchtlingen fürs Training quer durch Berlin fahren. Nun ist ein Ende in Sicht. Doch der Senat stiftet Verwirrung.

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War auch mal Ausweichquartier der Steglitzer Fechter: die Sporthalle der Wilmersdorfer Ernst-Habermann-Grundschule.
War auch mal Ausweichquartier der Steglitzer Fechter: die Sporthalle der Wilmersdorfer Ernst-Habermann-Grundschule.Foto: Thilo Rückeis

Auslöser für Debatten und Kopfschütteln im Vorstand des Fechtclubs Berlin Südwest waren in den Tagen nach Ostern eine Anfrage im Abgeordnetenhaus – und die Nachfrage des Tagesspiegels. Der AfD-Abgeordneten Frank Scheermesser wollte von der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales wissen, welche Sportvereine wegen der Belegung von Sporthallen mit Flüchtlingen Schadenersatzansprüche geltend machen würden (hier die Anfrage als PDF). Die Antwort: der Berliner Fechtclub und zwei weitere Vereine.

Als einzige Fechter, die in der Stadt von der Hallenbelegung durch Flüchtlinge betroffen waren, nannte die Verwaltung dem Abgeordneten die Steglitzer Sportler - weshalb der Eindruck entstehen könnte, sie wollten nun Geld für den Verzicht auf die Sochos-Sporthalle erstreiten. Kurt Kliem, Vizepräsident des Fechtclubs Berlin Südwest, kann sich nicht erklären, wie der Senat auf diese Idee gekommen sein könnte: „Wir haben nie über Schadensersatzklagen nachgedacht.“ Und: „Der Vorstand hat davon am Dienstag nach Ostern zum ersten Mal gehört.“

Dabei hat der Verein, wie viele andere auch, unter der Belegung der Turnhallen gelitten. Die angestammte Sporthalle in der Lessingstraße, die über fest eingebaute Fechtbahnen verfügt, ist seit eineinhalb Jahren für den Verein nicht zu nutzen. Die Fechter müssen seitdem Trainingszeiten in fünf Hallen koordinieren, von Kleinmachnow bis Charlottenburg. Der Sport wird unattraktiv, die Mitgliederzahlen schwinden. 2015 habe der Verein noch 160 Mitglieder gehabt, heute zähle er noch knapp einhundert.

Achtzig Prozent seien Kinder zwischen acht und 14 Jahren, berichtet Kliem: „Nicht jedes Elternteil kann über eineinhalb Jahre die Kinder durch die Stadt fahren.“ Hinzu kämen, so der Vizepräsident, die schwere Ausrüstung und die Trainingszeiten, die jeden Tag bis 21.30 Uhr gingen. Für Schulkinder sei das schwierig.

Verein darf in Helene-Lange-Schule trainieren

Doch ist Kurt Kliem optimistisch, am Telefon gar etwas euphorisch: Seit Dienstag nach Ostern wisse er, dass der Bezirk eine Halle in der Helene-Lange-Schule in Steglitz zur Verfügung stelle, „für alle Trainingszeiten“. Er sei zufrieden und dankbar, der Bezirk habe gut reagiert. Schon zuvor hatte das Bezirksamt den Fechtern aus dem Südwesten unter die Arme gegriffen und zwei mobile Fechtbahnen samt Meldern kofinanziert.

In der kommenden Woche will Kurt Kliem den Schlüssel für die neue Halle abholen. Bis die Sochos-Halle wieder für den Sport zur Verfügung stehe – zur Zeit ist sie leer und muss saniert werden –, soll der Fechtverein in der Schulhalle bleiben dürfen. Kurt Kliem rechnet vorsichtig damit, dass die Sanierung der Sochos-Sporthalle zum Jahresende abgeschlossen sein könnte.




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