Ortstermin mit dem Kabarettisten Martin Buchholz : Daheim in Zehlendorf

Daheim ist der Kabarettist seit einiger Zeit in Zehlendorf, zuhause fühlt sich Martin Buchholz aber in ganz Berlin. Unsere Bloggerin hat den scharfen Beobachter der politischen Landschaft getroffen und mit ihm über seinen Kiez am Mexikoplatz, Berliner Ruppigkeit und gute Kneipen gesprochen.

Eve-Catherine Trieba
Martin Buchholz. Das aktuelle Programm "Macht!Menschen" läuft im März in der "Diestel" und im Mai wieder bei den "Wühlmäusen".
Martin Buchholz. Das aktuelle Programm "Macht!Menschen" läuft im März in der "Diestel" und im Mai wieder bei den "Wühlmäusen".Foto: Imago

Die Sache mit der digitalen Präsenz ist gar nicht so einfach, schon gar nicht für einen Kabarettisten, der vor allem von seiner Sprache lebt. Martin Buchholz wollte nun also einen seiner wöchentlichen Online-Kommentare auf Facebook bewerben („Dütschland, Dütschland über alles“). Ging aber nicht, wie er selbst schreibt. "Facebook teilt mir mit: „Dein Beitrag wurde nicht beworben, da er die Facebook-Werbeanzeigenrichtlinien aufgrund von vulgären Ausdrücken verletzt.“ Es ging um den Ausdruck „Fuck you, EU“, den er den Schweizern in den Volksmund gelegt hatte. Dabei hatte doch die US-Diplomatin Nuland den Spruch erfunden...

In vielen Kiezen daheim, in Berlin zuhause

Man muss aber gar nicht online sein, um Martin Buchholz zu erleben. Man kann ihn einfach besuchen, und das haben wir an einem Sonntagnachmittag im Kabarett-Theater "Die Wühlmäuse" am Theodor Heuss Platz getan. In seinem zweistündigen Programm "Macht!Menschen" nimmt Martin Buchholz die Zuschauer mit auf einen wilden Ritt durch die deutsche Politiklandschaft und das Partnerschaftsverhalten in heimischen Wohnzimmern. Dabei verschlägt vor allem die waghalsige Wortakrobatik des gelernten Journalisten den Zuhörern immer wieder den Atem. "Berlin habe ich vor allem durch zahlreiche 'Liebschaften' kennen gelernt", schmunzelt Martin Buchholz im Anschluss an die Vorstellung bei einem entspannten Feierabendbier im Foyer.

Im Verlauf seines Lebens hat der Kabarettist und Autor auf diese Weise "in allen West-Berliner Bezirken - abgesehen von Spandau - gelebt". Derzeit bewohnt er mit seiner Lebensgefährtin ein Mehrfamilienhaus in der Nähe des Schlachtensees. Dort fühlt sich Buchholz gut aufgehoben: "Im Haus selbst herrscht eine schöne Mischung und vor allem in der Gegend um den Mexikoplatz gibt es alles, was einen schönen Kiez für mich ausmacht: nette Menschen, gute Restaurants, kleine Buchläden und eine Gärtnerei meines Vertrauens." Auch sympathische Kneipen machen für den Kabarettisten einen Kiez liebenswert. 

Lieblingsadressen in der Stadt 

Seine liebsten Adressen finden sich in diesem Zusammenhang jedoch (noch) nicht in Zehlendorf, sondern vor allem in Schöneberg und Charlottenburg. Buchholz empfiehlt etwa das "Jonas" in der Naumannstraße, den "Zwiebelfisch", die "Witwe Bolte" oder die Künstlerkneipe "Diener Tattersaal". In gefragte Kneipen wie die "Paris Bar" verschlägt es Buchholz dagegen nicht: "Ich bewege mich lieber abseits der Touristenströme und der 'angesagten' Promi-Locations."

Auch am Potsdamer Platz fühlt sich der Journalist, der in den 60er und 70er Jahren zu den Herausgebern linker Blätter wie des Berliner "Extra-Dienstes" oder der Tageszeitung "Die Neue" gehörte, heute nicht unbedingt wohl. "Dort hatte ich einmal kurzzeitig eine Wohnung angemietet - aber tagsüber kann man dort eigentlich nur einkaufen und abends ist es fast überall total tot", berichtet er. Mit dem Hackeschen Markt ergeht es ihm ähnlich: "Ich besuche gern das Chamäleon Theater oder das Kino in den Hackeschen Höfen, doch zum Leben ist es mir in Mitte viel zu trubelig", sagt er.

Impressionen von Martin Buchholz
Scharfzüngiger Bewerter und genauer Beobachter der politischen Landschaft: Martin BuchholzAlle Bilder anzeigen
1 von 8Foto: Imago
21.02.2014 12:09Scharfzüngiger Bewerter und genauer Beobachter der politischen Landschaft: Martin Buchholz

Geboren wurde der Kabarettist 1942 in Berlin-Wedding. "Dort entging ich nur knapp einer kriminellen Karriere", erinnert sich Buchholz mit einem Lächeln. "Ich war das jüngste Mitglied in einer Gang, die Metalle klaute. Mit meinen Geschichten von Karl May konnte ich mir bei den Größeren Respekt verschaffen." Doch schon bald wuchs der lesebegeisterte Junge aus diesem Umfeld heraus: "Meine Gang wurde mir einfach zu blöd."

Nach der Wende entdeckte der kritische Beobachter der deutschen Politiklandschaft den Ostteil der Stadt. "Bis heute finde ich es wahnsinnig spannend, wie sich Berlin permanent verändert. Abgesehen von Jerusalem gibt es keine spannendere Stadt auf der Welt", sagt Buchholz.

Und auch wenn er Gegenden wie die Schlossstraße in Steglitz oder die Müllerstraße in Wedding heute für "schickimickisiert" hält, betont der preisgekrönte Kabarettist: "Spätestens wenn ich einmal länger weg war, merke ich: Berlin ist meine Stadt!"

Auch die Berliner Ruppigkeit gehört dabei für Buchholz zu den liebenswerten Eigenheiten: "Wenn wir Zeit in unserem Ferienhaus im Erzgebirge verbringen, ist es für einige Zeit ganz erholsam, auf diese Ruppigkeit zu verzichten. Doch wenn ich dann zurück bin, fühle ich mich durch sie gleich wieder wie zuhause", schmunzelt er.

Im Mai wird sein zweistündiges Programm "Macht!Menschen" wieder in den Wühlmäusen gespielt, aber zuvor am 9. und 23. März auch in der "Diestel". Mehr von Martin Buchholz erfährt man auf seiner Website www.martin-buchholz.de, wo er alle sieben Tage den "Wochenschauer", einen ständig wechselnden Wochenkommentar, publiziert. 

Die Autorin schreibt für QIEZ.de, das Berliner Stadtportal und ein Tochterunternehmen des Tagesspiegels. Der Text erscheint auf dem Zehlendorf Blog, dem Online-Magazin aus dem Südwesten.




Liebe Leserinnen, liebe Leser,

willkommen im Tagesspiegel Steglitz-Zehlendorf. Unsere lokale Plattform ist offen für Debatten, die die Bürger in Steglitz und Zehlendorf bewegen. Auch direkt aus dem Kiez heraus, aktuell, bürgernah und kritisch. Gerne laden wir auch Sie ein, das Portal gemeinsam mit uns weiterzuentwickeln und zu befüllen; auch die gesellschaftlichen Gruppen und Multiplikatoren sind aufgerufen, eigene Diskussionsbeiträge zu verfassen. Wenn Sie Lust haben, eigene Texte zu liefern, oder Anregungen zu kommunalpolitischen Themen haben, schreiben Sie uns gerne an: steglitz.zehlendorf@tagesspiegel.de

Ihr Team von Tagesspiegel Steglitz-Zehlendorf

3 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben