Passenger in Zehlendorf : We've got holes but we carry on

Der Ballast vom Tag, unser Autor läuft ihn klein, im filmkulissenhaften Fischtal, bei Mondschein und mit den Songs von Passenger. Es ist ein Liebestext geworden, weil Zeit war, um sich umzuschauen in den Straßen von Zehlendorf. Und jetzt: ruhig atmen.

Michael Rosenzweig
Michael Rosenzweig lebt mit seiner Familie in Zehlendorf
Der Autor Peter Rosenzweig lebt in ZehlendorfFoto: privat

Die Turnschuhe an und los, hinein in die Straßen von Zehlendorf, die Dämmerung hat eingesetzt, kurz nach 21 Uhr, verlassene Wege, Lichter in den Häusern, die Musik läuft über die Kopfhörer ins Ohr, lässt die Füße laufen. Läuft sich gut so. Milinowskistraße, Schützallee, hinein ins Fischtal, fast menschenleer, traumhaft schön trotz Hundekots. Im Kopf singt Mike Rosenberg ("Passenger") und bewegt Körper und Geist.

"We're born with millions
Of little lights shining in the dark
And they show us the way
One lights up, every time you feel love in your heart
One dies when it moves away"

(All the little lights)

Ein Pärchen läuft vorbei, Hand in Hand, bestimmt schon über 70, romantisch, doch, doch. Einmal links herum und die leichte Steigung mitgenommen, Grillgeruch, ein leises Tuscheln aus den Gärten, die Sommerhitze ist vorbei, die Abendkühle legt sich jetzt schon intensiver auf die Haut, läuft sich immer noch leicht in den Straßen und Parks von Zehlendorf. Hinten räumen die letzten Teams die flutlichtbeleuchteten Plätze von Hertha 03.

"They came, thousands from far away
They came a sunny day
I tried to introduce him
Now I'm talking to myself
I tried to introduce him
Now I am the one talking to myself"

(Circles)

Ein paar Jugendliche hocken noch herum, kein Alkohol, die Mülleimer heute ordentlich gefüllt, dem Obdachlosen von hier, Stammgast, ist die Bank jetzt schon zu kalt, einmal über die Riemeister drüber, hinein in den Osten des Parks, geliebte Hunde, seufz, sind auch noch da, junges Pärchen sitzt und redet ernst, geknutscht wird nicht, einsamer Mann am Spielplatz, schaut aufs IPhone, spielt was.

"Well I hate pointless status updates on Facebook
FYI we were never ‘m8’s
We pretend to be friends on the internet
When in real life, we have nothing to say
To each other, oh brother I have love for my mother
For good times, for music and my mates
Yeah I laugh, and live and I have love to give
But sometimes all you can do is hate"

(I hate lyrics)

Herrliche Luft, im Winter tat die Atmung noch weh, der halbe Mond scheint vom dunkler werdenden Himmel, eine Film-Kulisse, Michael Ballhaus wohnt ja am Mexikoplatz, ein paar Kilometer weiter, aber die Form stimmt noch nicht, 45 Minuten müssen reichen, für heute, komisch, der Zahnarzt oben rechts arbeitet ja noch, leerer 118er kommt vorbei, und die Villa Calé verliert Jahr für Jahr ein Stück Erhabenheit, zerfällt vor sich hin, ein Wachschutz passt auf, aber die Eigentümer…, schweigen.

"Well sometimes you can't change and you can't choose
and sometimes it seems you gain less than you lose

now we've got holes in our hearts, yeah we've got holes in our lives
well we've got holes, we've got holes but we carry on"

(Holes)

Geht jetzt besser, ein bisschen befreit vom Alltagsballast, freigelaufen, Passenger gehört, und jeden Song genossen. Ist wohl ein Liebestext geworden, das hier. In meinem Zehlendorf.

Der Autor lebt mit seiner Familie in Zehlendorf. Der Text erscheint auf dem Zehlendorf Blog, dem Online-Magazin des Tagesspiegels.

 




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