Saisonales Hundeverbot an Zehlendorfer Seen : Krumme Lanke: Hund verursacht Unfall mit Spaziergängerin

Trotz oder wegen des Hundeverbots? Hund verursacht am Ufer der Krummen Lanke einen Unfall mit Knochenbruch.

Maike Edda Raack
Umstritten: Frei laufende Hunde am Schlachtensee und an der Krummen Lanke - wenn sie Wasser wittern, gibt es kein Halten mehr.
Umstritten: Frei laufende Hunde am Schlachtensee und an der Krummen Lanke - wenn sie Wasser wittern, gibt es kein Halten mehr.Foto: Imago Sportdienst

Es ist der Tag vor Himmelfahrt, viele Spaziergänger sind bei den frühlingshaften Temperaturen unterwegs. Seit drei Wochen gilt das saisonale Hundeverbot an Schlachtensee und Krummer Lanke, und doch: Drei der eigentlich verbannten Vierbeiner tollen im Wasser der Krummen Lanke. Ihr Herrchen pfeift sie vom oberen Uferweg aus zurück, die Hunde gehorchen; das Rudel rennt die Böschung hinauf, stößt dabei eine ältere Spaziergängerin um. "Ich war mit vier Freunden aus den USA spazieren", sagt Helgard Reddemann dem Tagesspiegel Steglitz-Zehlendorf. "Es ging so schnell, die Hunde rannten wie verrückt los - und dann lag ich da schon. Ich konnte erstmal gar nicht aufstehen, meine linke Schulter und meine Hüfte waren geprellt." Reddemann ist selbst Ärztin und kann daher genau beurteilen, was eine Prellung ist; sie spürt, dass mit ihrem Bein etwas Schlimmeres passiert sein könnte. "Der Herr entschuldigte sich mehrfach und half mir auf, er gab mir gleich seine Visitenkarte und wollte auch einen Krankenwagen holen. Aber meine Freunde stützten mich ja, es ging erstmal auch ohne Rettungsdienst."

Zuhause angekommen schwillt der Fuß von Frau Reddemann an, sie kühlt ihn mithilfe einer befreundeten Kollegin und nimmt Schmerzmittel. Die Schmerzen und die Schwellung lassen nicht nach, und so geht sie zum Orthopäden. Der macht einen Ultraschall und schickt sie zur Magnetresonanzaufnahme. Dort zeigt sich: Ein Stück vom linken Sprunggelenk ist abgesplittert, ein Band gerissen und weiteres Band angerissen. "Mein Orthopäde sagte mir, das könne schon drei Monate dauern, bis ich wieder meine Runde um die Krumme Lanke laufen kann." Inzwischen ist das Bein mit einem Stützverband ruhig gestellt. Sie könne damit nur eingeschränkt laufen und viele Pläne, auch mit ihren amerikanischen Besuchern, nun nicht umsetzen, bedauert Frau Reddemann.

Hunde zwischen den Badegästen: Solche Szenen soll es dank des saisonalen Hundeverbots vom 15. April bis 15. Oktober am Schlachtensee und an der Krummen Lanke nicht mehr geben
Hunde zwischen den Badegästen: Solche Szenen soll es dank des saisonalen Hundeverbots vom 15. April bis 15. Oktober am...Foto: Cay Dobberke

In der Zwischenzeit hat sie die Handynummer des Hundehalters gewählt und eine Nachricht mit der Bitte um Rückruf hinterlassen, aber seither noch nichts von dem Herrn gehört.

Sie setzt sich an den Computer und sucht seinen Namen im Internet - und findet dort viele Einträge, viele davon von ihm selbst verfasst. "Ich sah einen alten Bekannten wieder", lacht Reddemann, "mit seinen Labradoren." Sie habe den Tagesspiegel informieren wollen, weil sie finde "wenn jemand so aktiv die Medien für seine Interessen nutzt, dann muss auch etwas von der anderen Seite kommen."

Der Hundebesitzer ist Ulrich Hansbuer, der auch vielen Lesern des Tagesspiegel Steglitz-Zehlendorf als Autor bekannt ist. Er hat nichts dagegen, dass sein Name nun in diesem Zusammenhang genannt wird. "Das war ein dummer Zufall, dass der Hund die Dame umgerannt hat", sagt er dem Tagesspiegel Steglitz-Zehlendorf. "Ich war an dem Tag mit einem Bekannten und insgesamt drei Hunden auf dem oberen Uferweg spazieren. Aber wenn die Wasser riechen und sehen, dass andere Hunde im Wasser sind, dann gibt es kein Halten mehr. Schon waren die unten am Wasser. Als ich nach den Hunden gerufen habe, sind sie aber aus dem Wasser raus." Dabei habe einer der Hunde Helgard Reddemann umgeworfen. "Ich habe mich 1000 Mal bei der Dame entschuldigt und wollte ja auch den Krankenwagen holen, aber sie ist aufgestanden und mit ihren Begleitern weiter gelaufen." Er habe auch kein Humpeln feststellen können. "Sie hat einen Schrecken gehabt, aber den hatte ich natürlich auch." Er wundere sich, dass sie sich an den Tagesspiegel wende, ohne sich bei ihm direkt zu melden. "Ich habe nichts gehört von ihr, bis heute kam kein Anruf, von einer Anzeige weiß ich nichts." Frau Reddemann solle sich auf jeden Fall bei ihm melden.

"Das wäre ohne das saisonale Hundeverbot nicht passiert"

Die Autorin

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Allerdings sei ihm klar: "Das wäre nicht passiert, wenn ich, wie der Kompromiss das vorgesehen hatte, mit den Hunden angeleint am Ufer spazieren gehen könnte. Das Hundeverbot ist ganz klar ein Problem für das Auslaufgebiet. Sonst könnte ich die Hunde mit der Leine direkt ans Wasser führen, ohne dass sie sich oben auf dem Weg losreißen und die ganze Böschung runter ans Ufer rennen." Er trete deshalb auch als Kläger gegen das derzeit geltende saisonale Hundeverbot ein.

Grünen-Stadträtin Christa Markl-Vieto, die gemeinsam mit dem Umweltamt des Senats das Hundeverbot durchgesetzt hatte, sagt dazu: "Wenn man einen Hund hat, muss man auch an die Mitmenschen denken. Niemand kann sich entspannt am Ufer aufhalten, und gerade Kinder können dort nicht locker spielen, wenn da so ein Vieh angelaufen kommt. Das ist eine Frage der Fairness. Hundebesitzer müssen auf dem oberen Weg ihre Hunde immer in ihrem Einflussbereich halten. Wenn sie das nicht können, müssen sie eben eine Leine nehmen."

"Wegen solcher Vorfälle gibt es das Theater um die Hunde"

Helgard Rennemann jedenfalls sagt, sie sei auch nach dem Unfall kein Hundefeind. "Aber es störte mich schon, wenn ich im See schwamm und jemand sein Stöckchen in meine Richtung warf. Und genau wegen solcher Vorfälle gibt es das Theater um die Hunde an der Krummen Lanke und am Schlachtensee." Noch am selben Tag habe sie Anzeige erstattet und werde ihren Anwalt einschalten. "Meine Besucher aus San Francisco", sagt Frau Reddemann noch zum Abschluss des Gesprächs, "gehen gern im Golden Gate Park joggen, denn dort sind Hunde verboten." Und dann sagt sie lachend: "Sie meinten zu mir, wenn das in den USA passiert wäre, könnte ich auf fünf Millionen Dollar Schmerzensgeld klagen."

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