Schüler und Jugendliche über die Bundestagswahl : "Die Wahl ist Geschichte, mein Interesse an Politik geweckt!"

Und wie haben Schüler und Jugendliche die Bundestagswahl erlebt? Wir haben einige gebeten, ihre Erfahrungen für den Zehlendorf Blog aufzuschreiben.

Kukuuk...Hallo, wollen jetzt mal reden? Peer Steinbrück und Angela Merkel aus dem Jahr 2005.
Kukuuk...Hallo, wollen jetzt mal reden? Peer Steinbrück und Angela Merkel aus dem Jahr 2005.Foto: dpa

"Der Kopf dröhnt, der Mund ist trocken, aber aufstehen muss ich trotzdem - Stichwort: Bundestagswahl. Wählen gehen, geht nämlich auch verkatert, und unter anderem deswegen verstehe ich nicht, warum so viele dieses Privileg unserer Demokratie nicht nutzen. Denn es ist ja nicht so, als wäre der Gang zur Urne mit einem besonders großen Aufwand oder weiten Weg verbunden. Das Wahllokal in meinem Einzugsbereich befindet sich in meiner alten Grundschule, keine zehn Gehminuten von zu Hause entfernt. Die Wahlhelfer sind meine ehemaligen Grundschullehrer, bei denen ich Lesen und Schreiben gelernt habe und die an diesem Wahlsonntag nahezu verblüfft wirken, wie groß und erwachsen ihre ehemaligen Schülerinnen und Schüler geworden sind. So erwachsen, dass sie jetzt wählen dürfen – die Bundestagswahl ist eine Premiere für mich und meine Freunde. Nach dem Gang ins Wahllokal geht es zum Frühstücken ins Tomasa. Die Potsdamer Chaussee runter bis nach Zehlendorf Mitte lächeln mir Karl Georg Wellmann, CDU-Wahlkreisabgeordneter, und Ute Finckh-Krämer, Wellmanns Gegnerin aus der SPD, abwechselnd von den Wahlplakaten entgegen. Wird mit dem Abhängen der Plakate nun auch mein politisches Interesse ein Stück weit erlöschen? Ich hoffe nicht. Mindestlohn, Mietbremse und Maut sind Themen, zu denen ich eine klare Meinung habe und deren politische Abhandlung ich auch in Zukunft verfolgen werde. Meine erste Bundestagswahl ist Geschichte – mein Interesse für Politik hingegen wurde gerade erst geweckt."

Nora Tschepe-Wiesinger, 19, Erstwählerin

"Angeber" Merkel hat gewonnen

"Ich habe verloren, aber mein Vater sagt, das war auch abzusehen. Und ich wollte eigentlich auch gar nicht wetten, denn wählen darf ich ja sowieso noch nicht. Aber mein Bruder liebt Wetten, er wird bald vier Jahre. Und auf der Straße hat er diese Plakate gesehen, mit Angela Merkel und Peer Steinbrück, mein Bruder hat immer "Angeber Merkel" gesagt, aber das war wohl nicht politisch gemeint, nur ein kleiner Sprachfehler. Als er den Namen dann richtig aussprechen konnte, hat er die ganze Zeit genervt, "Angela Merkel", "da ist Angela Merkel". Und ich musste wetten. Klar, er war für die, und ich musste für Peer Steinbrück sein, dabei heißt mein Bruder selbst Peer. Mein Vater hat gesagt, es sei aber nicht so schlimm, dass ich verloren habe. Denn der Peer wird jetzt mit der Angeber, ähm, Angela Merkel verhandeln, denn die kann nicht alleine regieren. Blöd nur, dass mein Bruder das noch nicht kapiert."

Justus Lehmann, 8 Jahre, Nord-Grundschule

In Izmir war die Wahl kein Thema in der Schule

 "Also ich habe hier in Izmir nicht so viel mitbekommen, viel wichtiger war gestern Abend natürlich das Stadtderby in Istanbul, Galatasaray gegen Beşiktaş, vor allem die Ausschreitungen danach. Ich habe die Bundestagswahl abends dann noch gegoogelt und mir die Ergebnisse und Artikel auf Spiegel online durchgelesen. Ich habe keine Nachrichten geguckt. Jedenfalls war Merkel heute mit einem hübschen Blumenstrauß auf der Titelseite der Hürriyet und Sabah. Bei mir in der Schule hier in der Türkei war die Wahl am Morgen natürlich kein Thema."

Meltem Ohle, 16, Droste-Hülshoff-Gymnasium, zurzeit zehn Monate in Izmir/Türkei.

Schwarz-Grün wäre interessant

"Zum Glück hat die CDU nicht die absolute Mehrheit bekommen und muss mit den anderen Parteien über eine Koalition verhandeln. Meiner Ansicht nach ist es besser, wenn nicht eine Partei alleine die Regierung stellt, sondern Kompromisse mit anderen eingehen muss. Ich fände Schwarz-Grün eine interessante Kombination, da so ein frischer Wind in die Regierungsmannschaft kommen könnte. Auch wenn ich überhaupt kein FDP-Anhänger bin, finde ich es bedenklich, dass sie nicht mehr im Bundestag repräsentiert wird - schließlich vertritt sie die Ansichten einer ganzen Berufsgruppe, welche auch Stimmen im Bundestag haben sollte."

Kira Feldt, 17, plädiert für das Wahlrecht mit 16.

Diskussionen beim Frühstück

"Ich bin gerade auf Kursfahrt in Genf, und hier wurde gestern den ganzen Tag über die Bundestagswahl diskutiert, die vorläufigen Wahlergebnisse im Livestream verfolgt und darüber gesprochen, ob einige Parteien es noch in den Bundestag schaffen würden. Natürlich gab es verschiedene Reaktionen auf die Ergebnisse, und auch heute morgen beim Frühstück waren die Wahlen das Gesprächsthema."

Robert Moleda, 16, Werner-von-Siemens-Gymnasium.




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