Schulessen: In Zehlendorf ist der Ärger besonders groß : Das schmeckt keinem!

Die John-F.-Kennedy-Schule wollte ihren bisherigen Caterer „Greens Unlimited“ behalten, muss sich aber stattdessen mit einem umstrittenen Großanbieter abfinden. Die Eltern im Bezirk sind empört, zumal noch eine andere Zehlendorfer Schule betroffen ist.

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Tja, mundet es oder mundet es nicht... Das ist hier die Frage. Die wir beim besten Willen nicht beantworten können.
Tja, mundet es oder mundet es nicht... Das ist hier die Frage. Die wir beim besten Willen nicht beantworten können.Foto: Thilo Rückeis

Von „komplett paradox“ bis „äußerst problematisch“ reichen die Kommentare von Berliner Eltern über das neue Verfahren bei der Auftragsvergabe zum Schulessen. Nachdem durch Recherchen des Tagesspiegels bekannt wurde, dass ab Februar rund 30 Schulen nicht vom gewünschten Caterer versorgt werden, ist insbesondere die Rolle der Ersatzjurys in die Kritik geraten. Als erstes hat sich der Bezirkselternausschuss Steglitz-Zehlendorf mit der Kritik befasst.


Hier ist der Ärger besonders groß, weil sich die John-F.-Kennedy-Schule sorgfältig auf die Essensverkostung vorbereitet hatte, um dann von der Ersatzjury des Bezirksamtes überstimmt zu werden. „Da geht ein Aufschrei durch die Schule“, beschreibt Gesamtelternsprecherin Katja Hippler-Gromis die Empörung. Sie fragt sich, wie es sein kann, dass eine zufällig zusammengewürfelte Jury mehr Gewicht haben kann als die Angehörigen der Schule. „An dem Verfahren kann etwas nicht stimmen“, steht für die Elternvertreterin fest.

Die John-F.-Kennedy-Schule wollte ihren bisherigen Caterer „Greens Unlimited“ behalten, muss sich aber stattdessen mit dem umstrittenen Großanbieter Sodexo abfinden. Der geschäftsführende Direktor Reinhard Roth spricht von einem „absurden Vorgang“. Ähnlich erging es der Schweizerhof-Grundschule in Zehlendorf.

Nach Schätzungen der Elternschaft haben rund 30 Schulen nicht den gewünschten Caterer bekommen. Grund für das Übergehen des Schulvotums ist das Vergaberecht: Um erfolgreiche Klagen unterlegener Bewerber zu vermeiden, muss das Votum möglichst objektiv nachvollziehbar sein. Zu diesem Zweck hatte die Senatsverwaltung für Bildung zusammen mit Eltern und Juristen ein ausgeklügeltes Verfahren entwickelt.

Wie berichtet, wird das Schulvotum ignoriert, wenn es zu stark vom Votum der neutralen Bezirksjury abweicht. Damit soll dem Ausschreibungsrecht genüge getan werden. Zwar wurden die Schulen vorher über diese Gefahr informiert. In der Praxis erweist sich diese Vorschrift allerdings als tückisch. Selbst sorgfältig vorbereiteten und akademisch gebildeten Schulvertretern ist es häufig nicht gelungen, diese Klippe des Ausschreibungsverfahren zu umschiffen, was an einem komplizierten Punktesystem liegt.

Eine schlechte Erfahrung, auch für Schüler

Die Schulen bezweifeln zudem, dass die Ersatzjurys für die Aufgabe genügend vorbereitet sind. Denn in den Bezirken wird berichtet, dass die Mitglieder der Ersatzjurys zum Teil „hastig und willkürlich zusammengesucht“ wurden. „Es kam dann mit, wer gerade Zeit hatte“, erzählt ein Mitarbeiter. Im Gegensatz dazu seien die Schuljurys bestens informiert gewesen. Das Ganze sei auch für die Schüler eine „schlechte Erfahrung“, die sich bereit erklärt hatten, bei den Probeverkostungen mitzumachen, bedauert Elternsprecherin Hippler-Gromis. Jetzt müssten sie erfahren, dass ihre Meinung gar nicht zähle und aufgrund von Formalitäten ausgehebelt werde.
„Wir wollten, dass jede Schule den Caterer unbürokratisch bekommt, den sie haben will. Das hätte man sicher besser lösen können – mit einem Verfahren, dass verständlich ist“, kritisiert auch Rolf Hoppe, Geschäftsführer beim Anbieter Luna und Sprecher des Berliner Catererverbandes.

Die Autorin ist Redakteurin in der Berlin-Redaktion des Tagesspiegels. Der Text erscheint auf dem Zehlendorf Blog, dem Online-Magazin aus dem Südwesten.

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