Stadtbibliothek Steglitz-Zehlendorf : Die Tücken der Onleihe überwinden

Viele Medien der öffentlichen Büchereien in Berlin lassen sich online ausleihen, einige Nutzer haben aber Probleme mit der Technik. Deshalb gibt es in Steglitz nun Sprechstunden zur „Onleihe“.

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Die Ingeborg-Drewitz-Bibliothek an der Steglitzer Schlossstraße.
Die Ingeborg-Drewitz-Bibliothek an der Steglitzer Schlossstraße.Foto: Anett Kirchner

Print oder Digital? Mit oder ohne E? Diese Frage stellt sich heutzutage dem geneigten Leser, Zuschauer und Hörer. E-Book, E-Audio, E-Music, E-Video und E-Paper: elektronische Medien sind inzwischen alltäglich. Und auch die Bibliotheken in Berlin haben sich darauf eingestellt. Unter der Internet-Adresse www.voebb24.de können Nutzer digitale Medien online ausleihen – in der so genannten Onleihe. Solange es funktioniert, eine feine Sache.

Doch was tun, wenn der E-Book-Reader streikt, eine Datei nicht gelesen wird oder sich das Programm ständig aufhängt? In der Ingeborg-Drewitz-Bibliothek an der Steglitzer Schlossstraße gibt es jetzt eine Sprechstunde für Nutzer, die Fragen zur Onleihe haben: jeweils am ersten Montag im Monat von 11 bis 12.30 Uhr und am dritten Montag im Monat von 16 bis 17.30 Uhr.

„Wenn Sie den Titel herunter geladen haben, schließen Sie ihren Reader an den PC an und ziehen die Datei auf den Reader“, erläutert Volker Witt und macht es auf dem Laptop vor. Das sei für insgesamt sechs mobile Endgeräte möglich. Die Dame neben ihm, die sehr ernst schaute, wirkt erleichtert. „Das ist einfacher als ich dachte“, freut sie sich. Witt ist IT-Systembetreuer in der Stadtbibliothek Steglitz-Zehlendorf. Gemeinsam mit seinen Kollegen Miriam Sammet und Kaj Marschall kümmert er sich an diesem Montagvormittag um die Besucher der Sprechstunde.

Probleme mit dem Kopierschutz

Doch auch ihnen sind Grenzen gesetzt. Bei einer anderen Nutzerin zum Beispiel stoßen sie auf ein nicht zu lösendes Problem. „Wir haben es mehrfach versucht und alles richtig gemacht“, stellt Miriam Sammet fest. Trotzdem funktioniere das Hörbuch auf dem MP3-Player nicht.

Vermutlich ist der Player nicht DRM-fähig, nimmt Volker Witt an. DRM steht für Digital Rights Management, die Verwaltung digitaler Rechte. Ein wichtiges Thema in diesem Bereich, denn alle Dateien, die über diese Plattform online ausgeliehen werden können, haben einen Kopierschutz. Nicht jeder Player oder Reader ist in der Lage, diese Dateien zu lesen.

Miriam Sammet (links) von der Stadtbibliothek Steglitz-Zehlendorf beantwortet Fragen in der Sprechstunde.
Miriam Sammet (links) von der Stadtbibliothek Steglitz-Zehlendorf beantwortet Fragen in der Sprechstunde.Foto: Anett Kirchner

„Die Technik hat eben manchmal auch ihre Tücken“, gibt Sammet zu. Deshalb glaube sie nicht, dass die digitalen Medien eines Tages die analogen vollständig ersetzten. Man werde sie parallel nutzen; sozusagen als Ergänzung. Ihr Kollege Witt sieht das ähnlich: „Denn es ist schön, ein Buch in der Hand zu halten, damit draußen zu sitzen und die Sonne blendet nicht im Bildschirm.“

Das Interesse wächst

Trotzdem: Die Ausleihzahlen nehmen zu. Waren es im Jahr 2011 noch etwa 139.000 digitale Medien, die berlinweit in den Bibliotheken ausgeliehen wurden, so stiegen die Zahlen im Jahr 2014 auf rund 473.000. Die Ausleihfristen bei den meisten elektronischen Medien liegen bei zwei Wochen. Danach lässt sich das Dokument nicht mehr öffnen.

Bevor ein Leser oder User das Angebot überhaupt nutzen kann, sind zwei Schritte nötig. Auf dem Laptop, Tablet oder Computer muss das Programm Adobe Digital Editions eingerichtet werden. Wer online etwas ausleihen möchte, muss sich dann mit der Nummer seines Bibliothekausweises und einem Passwort anmelden. Im nächsten Schritt braucht der Nutzer noch eine eigene Adobe-ID. Erst damit ist er autorisiert, urheberrechtlich geschützte Medien zu nutzen.

Die Autorin

ist freie Journalistin, wohnt in Steglitz-Zehlendorf, und schreibt regelmäßig für den Tagesspiegel-Zehlendorf. Folgen Sie Anett Kirchner auf Twitter. Weitere Texte von Anett Kirchner finden Sie hier.

„Zu diesen Punkten gab es jedoch häufig Fragen bei den Kollegen an der Information in unserer Bibliothek, die aber nicht nebenbei erklärt werden konnten“, erinnert sich Witt. Deshalb biete man nun die Sprechstunden an. Wer sich den Weg nach Steglitz sparen möchte, findet aber auch online Hilfe: Auf der Voebb24-Seite erklären Tutorials mit Videos die Onleihe.    

Zum Schluss zeigt Volker Witt noch einen weiteren Online-Service der Öffentlichen Bibliotheken in Berlin. Das Munzinger-Archiv (www.munzinger.de) ist eine ständig aktualisierte Datenbank, auf die Bibliotheknutzer kostenlos zugreifen können. Hier gibt es zum Beispiel Informationen zu Persönlichkeiten, Ländern, Musik, Literatur und Geschichte. „Vor allem sind es gesicherte und geprüfte Informationen“, betont Witt. Für Schüler und Studenten sei das richtig gut. Und ferner gibt es auf der Seite auch einen PressReader, mit dem zum Beispiel die Print-Ausgabe des Tagesspiegels gelesen werden kann. Eine feine Sache also…

Die nächste Onleihe-Sprechstunde in der Ingeborg-Drewitz-Bibliothek, Grunewaldstraße 3 in Steglitz, findet am Montag, 20. Juni, von 16 bis 17.30 Uhr statt.

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