Steglitz-Zehlendorf: Wird Schwimmen zum Luxus? : Jetzt auch Parkgebühren am Stadtbad Lankwitz

Schwimmen gehen ist in Berlin für Familien mit mehreren Kindern schon teuer, jetzt müssen die Besucher des Stadtbads Lankwitz in Steglitz-Zehlendorf neuerdings auch noch Parkgebühren zahlen. Unsere Reporterin hat eine fassungslose Familie getroffen.

Anett Kirchner
Fassungslos. Familie Brumm vor dem neuen Parkgebührenschild am Stadtbad Lankwitz.
Fassungslos. Familie Brumm vor dem neuen Parkgebührenschild am Stadtbad Lankwitz.Foto: Anett Kirchner

Wer es sich finanziell leisten kann, wird auch künftig die öffentlichen Berliner Bäder besuchen können. Wer nicht, für den wird Schwimmen zum Luxus. Das befürchten Elke und Christof Brumm aus Lichterfelde, die regelmäßig mit ihren beiden Kindern ins Stadtbad Lankwitz schwimmen gehen. Zusätzlich zu den neuen Eintrittspreisen mit Beginn des Jahres erwartete die Familie kürzlich auf dem Parkplatz vor der Schwimmhalle eine Überraschung. Parkgebühren. Für zwei Stunden Parkzeit zahlen Schwimmbadbesucher dort seit kurzem 1,50 Euro.

Familie Brumm ist fassungslos. Ein 120-minütiger Besuch im Stadtbad Lankwitz kostet den beiden Erwachsenen mit zwei Kindern jetzt inklusive Parkgebühren 21 Euro, zuvor waren es 13 Euro. „Wir kennen keinen Bereich, der solche extremen Preissteigerungen vornimmt“, sagt Elke Brumm.

Eine direkte BVG-Anbindung fehlt

Schwimmen sei doch kein Luxus, sondern eine gesunde Sportart. In einer Gesellschaft mit einer steigenden Zahl an übergewichtigen Kindern und Senioren, die immer älter werden und sich länger fit halten müssen, sei Breitensport wichtig. So sehen das die Brumms. Und wenn weniger Menschen schwimmen gehen, werde sich das mittelfristig rächen, weil die Kosten im Gesundheitswesen steigen. Es sei Aufgabe des Staates, die Bäder für die Öffentlichkeit zugänglich zu halten, um Gesundheitsschäden vorzubeugen.

Der Gesamtpreis von 21 Euro bei Familie Brumm setzt sich wie folgt zusammen: Die Familienkarte nach neuem Tarif kostet 11,50 Euro, pro Person kommt ein Zuschlag von zwei Euro hinzu, denn das Stadtbad Lankwitz gehört zu den freizeitorientierten Schwimmhallen in Berlin. Der Eintritt addiert mit den Parkgebühren ergibt die besagte Summe. „Als Familie haben wir viele, große Taschen und fahren deshalb gern mit dem Auto zum Bad, noch dazu eine direkte BVG-Anbindung fehlt“, erklärt Brumm.

Teures Vergnügen. 21 Euro inklusive Parkgebühren zahlt eine vierköpfige Familie neuerdings für einen Besuch im Stadtbad Lankwitz.
Teures Vergnügen. 21 Euro inklusive Parkgebühren zahlt eine vierköpfige Familie neuerdings für einen Besuch im Stadtbad Lankwitz.Foto: Anett Kirchner

Die Parkgebühren werden nicht von den Berliner Bäder-Betrieben (BBB) erhoben, sondern von einem Pächter, teilt BBB-Sprecher Matthias Oloew mit. Der Pächter schultere im Gegenzug die Kosten für die Bewirtschaftung des Parkplatzes. „Diese Kosten, wie zum Beispiel Reparaturen und Winterdienst, müssen künftig nicht mehr aus dem steuerfinanzierten Zuschuss für den Betrieb der Bäder finanziert werden“, erklärt Oloew.

Elke und Christof Brumm befürchten jedoch, dass unter dem Strich die BBB von den Preiserhöhungen profitieren. Es liege doch auf der Hand, dass die Einnahmen gesteigert werden sollen. „Man sammelt schon einmal Geld für den Bau der neuen Spaßbäder“, sagen sie.

Bäder-Sprecher empfiehlt anderen Standort

Wenn sich die Tarife ändern, argumentiert BBB-Sprecher Oloew, geschieht das, um die steigenden Kosten für Energie und Gehälter aufzufangen. „Der Betrieb von Schwimmbädern ist hoch defizitär“, schildert er. Deshalb werde in Berlin jeder Schwimmbadbesuch durchschnittlich mit 8,50 Euro aus Steuergeldern bezuschusst. „Darüber hinaus sollen alle Kosten, die nicht unmittelbar zum Schwimmbadbetrieb gehören, durch zusätzliche Einnahmen aufgefangen werden, wie zum Beispiel durch Parkgebühren“, sagt Oloew.

Matthias Oloew, Sprecher der Berliner Bäder-Betriebe
Matthias Oloew, Sprecher der Berliner Bäder-BetriebeFoto: Mike Wolff

Außerdem seien die Tarife für die Schwimmbadnutzung nicht durchgehend angehoben worden. Kinder unter fünf Jahren bezahlten jetzt beispielsweise keinen Eintritt und für Schwimmer im ermäßigten Tarif koste der Eintritt zu bestimmten Tageszeiten zwei Euro statt bisher 2,80 Euro. Schwimmbadbesuchern wie Familie Brumm, die gern kostenfrei parken und preisgünstig schwimmen möchten, empfiehlt er die Schwimmhalle Hüttenweg in Zehlendorf oder das Kombibad Mariendorf, wo zwei Erwachsene und zwei Kinder für 11,50 Euro schwimmen können.

„Der Verweis auf andere Bäder hinkt, weil das Bad am Hüttenweg völlig unattraktive Öffnungszeiten hat“, sagt Elke Brumm. Es ist montags, dienstags, donnerstags und freitags beispielsweise von 6 bis 8 Uhr geöffnet, mittwochs von 16 bis 22.30 Uhr. Und die Entfernung für Menschen aus Steglitz-Zehlendorf zum Bad in Mariendorf sei für regelmäßige Schwimmer nicht attraktiv. „Breitensport heißt auch, dass er einfach zu betreiben sein muss“, findet Brumm.

Anett Kirchner ist freie Journalistin und bloggt seit Januar 2014 auch für den Zehlendorf Blog des Tagesspiegels
Anett Kirchner ist freie Journalistin und bloggt seit Januar 2014 auch für den Zehlendorf Blog des Tagesspiegels, außerdem...Foto: privat

Außerdem empfindet die Familie aus Lichterfelde die Zuschusspolitik des Senats als ungerecht und nicht nachvollziehbar. Medienberichten zufolge werde eine Opernkarte der Berliner Staatsoper mit 257 Euro bezuschusst, in der Deutschen Oper seien es 180 Euro und im Deutschen Theater 134 Euro. Ein Besuch im Schwimmbad hingegen werde mit 8,50 Euro unterstützt. „Da stimmen die Relationen nicht“, sagt Brumm.

Die Autorin ist freie Journalistin und schreibt unter anderem für die Evangelische Wochenzeitung "dieKirche". Der Text erscheint auf dem Zehlendorf Blog, dem Online-Magazin des Tagesspiegels.




Liebe Leserinnen, liebe Leser,

willkommen im Tagesspiegel Steglitz-Zehlendorf. Unsere lokale Plattform ist offen für Debatten, die die Bürger in Steglitz und Zehlendorf bewegen. Auch direkt aus dem Kiez heraus, aktuell, bürgernah und kritisch. Gerne laden wir auch Sie ein, das Portal gemeinsam mit uns weiterzuentwickeln und zu befüllen; auch die gesellschaftlichen Gruppen und Multiplikatoren sind aufgerufen, eigene Diskussionsbeiträge zu verfassen. Wenn Sie Lust haben, eigene Texte zu liefern, oder Anregungen zu kommunalpolitischen Themen haben, schreiben Sie uns gerne an: steglitz.zehlendorf@tagesspiegel.de

Ihr Team von Tagesspiegel Steglitz-Zehlendorf

45 Kommentare

Neuester Kommentar