Streit um Neubauvilla in Steglitz-Zehlendorf : Gericht verbietet Sechsgeschosser am Wannsee

Ein Neubau mit sechs Etagen am Wannsee-Ufer? Das verletzt das „landschaftlich reizvolle Gesamtbild“, urteilt ein Richter. Das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf war bisher anderer Ansicht. Geklagt hatte ein benachbarter Yachtclub.

von
Das ehemalige Hotel Wannseeblick dämmert seinem Abriss entgegen.
Das ehemalige Hotel Wannseeblick dämmert seinem Abriss entgegen.Foto: Thilo Rückeis

So was nennt man Premiumlage. Blick über Wannsee und Havel, den S-Bahnhof in der Nähe, Marina vor der Tür. Das alte „Hotel Wannseeblick“ unweit der Wannseebrücke verfiel trotzdem zur Ruine. Auf den terrassenförmigen Etagen wachsen Bäume. Seit rund zehn Jahren steht das Haus leer, nun gibt es einen Investor und einen Architektenentwurf, doch das Verwaltungsgericht stoppte das Bauvorhaben, bevor es überhaupt begonnen hat.

Der Grund: Sechs Etagen hoch sollte das neue Gebäude in den Wannseehimmel ragen und damit rund acht bis zehn Meter über die Traufhöhe der umliegenden Villen und Bootshäuser hinaus. Das verletzt nach Ansicht des Gerichts das „landschaftlich reizvolle Gesamtbild des Gebietes“. Zudem gebe es einen Bebauungsplan, der nur zwei Geschosse vorsieht. „Das Urteil hat uns überrascht“, sagte Bauherr Abris Lelbach, der Chef des Industrieausrüsters Elpro in Marzahn. Die Fachjury im städtebaulichen Architekturwettbewerb sei zu einem anderen Ergebnis gekommen.

Geklagt hatte ein Nachbar, der Potsdamer Yachtclub. Der residiert in einem Gebäude von 1909 und möchte nicht, dass ein Neubau das Erbe der ehemaligen Villenkolonie Alsen verschandelt. Auch die geplante Baumasse würde die Szenerie erheblich beeinträchtigen, heißt es im Yachtclub. Gespräche mit dem Bauherren über eine einvernehmliche Lösung seien ohne Erfolg geblieben.

Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf hatte das Bauvorhaben bislang wohlwollend begleitet. Mitglieder des Bezirksamtes saßen in der Wettbewerbs-Jury. Auch der Architekt des Humboldtforums, Franco Stella, soll daran teilgenommen haben. Den prämierten Entwurf lieferte dagegen der Berliner Architekt Bernd Albers. „Es handelt sich um eine modernisierte Villenarchitektur“, sagt die Leiterin des Stadtentwicklungsamtes, Sabine Lappe. Die zusätzlichen Geschosse würden etwas zurückspringen, so dass größere Außenterrassen entstünden. Dieser Entwurf sei aus Sicht der Fachbehörde „gerade noch vertretbar“. Man werde jetzt Gespräche mit Bauherrn und Architekt führen, um die Planungen anzupassen.

Offen ist, ob Lelbach das Gerichtsurteil anficht. Beobachter vermuten, dass er einen hohen Kaufpreis für das Grundstück gezahlt hat, die Rede ist von drei Millionen Euro. „Wir haben mehr bezahlt“, sagte Lelbach. Entstehen sollen Wohnungen und Räume für die Lelbach-Stiftung. „Das ist kein Spekulationsobjekt“, beteuert der Bauherr. Auf dem 7000 Quadratmeter großen Grundstück stand nach Lelbachs Angaben im 19. Jahrhundert die Pension „Stimmings Krug“, in der Heinrich von Kleist und Henriette Vogel ihre letzte Nacht vor dem gemeinsamen Suizid verbrachten. Später gehörte das Areal zum weitläufigen Park des ersten Villenbesitzers am Wannsee, Wilhelm Conrad, der die Kolonie Alsen begründete.

Der Autor ist Reporter im Tagesspiegel-Ressort Berlin-Brandenburg. Der Text erscheint auf dem Zehlendorf Blog, dem Online-Magazin des Tagesspiegels.

Autor




Liebe Leserinnen, liebe Leser,

willkommen im Tagesspiegel Steglitz-Zehlendorf. Unsere lokale Plattform ist offen für Debatten, die die Bürger in Steglitz und Zehlendorf bewegen. Auch direkt aus dem Kiez heraus, aktuell, bürgernah und kritisch. Gerne laden wir auch Sie ein, das Portal gemeinsam mit uns weiterzuentwickeln und zu befüllen; auch die gesellschaftlichen Gruppen und Multiplikatoren sind aufgerufen, eigene Diskussionsbeiträge zu verfassen. Wenn Sie Lust haben, eigene Texte zu liefern, oder Anregungen zu kommunalpolitischen Themen haben, schreiben Sie uns gerne an: steglitz.zehlendorf@tagesspiegel.de

Ihr Team von Tagesspiegel Steglitz-Zehlendorf

10 Kommentare

Neuester Kommentar