Ulrich Eckhardt über die Glockenstraße : Gustav Mahler in Zehlendorf

Wie kam die Glockenstraße in Zehlendorf zu ihrem Namen, und was macht Gustav Mahler in Zehlendorf? Ulrich Eckhardt, lange Jahre Intendant der Berliner Festspiele, löst das Geheimnis für den Zehlendorf Blog auf.

Ulrich Eckhardt
Wie die Straße zu ihrem Namen kam: Gustav Mahler hilft dabei
Wie die Straße zu ihrem Namen kam: Gustav Mahler hilft dabeiFoto: Melanie Wagner, Evangelischer-Diakonieverein Zehlendorf

Nach dem Erfolg der Berliner Aufführung der Zweiten Symphonie in der Philharmonie bereitete Gustav Mahler seine Dritte Symphonie vor und war auf der Suche nach neuen Klangeffekten. Er reiste deswegen im Dezember 1895 von Berlin nach Zehlendorf zu einem damals renommierten Glockengießer.

"Um seine Werkstatt zu erreichen, muss man per Bahn ungefähr eine halbe Stunde weit fahren. In der Gegend des Grunewalds liegt sie. Ich machte mich nun in aller Frühe auf, und es war herrlich eingeschneit, der Frost belebte meinen herabgestimmten Organismus. Als ich in Zehlendorf, so heißt der Ort, ankam und durch Tannen und Fichten, ganz von Schnee bedeckt, meinen Weg suchte, alles ganz ländlich, eine hübsche Kirche im Winterschein fröhlich funkelnd, da wurde mir weit ums Herz, und ich sah, wie frei und froh der Mensch sofort wird, wenn er aus dem unnatürlichen und unruhevollen Getriebe der großen  Stadt wieder zurückkehrt in das stille Haus der Natur."

So lernen wir von Gustav Mahler, dass der Grunewald einst bis zum Gemeindewald reichte, das ganze Gebiet zwischen Krummer Lanke und Zehlendorf Mitte bewaldet war. Und so wird verständlich, dass sich hier eine Glockengießerei ansiedeln konnte, denn sie brauchte viel Holz vor der Tür.

Der Autor und Hobby-Historiker Ulrich Eckhardt.
Der Autor und Hobby-Historiker Ulrich Eckhardt.Foto: promo

Prof. Dr. Ulrich Eckhardt, geboren 1934 in Rheine (Westfalen), studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Freiburg und Münster, Klavier in Freiburg, Dirigieren in Berlin, leitete ab 1. Januar 1973 bis 31. Januar 2001 die Berliner Festspiele als Geschäftsführer und Intendant (u. a. die Berliner Festwochen, das Jazzfest, nach 1990 die Musikbiennale und das Theatertreffen sowie Ausstellungen im Martin-Gropius-Bau), war in der Spielzeit 1989/1990 zusätzlich Intendant der Berliner Philharmonie, lehrt Kulturpolitik als Professor im Institut für Kultur- und Medienmanagement an der Freien Universität Berlin und ist Ehrenmitglied des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin. Seit 2001 widmet er sich konzertierend dem Orgelspiel und der Kammermusik (Klavier und Cembalo). Er wohnt in Zehlendorf.

Der Text erscheint auf dem Zehlendorf Blog, dem Online-Magazin des Tagesspiegels.




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