Verpackt liegt er am Straßenrand : Kot oder Kunst: Der Christo der Kacka

Immer wieder liegen Kothaufen am Straßenrand - in Plastiktüten verpackt. In Zehlendorf sollen zwölf zusätzliche Abfalleimer aufgestellt werden, um die "Kunst" wegzupacken. Der Tagesspiegel Zehlendorf empfiehlt "Dogstations", wie sie in anderen Bezirken üblich sind.

Maike Edda Raack
Kunst vor der Kita. Allerdings muss man sehr lange hinschauen, um sie zu entdecken...
Kunst vor der Kita. Allerdings muss man sehr lange hinschauen, um sie zu entdecken...Foto: Raack

Da sind wohl seit geraumer Zeit Verpackungskünstler unterwegs, die im Wald und auf der urbanen Flur Akzente setzen wollen: An mehreren Straßenzügen in Wannsee, aber auch in Nikolassee und Zehlendorf Mitte sichten wir immer wieder schwarze, gern auch mal knallblaue Tütchen. Der dem Anschein nach knollige Inhalt ist mit einem Knoten abgedichtet. Die bunten Tupfer am Wegrand sind wochenlang exponiert, für alle Passanten (auf unserem Foto hier auch für den Kindergarten hinter dem Zaun) deutlich sichtbar. Straßenkunst aus Kot und Plastik. Eine Art Christo des Kots. Quasi Graffiti, das ganz ohne Sprühdose und Mauer auskommt. Und von Dauer ist: Plastiktüten verrotten bekanntlich nur sehr langsam.

Was wollen uns diese Menschen mitteilen?

Offenbar folgendes: Es ist unzumutbar für manche Hundebesitzer, die Häufchen von Bello und Co. bis zum nächsten Mülleimer oder gar bis nach Hause mitzunehmen. Wir fragen uns: An welchem Ort gibt es schon überall im Wald und an Straßenrändern Mülleimer? Werfen Sie Ihre Brotzeitbeutel und Trinkflaschen etwa auch an Ort und Stelle weg? Oder wickeln Sie sie vorher noch in Plastikhüllen?

Vor ein paar Tagen erreichte uns just zu dem Thema eine Pressemitteilung aus dem Bezirksamt: Hundekot müsse auch im Wald mitgenommen werden.

Bezirksstadträtin Christa Markl-Vieto wies darin auf Folgendes hin: „Auf öffentlichem Straßenland und in Grünanlagen muss Hundekot aufgenommen, in einer Tüte gesammelt und ordnungsgemäß z. B. in einem BSR-Papierkorb entsorgt werden. Das ist inzwischen bei vielen Hundebesitzern bekannt und wird auch vielfach praktiziert.“

Manchmal dürfen Hunde gar nicht... Mit Tüte oder ohne. Aber grundsätzlich gilt: Der Kot muss in die Tüte, und die Tüte muss entsorgt werden.
Manchmal dürfen Hunde gar nicht... Mit Tüte oder ohne. Aber grundsätzlich gilt: Der Kot muss in die Tüte, und die Tüte muss...Foto: dpa

In Zehlendorf, so schreibt das Bezirksamt weiter, stelle nun die BSR an zwölf Stellen am Übergang vom Wald zum Siedlungsgebiet zusätzliche orangefarbene BSR-Papierkörbe auf.

Liebes Bezirksamt: Mit zwölf zusätzlichen Abfalleimern wird niemand der Lage Herr werden. Unser Vorschlag: Schaut doch mal nach Charlottenburg oder Tempelhof, wie die Kollegen dort das Problem angehen. Dort sind viele so genannte „Dogstations“ aufgestellt: Der Hundedreck verschwindet in Recyclingtüten mit integrierter Kotschippe und ein geruchssicherer Abfallbehälter verwahrt die Hinterlassenschaften, bis die Berliner Stadtreinigung sie mitnimmt. Vielleicht wäre das eine Idee für unseren Bezirk mit den vielen Hundebesitzern und Hundeauslaufgebieten? Quasi als Geschenk an die Hunde und ihre Herrchen, die nun nicht mehr an Schlachtensee und Krumme Lanke dürfen.

Dogstation
Dogstation.Foto: dpa

Wahrscheinlich aber hofft Ihr ganz einfach auf eine Lösung, die sich ganz von selbst einstellt: Nämlich dann, wenn in der EU bis zum Jahr 2025 der Plastiktütenverbrauch auf 40 Beutel pro Jahr sinken soll. Dann spätestens müssen sich auch die Verpackungskünstler was anderes einfallen lassen.

Die Autorin ist Mitarbeiterin im Tagesspiegel. Der Text erscheint auf Tagesspiegel Zehlendorf, dem lokalen Online-Portal aus dem Berliner Südwesten.

 




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