Wie Rosemarie Mette Bedürftigen hilft : 20 Jahre Suppenküche in Zehlendorf

Seit 20 Jahren gibt es in der Pauluskirche in Zehlendorf Mitte im Winter eine warme Mahlzeit für die Bedürftigen. Rosemarie Mette vom Diakonischen Werk koordiniert das Angebot und kümmert sich darüber hinaus um viele Menschen, denen es schlecht geht.

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Soziale Engel. Rosemarie Mette (links) und Margot von Schmettau sind in der Suppenküche der Pauluskirche aktiv und gehören seit vielen Jahren zu den Menschen, die Bedürftigen im Bezirk zur Seite stehen.
Soziale Engel. Rosemarie Mette (links) und Margot von Schmettau sind in der Suppenküche der Pauluskirche aktiv und gehören seit...Foto: Anett Kirchner

Vielleicht kommt das größte Kompliment für ihre Arbeit von Peter, einem Mann, der seit zehn Jahren in Zehlendorf auf der Straße lebt. Aber es geht ihm, den Umständen entsprechend - gut, was wiederum mit einer Person zusammenhängt, von der Peter sagt: "Frau Mette hat mir gesagt, ich müsse mein Leben ändern. Und ich habe gesagt: Gut, dann mach ich das!"

Er hat auf sie gehört, ein bisschen zumindest, und Rosemarie Mette, Sozialarbeiterin beim Diakonischen Werk Steglitz und Teltow-Zehlendorf, ist froh darüber, dass sie sich jetzt nicht mehr ganz so viele Sorgen um ihn machen muss wie noch vor einiger Zeit. Eigentlich versucht Rosemarie Mette, die auch die Suppenküche der Pauluskirche in Zehlendorf Mitte koordiniert, die Schicksale, die sie bei ihrer Arbeit kennen lernt, nicht zu sehr an sich heranzulassen. Sozialarbeiter müssen das tun, denn sonst würde ihr Privatleben ständig von den Gedanken an die Arbeit geprägt sein. Das geht nicht, man muss sich schützen. Aber wenn Rosemarie Mette, die gebürtige Spandauerin, von Peter erzählt, dann bekommt ihr Ton doch zumindest etwas Weiches, und man merkt ihr schon an: Er ist ihr wichtig.

Man braucht Toleranz, Humor, Geduld

Seit Anfang Oktober bekommen die Bedürftigen in Steglitz-Zehlendorf und auch von anderswo wieder die Möglichkeit, dreimal in der Woche in der Pauluskirche kostenlos eine warme Mahlzeit einzunehmen. Das Projekt existiert bereits seit 20 Jahren, und weil in diesem Jahr Jubiläum gefeiert wird, finden auch eine Menge zusätzlicher Veranstaltungen in der Kirche und der Paulusgemeinde statt. In dem halben Jahr, in dem es das Angebot gibt, entstehen Kosten von rund 15 000 Euro, die ausschließlich mit Spenden finanziert werden.

Wenn man sich mit Rosemarie Mette unterhält, bekommt man einen Einblick, wie schwer es sein muss, einerseits mit Herz und Leidenschaft, andererseits auch mit Distanz und kühlem Kopf Sozialarbeit zu machen. Mette hat beispielsweise schon viele Male die Situation erlebt, wo sie einem Obdachlosen helfen wollte, ihn wegholen wollte von der Straße, aber, sagt sie, "die wollen das oft nicht". Meistens wird ihr gesagt, "gib mir eine Kanne Tee und dann ist gut, ich komme schon klar". Auch die Helfer im Kältebus, die sie kennt, haben diese Erfahrungen gemacht. Mette sagt: "Man kann niemanden zwingen, aber das musste ich auch erst lernen."

Peter beispielsweise ließ sich zwar helfen, aber auch nur bis zu einem bestimmten Punkt. Aufs Amt gehen, Papiere beantragen, um wieder zu arbeiten oder eine Unterkunft zu bekommen - das wollte er nicht. Er wollte frei bleiben.

Der Autor ist Redakteur für besondere Aufgaben im Tagesspiegel.
Der Autor ist Redakteur für besondere Aufgaben im Tagesspiegel.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Im Keller der Pauluskirche hat die Diakonie mit vielen ehrenamtlichen Helfern eine sehr gut sortierte Kleiderkammer eingerichtet. Hier bekommen Peter und andere ihre Schuhe, Hosen und Wintersachen. Rund 20 Frauen und Männer gehören zum festen Kreis der Ehrenamtlichen. Und Mette hat genaue Vorstellungen davon, was man mitbringen sollte, wenn man sich engagiert: Toleranz, Humor und Geduld. Die Aktion „Warmes Essen" im Kirchsaal der Pauluskirche wurde 1993 ins Leben gerufen und in den ersten Jahren vom Deutschen Roten Kreuz koordiniert. Seit 2001 hat das Diakonische Werk das Projekt übernommen. Da die Küche zu klein ist, bekommt die Diakonie das Essen vom nahe liegenden Krankenhaus Waldfriede, dessen Geschäftsführer Bernd Quoss dafür bekannt ist, dass er überall dort hilft, wo er kann.

Die warmen Mahlzeiten werden jeweils montags, mittwochs und freitags von 12.00 bis 14.00 Uhr ausgeteilt. Das Angebot richtet sich vor allem an Wohnungslose oder Menschen mit geringem Einkommen. "Es kommen rund 50 Menschen täglich, viele davon aus Steglitz-Zehlendorf, aber ebenso viele aus anderen Bezirken wie Neukölln oder Reinickendorf."

Wer mehr erfahren will, findet unter www.dwstz.de alle Informationen.

Der Autor ist Redakteur für besondere Aufgaben im Tagesspiegel und hat den Zehlendorf Blog konzipiert, das Online-Magazin aus dem Südwesten.

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